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27. Juni 2015 / 0 Kommentare

Zahnersatz

Zahnersatz bei Bruxismus

Der Begriff „Bruxismus“ entstammt aus dem Griechischen und meint das unbewusste, in der Regel nächtliche (aber bisweilen auch tagsüber ausgeführte) Zähneknirschen oder Zähnepressen. Durch den unwillkürlichen Beißdruck können die Zähne verschleißen, der Zahnhalteapparat wird überlastet und auch Kiefer und Kiefergelenk werden bei stärkerem Bruxismus oft in Mitleidenschaft gezogen. Die Folgen sind nicht nur eine nachhaltige Beschädigung der Zahnhartsubstanz, sondern reichen von Schmerzsyndromen über Tinnitus bis hin zur craniomandibulären Dysfunktion, die mit Sehstörungen, Schwindel und Übelkeit verbunden ist. Nicht zu unterschätzen ist auch die Auswirkung auf den Lebenspartner, da die mit dem Bruxismus verbundene Geräuschentwicklung den ruhigen Nachtschlaf ähnlich wie Schnarchen stören kann.

Schätzungen zufolge leidet nahezu jeder fünfte Deutsche unter Bruxismus, der durch Stress und innere Unruhe ausgelöst wird. Die Kräfte, die dabei auf die Zahnoberflächen wirken, sind beeindruckend, fast eine halbe Tonne wirkt pro Quadratzentimeter auf Zähne und Kiefer. Diese Kräfte müssen auch bei der Wahl des richtigen Zahnersatzes berücksichtigt werden, da nicht jedes Material den auftretenden Kräften widerstehen kann.

Besser keine Vollkeramik

Wenn es rein um die Ästhetik und eine möglichst natürliche Wirkung von Zahnersatz geht, ist Keramik erste Wahl, denn Bioverträglichkeit, Formbarkeit und Stabilität sind etwa bei Zirkonoxid ausgezeichnet. Allerdings werden Kronen oder Teilkronen durch Bruxismus extrem strapaziert, denn die auftretenden Scherkräfte können zu Rissen, Sprüngen oder abgeplatzten Stellen an der Keramik führen. Eine Reparatur ist wenn, dann nur mit hohem Aufwand möglich, oft muss der Zahnersatz entfernt und neu angefertigt werden, wenn die Kaufläche durch das Zähneknirschen beschädigt wurde. Zudem ist Keramik oftmals härter als natürlicher Zahnschmelz, beim Knirschen nutzen sich damit die gegenüberliegenden natürlichen Zähne schneller ab.

Besser geeignet sind flexible Materialien wie Kunststoff, Amalgam oder eine Metalllegierung mit Gold. Diese Materialien können einen Teil der auftretenden Kräfte ausgleichen und sind weicher, die Gefahr einer Schädigung der gegenüberliegenden Zähne wird damit reduziert. Kunststoff ist eine oft günstige Variante, allerdings liegt seine Haltbarkeit unterhalb von metallischen Versorgungen und ist daher für Inlays bei Backenzähnen nicht geeignet. Wer jedoch seine Vorderzähne mithilfe von Verblendschalen (auch Veneer genannt) optisch aufwerten möchte, kann dazu auch Veneers aus Kunststoff wählen. Auch bei einer Prothese oder Teilprothese ist Kunststoff erste Wahl, ebenso für eine mögliche Knirscher- oder Aufbissschiene, die in der Nacht getragen wird, um die Schäden durch den Bruxismus zu reduzieren.

Langfristig versorgt ohne Keramik

Bei einer Krone empfehlen Zahnärzte daher Patienten, die unter Bruxismus leiden, eine metallische Krone, die aufgrund der auftretenden Scherkräfte auch nicht keramisch beschichtet werden sollte. Bei kleineren Flächen kann statt eines Inlays eine Füllung mit Amalgam erwogen werden, das ebenfalls flexibler auf Druck reagiert und damit die auftretenden Kräfte kompensieren kann. Diese Versorgung ist zwar unter ästhetischen Aspekten nicht ideal, da die Oberfläche des Zahnersatzes nicht natürlich aussieht, auf der anderen Seite verspricht eine solche Versorgung langfristig die größten Erfolgsaussichten und damit die längste Haltbarkeit. Dennoch sollten unter Bruxismus leidende Patienten versuchen, durch geeignete Maßnahmen (Sport, Yoga, Entspannungstechniken etc.) das Zähneknirschen insgesamt zu reduzieren und die zugrundeliegenden Ursachen anzugehen.

 


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