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Zahnersatz , Wissenswertes

Zahnersatz: Neue Therapie mit Adhäsivbrücken (Klebebrücken)

Seit 1. Juli 2016 GKV-Leistung

Es tut sich etwas bei der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV), denn mit Wirkung zum 1. Juli 2016 wurde der Leistungskatalog um eine erweitert: Seit diesem Termin können Zahnärzte ein- oder zweiflügelige einspannige Adhäsivbrücken mit Metallgerüst als Ersatz für einen oder zwei fehlende Schneidezähne mit der GKV abrechnen. Damit steht diese moderne Form des Zahnersatzes im sichtbaren Schneidezahnbereich allen gesetzlich Krankenversicherten zur Verfügung. Sie kann also, unabhängig vom Alter des Patienten, vom Zahnarzt abgerechnet und von der Krankenkasse bezuschusst werden.

Was sind Adhäsivbrücken und welche Vorteile bieten sie?

Adhäsivbrücken, auch Klebe- oder Marylandbrücken genannt, sind eine Form von festsitzendem Zahnersatz, bei dem ein Brückenglied mithilfe eines Klebeflügels an der Oberfläche des Zahnschmelzes der benachbarten Pfeilerzähne verankert wird. Das Besondere bei diesem Verfahren: Die Brücke wird adhäsiv (lateinisch für „anhaften“) befestigt. Das bedeutet, dass die Klebeflächen nicht verschmolzen werden, sondern der Zahnersatz nur durch Adhäsionskräfte verankert wird.

Für den Patienten bietet eine Adhäsionsbrücke einige Vorteile. Der wichtigste dabei ist sicherlich, dass die Zahnhartsubstanz geschont wird. Der Zahnarzt muss nur geringe Mengen des Zahnschmelzes entfernen, um eine Adhäsivbrücke einsetzen und fixieren zu können. Damit werden die gesunden Zähne, zwischen denen das Brückenglied eingesetzt wird, geschont, was zudem die Belastung für den Patienten durch die Behandlung deutlich verringert.

Adhäsivbrücken werden unterschieden in ein- und zweiflügelige Versorgungen – je nachdem, ob der Zahnersatz an einer oder zwei Seiten mit den Pfeilerzähnen verklebt wird. Einflügelige Klebebrücken werden bei Jugendlichen eingesetzt, deren Kiefer sich noch im Wachstum befinden und bei denen aufgrund von Erkrankungen, Unfällen oder angeborener Nichtanlage einzelne Zähne im Kiefer fehlen.

Ein weiterer Vorteil dieser Versorgung ist, dass ein unbemerktes Lösen der Klebeflügel ausgeschlossen ist. Somit besteht keine Kariesgefahr. Zudem können sich die Nachbarzähne durch die adhäsive Befestigung nicht unphysiologisch verblocken, was die Haltbarkeit einer solchen Versorgung erhöht.

Welche Voraussetzungen müssen beim Einsatz von Adhäsivbrücken erfüllt sein?

Nicht jede Zahnlücke lässt sich mit einer Adhäsivbrücke schließen. Für diese Versorgung gibt es vielmehr relativ hohe Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen:

  • Die Ankerzähne, an denen die Adhäsivbrücke angeklebt wird, müssen vollkommen oder mindestens weitgehend frei von Karies und Füllungen sein. Kleine Füllungen aus Kunststoff (Komposit) sind zwar möglich, allerdings müssen diese von den Flügeln der Brückenkonstruktion komplett erfasst und überdeckt werden, um eine ausreichende Dauerstabilität zu erzielen.
  • Bei einer Versorgung im Oberkiefer kann mit einer Klebebrücke nur ein einzelner Zahn ersetzt werden. Bei größeren Lücken müssen konventionelle Brücken oder andere Versorgungen wie Implantate gewählt werden.
  • Zweiflügelige Adhäsivbrücken dürfen nur nach vollständig abgeschlossenem Zahndurchbruch eingesetzt werden.
  • Wird eine Adhäsivbrücke als Langzeitprovisorium vor einer Versorgung mit Implantaten eingesetzt, ist zu beachten, dass Implantate erst nach Abschluss des Knochenwachstums gesetzt werden können. Hier sind Mädchen mit etwa 17 Jahren deutlich früher dran als männliche Jugendliche, bei denen das Knochenwachstum etwa bis zum 21. Lebensjahr andauert.

Was passiert bei einer Behandlung mit Adhäsivbrücken?

Auch wenn eine Klebebrücke einen geringeren Präparationsaufwand darstellt, müssen Patienten sich auf mehrere Behandlungsschritte an verschiedenen Tagen einrichten. Zunächst wird in der Zahnarztpraxis ein Abdruck oder Intraoralscan des Gebisses erstellt, um daraus ein Modell für den anzufertigenden Zahnersatz herzustellen.

Danach präpariert der Zahnarzt die Pfeilerzähne minimalinvasiv, also mit möglichst wenig Verlust an gesunder Zahnhartsubstanz. Die Flächen zur Mundhöhle und im Zahnzwischenraum werden parallelisiert, und auf den Kauflächen werden kleine Auflageflächen eingearbeitet, bevor eine endgültige Abformung der präparierten Zähne vorgenommen und dem Zahnlabor übermittelt wird. Auch wird gemeinsam mit dem Patienten die gewünschte Zahnfarbe festgelegt, die der Zahnersatz erhalten soll, um möglichst natürlich zu wirken.

Im Zahnlabor wird anschließend auf Basis der Patientendaten das Brückengerüst aus Metall oder Keramik erstellt und in der gewünschten Zahnfarbe keramisch verblendet. Die Haftflächen werden danach mit Aluminiumoxid abgestrahlt, um die Oberfläche optimal für die Verklebung vorzubereiten.

Der fertige Zahnersatz wird dann vom Zahnarzt in einem Folgetermin eingepasst. Form, Sitz und Farbe werden kontrolliert. Wenn alles passt und wie gewünscht sitzt, können die Pfeilerzähne konditioniert werden. Hierzu wird der präparierte Zahnschmelz für 30 Sekunden mit einer 35-prozentigen Phosphorsäure angeätzt und danach für weitere 30 Sekunden mit klarem Wasser gespült. Auf dieses Ätzmuster wird dünnflüssiger Kunststoff aufgetragen, der die entstandenen Unebenheiten ausgleicht und auffüllt.

Auf die so vorbereiteten Zahn- und Brückenflächen wird ein Befestigungskomposit aufgetragen, bevor die Brücke eingesetzt und mit etwas Druck in Position gebracht wird. Danach wird überschüssiges Klebematerial entfernt und die Aushärtung des Klebers durch das Licht einer Polymerisationslampe beschleunigt. Nach einer finalen Kontrolle des Sitzes und Bisses werden abschließend die Ränder poliert. Danach ist die Brücke vollständig einsatzfähig.

Lange Haltbarkeit ist bei entsprechender Mundhygiene gewährleistet

Adhäsivbrücken gelten als sehr haltbar – vorausgesetzt, der Patient arbeitet durch regelmäßige und gründliche Pflege und Reinigung des Zahnersatzes aktiv mit. In einer der bisher weltweit größten klinischen Untersuchungen wurden mehr als 2.800 Patienten mit Klebebrücken erfasst: Bei einer Adhäsivbrücke lag die primäre Misserfolgsquote bei 33,9 Prozent, allerdings konnten gelöste Brückenversorgungen oftmals erneut wieder eingeklebt werden. Die Adhäsivbrücke erreicht in der Studie eine Zuverlässigkeit von 87,1 Prozent nach dem Wiedereinsetzen.

In einer aktuelleren Studie aus dem Jahr 2011, bei der die Tragedauer von zehn Jahren untersucht wurde, ergaben sich sogar noch deutlich bessere Ergebnisse: 73,9 Prozent aller untersuchten vollkeramischen Klebebrücken mit zwei Klebeflügeln und 94,4 Prozent aller vollkeramischen Klebebrücken mit einem Klebeflügel wurden als voll funktionsfähig beurteilt.

Diese positiven Studienergebnisse haben mit dazu beigetragen, dass diese aus Patientensicht sehr attraktive, minimalinvasive Behandlung, die zudem ein hervorragendes ästhetisches Ergebnis liefert, seit dem 1. Juli 2016 auch für gesetzlich Versicherte zur Verfügung steht und vom Zahnarzt mit der Krankenkasse abgerechnet werden kann. Und das unabhängig vom Alter des Patienten.


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4 Kommentare

werner Eith
Referenzzahnärzte

Ich suche einen Zahnarzt in meiner Gegend für eine Adhäsivbrücke.

 

Mein Wohnort: 72458 Albstadt-Ebingen

 

mfg Werner Eith

DIE32
Referenzzahnärzte

Guten Tag Herr Eith,

sehr gerne senden wir Ihnen die gewünschten Adressen von Zahnärzten in Ihrer Nähe zu. Unser Patientenservice wird Ihnen die Adressen per E-Mail an die hier hinterlegte Mailadresse schicken. Beste Grüße, Ihr Team von DIE 32.

 

Lena

Guten Tag,

 

mir wurde in den Jugendjahren (vor ca. 10 Jahren) eine Klebebrücke (sehr schlecht geklebt von hinten und vorne) als Provisorium im Frontzahnbereich eingesetzt.

Das erst angedacht Provisorium blieb und hielt dann doch nicht geplante 10 Jahre.

Jetzt wollte ich es erneuern lassen.

Nach mehrfacher Beratung und schlussendlich preislicher Berücksichtigung habe ich mich dann doch erst mal wieder für eine neue Klebebrücke entschieden.

Gestern wurde dann der "Alte" Zahn entfernt und es stellte sich raus, dass sich Karies an beiden Zähnen gebildet hat. Leider haben sich unter der von vorne geklebten Halterung immer wieder Essensreste gesammelt, die ich nicht gesehen habe und auch so nicht zu reinigen gewesen wäre.

Kein ran kommen möglich.

Nun lese ich in diesem Beitrag, dass eine neue Klebebrücke nur an Kariesfreien und Füllungsfreien Zähnen gesetzt werden sollte.

Dies verunsichert mich jetzt etwas die Behandlung fortzusetzen.

 

Ich würde mich über Ihre Meinung freuen!

 

Vielen Dank

MfG

Lena

Lena

Guten Tag,

 

mir wurde in den Jugendjahren (vor ca. 10 Jahren) eine Klebebrücke (sehr schlecht geklebt von hinten und vorne) als Provisorium im Frontzahnbereich eingesetzt.

Das erst angedacht Provisorium blieb und hielt dann doch nicht geplante 10 Jahre.

Jetzt wollte ich es erneuern lassen.

Nach mehrfacher Beratung und schlussendlich preislicher Berücksichtigung habe ich mich dann doch erst mal wieder für eine neue Klebebrücke entschieden.

Gestern wurde dann der "Alte" Zahn entfernt und es stellte sich raus, dass sich Karies an beiden Zähnen gebildet hat. Leider haben sich unter der von vorne geklebten Halterung immer wieder Essensreste gesammelt, die ich nicht gesehen habe und auch so nicht zu reinigen gewesen wäre.

Kein ran kommen möglich.

Nun lese ich in diesem Beitrag, dass eine neue Klebebrücke nur an Kariesfreien und Füllungsfreien Zähnen gesetzt werden sollte.

Dies verunsichert mich jetzt etwas die Behandlung fortzusetzen.

 

Ich würde mich über Ihre Meinung freuen!

 

Vielen Dank

MfG

Lena

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