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Wissenswertes , Zahnersatz , Gesundheit

Zahnverlust im Alter – Sind Sozialstatus und zahnärztliche Versorgung entscheidend?

Deutschlands Bevölkerung wird immer älter. Ein heute geborenes Baby hat statistisch gesehen eine Lebenserwartung von im Durchschnitt 84 Jahren – und realistisch betrachtet gute Chancen, 100 Jahre alt oder noch älter zu werden. Die Gründe für diesen seit vielen Jahren und Jahrzehnten anhaltenden Trend sind zum einen eine sehr gute medizinische Versorgung und zum anderen eine hohe Lebensqualität sowie das Wissen um eine gesunde Ernährung

In der langen Geschichte des Lebens auf der Erde ist eine solch rasante Entwicklung ohne Beispiel, und genau da liegt auch ein Problem für uns Menschen. Nicht nur steigt mit zunehmendem Lebensalter das Demenzrisiko, auch Knochen und Gelenke bauen im Laufe der Jahre ab, ebenso die Zähne. Die aktuelle fünfte deutsche Mundgesundheitsstudie gibt allerdings Anlass zur Hoffnung, was das Thema Zahnverlust im Alter angeht: Im Vergleich zur 17 Jahre vorher durchgeführten dritten Mundgesundheitsstudie konnte die vollkommene Zahnlosigkeit bei jüngeren Senioren (65 bis 74 Jahre) halbiert werden. Die Anzahl eigener Zähne stieg im Durchschnitt ebenfalls deutlich an: Heute haben diese Senioren im Mittel fünf eigene Zähne mehr im Mund als noch im Jahr 1997. 

Die Gründe dafür liegen laut dem Institut der deutschen Zahnärzte, das die Studie im Auftrag der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung herausgibt, vor allem darin, dass zunehmend zahnerhaltende Therapien und eine konsequente Präventionsorientierung in der zahnmedizinischen Versorgung zu erkennen sind. Deutschland nimmt damit in Europa eine Spitzenposition ein, allerdings gibt es nach Einschätzung der Experten dennoch Ansätze zur weiteren Verbesserung. Denn auffällig ist, dass immer noch eine Korrelation von Sozialstatus und Zahnlosigkeit bei jüngeren Senioren besteht: Während bei 16,4 Prozent der Patienten mit niedrigem Sozialstatus eine vollkommene Zahnlosigkeit vorliegt, sind es bei Patienten mit mittlerem Sozialstatus nur 6,7 Prozent. Und wer sozial gut abgesichert ist, weist ein noch geringeres Risiko auf: In dieser Gruppe sind nur 3,8 Prozent der jüngeren Senioren komplett zahnlos.

Hingegen spielt soziale Ungleichheit eine eher untergeordnete Rolle, wenn es um die Versorgung mit Zahnersatz geht. Denn unabhängig von der Art des Zahnersatzes und dem Sozialstatus hat jeder gesetzlich Versicherte in Deutschland die Möglichkeit, die Regelversorgung in Anspruch zu nehmen und auf eigenen Wunsch auch eine Versorgung mit höherwertigem Zahnersatz zu wählen. So sind bei jüngeren Senioren mit niedrigem Sozialstatus 85,9 Prozent mit Zahnersatz versorgt, bei hohem Sozialstatus sind es 79,7 Prozent. Der soziale Status des Menschen lässt sich, so die Studienherausgeber, also nicht an der Zahl der Zahnlücken erkennen. Auch das ist ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem Deutschland im internationalen Vergleich deutlich heraussticht. 

Zahnverlust im Alter ist eher eine Frage der Versorgung

Allerdings zeigt die aktuelle deutsche Mundgesundheitsstudie auch auf, dass der Zahnverlust im Alter erheblich und deutlich voranschreitet, wenn Patienten pflegebedürftig werden und nicht mehr alleine in der Lage sind, die tägliche Zahn- und Mundpflege zu absolvieren. Bereits vorher zeigen sich deutliche Diskrepanzen zwischen der persönlichen und der objektiven Einschätzung der Pflegequalität. Daraus resultierende Mängel  können aber bei regelmäßigen Besuchen in der Praxis frühzeitig erkannt, entsprechend behandelt und so zumindest zum Teil ausgeglichen werden.

Unterbleiben diese Routineuntersuchungen, etwa weil der Patient bettlägerig oder aufgrund von Demenz oder anderen Erkrankungen nicht mehr in der Lage ist, das Haus zu verlassen, verschlechtert sich der Zahnstatus meist erheblich. Denn neben dem natürlichen Alterungsprozess, dem auch Zähne, Zahnfleisch und Kieferknochen unterliegen, können sich dann Nachlässigkeiten bei der Mundhygiene mit der Zeit zu ernsthaften Zahnerkrankungen entwickeln. Neben Karies sind hier vor allem Zahnbetterkrankungen zu nennen, die, wenn sie nicht behandelt werden, langfristig zu Knochenabbau und Zahnausfall führen können.

Unbehandelte Parodontitis gilt bis heute als die Hauptursache für Zahnverlust im Alter. Das ist insofern besonders kritisch, als selbst schwere Verlaufsformen heute sehr gut konservativ behandelt werden können – sofern denn der Patient zu einer zahnärztlichen Untersuchung in die Praxis kommt und die bisweilen schmerzhafte Untersuchung und Behandlung konsequent bis zum angestrebten Ziel durchhält. Ist das der Fall und sorgt der Patient danach durch eine strukturierte und effiziente Nachsorge für stabilere Verhältnisse in seiner Mundhöhle, lässt sich der Verlust von Zähnen im Alter hinauszögern oder ganz vermeiden.

Senioren müssen regelmäßig zum Zahnarzt

Auch Karies der Zahnwurzel oder an den Zahnhälsen stellt im Alter ein immer größeres Risiko dar, weil das Zahnfleisch sich zurückbildet und so die empfindlichen Zahnhälse zunehmend freiliegen. Auch vorhandene, aber undichte Kronen und andere ältere Versorgungen, unpassender oder schadhafter Zahnersatz können ein Einfallstor für Karies sein. Die Zahnfäule kann sich von dort aus bis in den Nervenkanal ausbreiten und zu einer Infektion des Zahnnervs führen. Das ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern bedeutet auch, dass zum Schutz von Folgeerkrankungen die Entzündung möglichst schnell und vollständig entfernt werden muss – entweder durch eine Wurzelkanalbehandlung, durch eine Wurzelspitzenresektion oder im schlimmsten Fall durch die Extraktion des Zahnes. 

Mehr Flexibilität bei der zahnärztlichen Behandlung ist notwendig

Um die positiven Trends und Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte aufrechtzuerhalten, ist es notwendig, dass sich die Zahnmedizin generell mehr mit dem Thema Alter und den besonderen Anforderungen von jüngeren und vor allem von älteren und pflegebedürftigen Senioren beschäftigt. Erste Anstrengungen sind bereits getan: So wurden die Curricula vieler zahnmedizinischer Studiengänge und Ausbildungen erweitert, um bei jungen Ärzten und Pflegern mehr Verständnis für ältere Patienten zu erzeugen. Auch bieten immer mehr Zahnärzte die Möglichkeit an, Patienten auch in Heimen oder zu Hause zu besuchen und dort zu untersuchen und zu behandeln. Möglich wird das durch mobile Behandlungseinheiten, die die wichtigsten zahnärztlichen Instrumente enthalten und bequem im Kofferraum transportiert werden können. 

Zwar lassen sich beim Haus- oder Heimbesuch nur einfache Eingriffe und Untersuchungen durchführen, während etwa die Röntgendiagnostik auch auf lange Sicht nur in einer niedergelassenen Praxis angeboten werden kann. Doch selbst dieser reduzierte Behandlungsumfang verbessert die Situation der Patienten oft enorm und hilft dabei, die Zähne länger zu erhalten und so auch die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren. 


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Michael Scott-Hayward
Kassenpatient

Auch Kassenpatienten haben nicht mehr alle Zähne und es interessiert keinen.

Bsp.: Vor kurzem war ich (KKH) bei meiner Zahnärztin. Nach der Durchsicht sprach Sie mich an:"Wie alt sind Sie jetzt?" ich:" 74" … ZA:"Dann können Sie sich ja noch ganz gut mit den Restzähnen behelfen." -sprachs und verschwand. Ich? ratlos+beleidigt. Schliesslich war ich über 30 J. regelmässig Patient.

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