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24. August 2015 / 0 Kommentare

Zahnersatz

Zahnersatz für Kinder – Platzhalter für den bleibenden Zahn im Milchgebiss

Auch für das kindliche Milchgebiss kann Zahnersatz notwendig werden. Wenn aufgrund von Karies, einem Unfall mit Zahnverlust oder der fehlenden Anlage eines bleibenden Zahns schon früh eine Lücke im Milchgebiss entstanden ist, dient der Zahnersatz als Platzhalter: Er hält die Lücke frei für den bleibenden Zahn – oder für entsprechenden Zahnersatz, der später ins bleibende Gebiss eingegliedert wird.

Selten geben ästhetische Überlegungen den Ausschlag, wenn das Milchgebiss mit Zahnersatz versorgt wird. Meist rät der Zahnarzt zur Prothese, wenn die Lücke die Kaufunktion stark beeinträchtigt oder die Sprachentwicklung des Kindes zu behindern droht. Zudem hilft der Platzhalter, Folgeschäden durch eine unversorgte Lücke vorzubeugen, etwa Zahnfehlstellungen oder Wachstumsstörungen des Kieferknochens.

Soll ein Milchzahn aus kosmetischen Gründen ersetzt werden, geschieht dies häufig vor allem auf Wunsch der Eltern. Diese fürchten etwa, ihr Kind könne wegen seines deutlich sichtbaren Zahndefekts von den Mitschülern gehänselt werden. Dass ein Kind von sich aus den Wunsch nach Zahnersatz äußert, geschieht weit weniger oft – vielmehr kann es sich als schwierig gestalten, den kleinen Patienten an den Platzhalter zu gewöhnen.

Was passiert, wenn die Lücke unverschlossen bleibt?

Die bleibenden Zähne sind bereits vor der Geburt angelegt. Die Reihenfolge, in der sie später durchbrechen, ist zum Teil ebenfalls festgelegt. Weil das Milchgebiss nur aus 20 Zähnen besteht, gibt es nicht für alle bleibenden Backenzähne Platzhalter. Der sogenannte Molar (der große 6er-Backenzahn) ist der vorderste bleibende Zahn in der Zahnreihe, der in den freien Raum durchbrechen kann.

Die Platzhalterfunktion der 20 Milchzähne ist wesentlich für das spätere normale Wachstum des bleibenden Gebisses. Wenn einzelne Milchbackenzähne fehlen oder schon früh durch Karies zerstört sind, kann es geschehen, dass die ersten festen Zähne zu früh in die Lücke durchbrechen und damit den Weg für die erst später wachsenden Zähne versperren. Im schlimmsten Fall brechen diese dann außerhalb oder innerhalb der vorgesehenen Zahnreihe durch und es kommt zu Fehlstellungen und Engständen im Gebiss. Oder ein bleibender Zahn bleibt einfach im Kiefer liegen, anstatt normal durchzubrechen. Dann spricht der Zahnarzt von einer Retention.

Nach dem Verlust mehrerer Backenzähne kann sich der Unterkiefer nach hinten verlagern und dem Oberkiefer immer näher rücken. So entwickelt sich ein Fehlbiss, bei dem die unteren Schneidezähne in den Gaumen statt auf die oberen Frontzähne beißen. In der Folge verschieben sich die oberen Schneidezähne bzw. stellen sich schräg, was zu Verformungen des Profils (Vogelgesicht, fliehendes Gesicht) führen kann. Die Kau- und Zungenfunktion sowie die Schluckmuster des Kindes werden dadurch beeinträchtigt. Vielfach hemmen diese Folgeschäden nicht nur die Sprach- sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

Ohne Angst zum neuen Zahnersatz

Wenn ein Platzhalter angefertigt und angepasst werden muss, ist es sehr wichtig, das Kind von Anfang an in die Zahnersatzbehandlung mit einzubeziehen. Schon kleine Kinder können begreifen, was der Zahnarzt ihnen und ihren Eltern erklärt – zum Beispiel, dass die Lücke freigehalten werden muss, damit der bleibende Zahn später genug Platz zu  Wachsen hat.

Manche Zahnärzte oder Kieferorthopäden sind spezialisiert auf Kinderprothesen bzw. Zahnersatz für das Milchgebiss. Sie nehmen sich viel Zeit, um die empfohlene Vorgehensweise mit allen Beteiligten zu besprechen und sie auch an Modellen zu demonstrieren. So nehmen sie Eltern und Kindern die mögliche Angst vor der Behandlung und unterstützen sie darin, den Zahnersatz zu akzeptieren.

Neben psychologischen Erwägungen zur Akzeptanz und Gewöhnung müssen auch die besonderen zahntechnischen Bedingungen des Kindergebisses gut durchdacht werden. Der Zahnarzt entscheidet, wie der Zahnersatz am besten an den Nachbarzähnen befestigt werden kann. Milchzähne sind weicher als bleibende Zähne, es gilt also, eine möglichst zahnschonende und optisch unauffällige Verankerung zu schaffen.

Ist der neue Zahnersatz fertig, müssen Eltern und andere Bezugspersonen das Kind darin unterstützen und ermutigen, ihn regelmäßig zu tragen und als Teil des eigenen Körpers anzunehmen, wenn auch nur auf eine gewisse Zeit. Der Platzhalter muss auch bei der täglichen Zahnpflege und Mundhygiene berücksichtigt werden, wobei das umso besser funktioniert, je mehr das Kind dabei selbst machen kann und darf. Tipps zum richtigen Herausnehmen, Reinigen und Einsetzen einer herausnehmbaren Zahnprothese sowie zur gründlichen Pflege und Gesundhaltung der benachbarten Zähne gibt der Zahnarzt. Im Rahmen der regelmäßigen halbjährlichen Vorsorgeuntersuchung in der Praxis kontrolliert er auch den Sitz und die Funktion des Platzhalters.

Zahnersatz für Kinderzähne

Die Zahnmedizin und moderne Zahnprothetik kennen verschiedene Prothesenarten für das Milchgebiss. Herausnehmbare Platzhalter aus Metall – sogenannte Miniprothesen – sind geeignet, wenn einzelne bzw. wenige Zähne ersetzt werden müssen. Sie werden mit Klammern an den Nachbarzähnen befestigt. Es gibt auch festsitzenden Zahnersatz für Kinder, etwa Platzhalter in Form einer Krone oder eines Rings. Im Gegensatz zu den herausnehmbaren Modellen werden diese in der Regel nicht vollständig von der Krankenkasse bezahlt.

Wenn nach einem Unfall alle Milchzähne im Oberkiefer fehlen, kann im Labor auch für Kinder eine klassische Vollprothese angefertigt werden. Ihren Halt bekommt sie durch Unterdruck: Sitzt sie richtig, saugt sich die Gaumenplatte am Gaumen fest. Als Halte- und Stützelemente werden bei der Herstellung von Milchzahnersatz meist Konstruktionen genutzt, die auch in der Kieferorthopädie Verwendung finden, zum Beispiel spezielle Halteklammern (Adamsklammern, Dreiecksklammern), sogenannte Knopfanker und kleine Federn aus Metall.


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