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Gesundheit , Wissenswertes

Weltspitze, aber trotzdem verbesserungswürdig: Die Zahngesundheit von Kindern in Deutschland

Fast 80 Prozent der Sechstklässler bzw. Zwölfjährigen in Deutschland haben ein kariesfreies bleibendes Gebiss. Hinsichtlich der Zahngesundheit von Kindern dieser Altersgruppe liegt Deutschland damit (gemeinsam mit Dänemark) an der Weltspitze. Trotzdem besteht weiterhin Verbesserungsbedarf bei der Kariesprävention, Kariesfrüherkennung und Gruppenprophylaxe an Schulen und Kitas. Denn nach wie vor ist tritt Karies an Milchzähnen auch hierzulande weit verbreitet. Viele Kinder haben schon früh die ersten Löcher in den Zähnen, und nicht wenige werden davon in ihrer gesunden Entwicklung beeinträchtigt.

Die Qualitätskontrolle der Gruppenprophylaxe ist in § 21 Absatz 2 des 5. Sozialgesetzbuchs geregelt. Unabhängig von Krankenkassen bzw. Versicherungsstatus muss regelmäßig geprüft und dokumentiert werden, wie wirksam entsprechende Maßnahmen (z. B. in Schulen, Kindergärten und Tagesstätten) sind. Zu diesem Zweck gibt die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) im Abstand von einigen Jahren sogenannte epidemiologische Begleituntersuchungen in Auftrag, mit deren Hilfe der Zahnstatus und die Zahngesundheit von Kindern in Deutschland ermittelt werden. Die epidemiologischen Untersuchungen finden in ganz Deutschland in Form von Stichproben statt. Geprüft wird nach festgelegten Kriterien und immer jeweils eine Altersgruppe bzw. ein Jahrgang. Durch den Vergleich der Studienergebnisse lassen sich Veränderungen sowohl zeitlich als auch in einzelnen Bundesländern oder für das ganze Land darstellen. Das zu Anfang erwähnte positive Ergebnis ergab sich aus der letzten repräsentativen Studie und den Begleituntersuchungen aus dem Schuljahr 2015/2016.

Immer noch deutlicher Zusammenhang zwischen Zahngesundheit und Sozialstatus

Neben der erfreulichen Tatsache, dass die durchschnittliche Zahngesundheit von Kindern in Deutschland zu den besten weltweit gehört, lassen sich weitere wichtige Informationen aus den Studienergebnissen ablesen. So sind Mundgesundheit, Karieshäufigkeit und Zahnhygiene leider immer noch stark vom Sozialstatus abhängig: Kinder aus sozial belasteten oder wirtschaftlich schwachen Familien nehmen seltener an den zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen teil, bekommen mehr und früher Karies und leiden auch stärker unter Folgeschäden durch zu späte oder fehlende zahnärztliche Behandlung.

Auch bei der Zahngesundheit von Kindern in Deutschland muss also in Zukunft noch stärker auf Chancengleichheit geachtet werden. Maßnahmen der Gruppenprophylaxe und Initiativen zur Aufklärung von Kindern und Eltern sollen in allen sozialen Schichten gleichermaßen ankommen und Wirkung zeigen. Das lässt sich unter anderem durch noch intensivere Schulung der Kita-Mitarbeiter/innen erreichen, auch die Zusammenarbeit von Schulen, Kitas, Eltern und Zahnärzten soll weiter gestärkt und gefördert werden.

Vor allem bei den Kleineren ließe sich die Zahngesundheit von Kindern in Deutschland noch deutlich verbessern. In der Altersklasse der Erstklässler bzw. 6- bis 7-Jährigen konnten nur etwas mehr als die Hälfte der untersuchten Kinder ein naturgesundes Milchgebiss vorzeigen. In einigen Bundesländern haben sich die Werte in dieser Altersgruppe sogar leicht verschlechtert. Die sogenannte Karieslast ist also bei den Grundschülern um einiges höher als bei den Sechstklässlern, die im internationalen Vergleich so überragend gut abgeschnitten haben. Daraus wird ersichtlich, dass die soziale Polarisation bei Karies schon früh eintritt.

Neue Richtlinien zur Stärkung der Kinder- und Jugendzahnpflege

Unterm Strich hat sich die Zahngesundheit aller Kinder in Deutschland während der letzten beiden Jahrzehnte massiv verbessert. Auch das Drittel der Bevölkerung, bei dem die schlechtesten Karieswerte ermittelt wurden, hat enorm von den Maßnahmen zur Kariesprävention und Früherkennung profitiert. So gehört das tägliche Zähneputzen längst zum Alltag in den Kitas. Und seit dem 1. September 2016 ist die neue Kinderrichtlinie in Kraft, deren Hauptziel es ist, die zahnärztliche Vorsorge und Kariesprävention für Kinder bis zum 6. Lebensjahr zu stärken. Ein Teil der neuen Regelungen war die Überarbeitung des „Gelben Hefts“. In diesem Untersuchungsheft, das Eltern direkt nach der Geburt des Kindes erhalten, werden die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) des Kindes dokumentiert. Im neuen Kinderuntersuchungsheft gibt es zusätzlich sechs Verweise vom Arzt zum Zahnarzt als Ankreuzfelder. Sie gelten ab dem 6. und bis zum 64. Lebensmonat und sollen der Zahnärzteschaft und den Krankenkassen helfen, ihr oberstes Ziel, die Reduzierung der frühkindlichen Karies, gemeinsam besser zu erreichen.

Eltern können in den Elterninformationen im Gelben Heft nachlesen, welche Untersuchungen in welchem Alter vorgenommen werden, welchem Zweck sie dienen und was sie tun können, um sich und ihr Kind optimal darauf vorzubereiten. Ergänzend finden sich im Vergleich zum früheren Heft mehr und deutlichere Hinweise zum zahnärztlichen Vorsorgeangebot, etwa der regelmäßigen Kontroll- und Prophylaxe-Untersuchung in der Zahnarztpraxis. Diese wird von Kindern jeden Alters am besten akzeptiert, wenn die Eltern ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und mit gutem Beispiel vorangehen bzw. dabei sind.

Von Natur aus haben Kinder keine Angst vor dem Zahnarzt, und das wird auch so bleiben, wenn das regelmäßige Zähneputzen zu Hause ganz selbstverständlich zum Alltag gehört und in der Zahnarztpraxis die positiven Erlebnisse überwiegen. Hier sind ebenfalls die Eltern als Vorbilder gefragt: Es ist ihre Aufgabe, sich ohne Stress und Zwang so lange um die Zahnpflege und Mundhygiene ihrer Kinder zu kümmern, bis deren Motorik so weit entwickelt ist, dass sie die richtige Putztechnik allein ausführen können. Vorher sollen die Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten mithelfen, so dass das Zähneputzen zu einem vertrauten Ritual mit festen Abläufen wird. Wie bei vielen anderen Dingen lernt der Mensch auch hier sehr gut durch Zuschauen und Nachahmen – und am besten dann, wenn es allen Beteiligten auch noch Freude macht.


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