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Gesundheit

Zahnreport: Junge Männer sind Zahnarztmuffel

Vor allem junge Männer gehen zu selten zum Zahnarzt

Zum wiederholten Mal gibt der Zahnreport der Barmer GEK Aufschluss über die zahnärztliche Versorgung im Bundesgebiet. Der Zahnreport aus dem Jahr 2013 geht dabei nicht nur auf die Zahnarztdichte und allgemeine Schwerpunktthemen der Zahngesundheit ein, sondern beleuchtet auch das Verhalten der Deutschen bei der Vorsorge und beim Zahnarztbesuch. Denn hier gibt es nach wie vor nicht nur regionale, sondern auch geschlechtsspezifische Unterschiede.

Der Zahnreport bringt mehr Transparenz in die Zahnmedizin

Die Barmer GEK ist die größte gesetzliche Krankenkasse Deutschlands. Für den Zahnreport 2013 wertete sie mehr als 50 Millionen Abrechnungen ihrer 8,6 Millionen Versicherten aus – selbstverständlich anonymisiert. Betrachtet und analysiert wurden zahnärztliche Heil- und Kostenpläne, die zwischen 2001 und 2009 erstellt und über die Barmer GEK abgerechnet wurden. Der Schwerpunkt des Zahnreports lag dieses Mal auf Zahnersatz, also der Versorgung mit Brücken, Prothesen und Implantaten.

Im Jahr 2011 suchte jeder Deutsche im Durchschnitt zweimal den Zahnarzt auf, das entspricht fast 70 % der Bevölkerung. Insgesamt gehen Frauen öfter zum Zahnarzt als Männer; vor allem junge Männer sind zahnarztscheu: Lediglich 54 % der 20- bis 25-Jährigen suchten 2011 zur Vorsorge oder Behandlung die Zahnarztpraxis auf.

Dass junge Männer häufig Zahnarztmuffel sind, ist nicht neu: Ähnliche Ergebnisse gab es schon in früheren Studien. Auch die Tatsache, dass die Menschen im Osten der Republik die Vorsorge ernster nehmen und Landbewohner häufiger zum Zahnarzt gehen als Stadtbewohner, wurde bereits in den vergangenen Jahren immer wieder bestätigt.

Mehr Vorsorge senkt das Kariesrisiko und die Zahnarztkosten

Nachholbedarf besteht auch bei der Bekämpfung der frühkindlichen Karies: Allgemein gehen Eltern mit ihren Kindern zu spät zum Zahnarzt; auch im Jahr 2011 fand sich nur jedes dritte unter 6-jährige Kind zur empfohlenen Früherkennungsuntersuchung in der Zahnarztpraxis ein. Auch der Vorsorgegedanke, d. h. das Vermitteln und Vorleben regelmäßiger, richtiger Zahnpflege und Mundhygiene, ist noch nicht bei allen Eltern angekommen.

Die kostenlosen Vorsorgeleistungen, etwa Kontrolle, Zahnsteinentfernung und die Prüfung von Prothesen auf Zustand, Sitz und Funktion, nehmen laut Zahnreport rund 50 % aller Deutschen in Anspruch. Viele gehen nur zum Zahnarzt, wenn sie bereits Karies vermuten oder Zahnweh bzw. Zahnfleischbeschwerden haben. Leider werden viele Zahnschäden daher zu spät erkannt, was umfänglichere und teurere Behandlungen zur Folge haben kann.

Hier sind ganz klar mehr Aufklärung und Eigenverantwortung gefragt, denn die Zahnarztdichte ist in allen Bundesländern hoch genug: Beim entsprechenden Vergleich mit anderen Industrienationen belegte Deutschland immerhin den fünften Platz; für je 100.000 Einwohner stehen 68 Zahnärzte zur Verfügung. Mehr Zahnärzte pro Einwohner gibt es nur in Belgien, Finnland, Dänemark und Japan.

Was kostet Zahnersatz in Deutschland?

Die durchschnittlichen Kosten für Zahnersatz pro Versichertem sind seit dem Jahr 2005 um etwa 18 % gestiegen. So entstanden pro Patient im Schnitt rund 1.400 Euro Kosten für Zahnkronen und Zahnersatz inklusive der Versorgung bzw. Zahnersatzbehandlung. Davon rund die Hälfte, also 776 Euro pro Kopf, mussten die Patienten als Eigenanteil aus eigener Tasche bezahlen.

Nach wie vor warnen Experten vor einer Aufspaltung der Gesellschaft beim Thema Zahnersatz: Da sich längst nicht jeder den besten Zahnersatz für seinen Befund leisten kann, geben sich Normalverdiener oder Menschen mit geringem Einkommen häufig mit der reduzierten

Grundversorgung zufrieden und verzichten somit aus rein finanziellen Gründen auf die optimale Lösung. Allerdings entdecken immer mehr Patienten und Zahnärzte die enormen Sparmöglichkeiten, die sich durch das steigende Angebot von hochwertigem Zahnersatz aus dem Ausland ergeben.

Wie der Zahnreport außerdem zeigt, ist Zahnersatz im Süden Deutschlands (Bayern und Baden-Württemberg) am teuersten und im Osten (Brandenburg und Sachsen) am günstigsten. Das liegt einerseits am verantwortlicheren Verhalten der Ostdeutschen bei der Zahnpflege und Prophylaxe und andererseits am durchschnittlich höheren Privatvermögen und der stärkeren Kaufkraft in den südlichen Bundesländern. Auch das Angebotsverhalten der Zahnärzte weist sowohl landesspezifische als auch regionale Unterschiede auf.

Am günstigsten ist es immer noch, einen Zahn durch kleine Reparaturen zu erhalten oder einen stark beschädigten Zahn zu ziehen, statt ihn mit viel Aufwand zu sanieren: Nur ca. 105 Euro musste ein Versicherter in Deutschland im Jahr 2011 durchschnittlich für Standardleistungen wie Füllungen, Wurzelbehandlungen oder das Zahnziehen bezahlen. Zur Behandlung von Karies an einem oder mehreren Zähnen kamen rund 29 % der Bevölkerung zum Zahnarzt – was beweist, dass diese Volkskrankheit weiterhin in fast aller Munde ist.


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