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Gesundheit , Zahnpflege

Eine neue Studie empfiehlt mehr Fluorid für Kinder im Vorschulalter

Der Zahnstatus von Jugendlichen und Erwachsenen hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter verbessert. Doch während sich z.B. bei 12-Jährigen das Auftreten von Karies seit 1997 um rund 75 Prozent reduziert hat, ist die Bilanz bei jüngeren Kindern mit Milchzähnen längst nicht so erfreulich. Hier konnte die Zahnfäule im gleichen Zeitraum nur um 28 Prozent reduziert werden. Konkret sind in einem durchschnittlichen Milchgebiss eines Sechsjährigen im Durchschnitt 1,73 Zähne an Karies erkrankt. Bei älteren Kindern mit bleibenden Zähnen sind es im Mittel nur 0,44 kariöse Zähne.

Dazu kommt, dass das Milchgebiss nur 20 und nicht 28 Zähne aufweist (die Weisheitszähne werden bei dieser Betrachtung nicht gezählt). Der tatsächliche Schaden im Milchgebiss ist also im Vergleich noch deutlich größer. Dass sich der Zahnstatus in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt so deutlich verbessert hat, liegt nach Einschätzung von zahnärztlichen Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden vor allem daran, dass sich die Zahnpflege und die zahnärztliche Vorsorge erheblich verbessert haben und das Thema „Zahngesundheit“ heute einen höheren Stellenwert besitze als vor 20 Jahren.

Neue Empfehlungen für Kinder im Vorschulalter

Dennoch sind sich die Experten einig, dass das Problem von Karies bei Milchzähnen nicht unterschätzt werden darf – zumal der Rückgang hier auffällig geringer ausfällt als bei älteren Kindern und Jugendlichen. Die Wissenschaftler und Zahnärzte haben darum neue Empfehlungen für fluoridhaltige Zahnpasten ausgesprochen: Sie fordern, dass Kinder im Alter zwischen 2 und 6 Jahren ihre Zähne zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta putzen sollen, die einen Anteil von 0,1 % Fluorid enthält. Das entspricht gegenüber den bisher geltenden Empfehlungen von 0,05 % einer Verdoppelung des Fluorid-Anteils.

Die aktuellen Empfehlungen sind das Ergebnis von neuen Meta-Analysen und klinischen Studien, in denen aufgezeigt wurde, dass Zahncremes mit einer geringeren Fluoridkonzentration keinen ausreichenden Schutz vor Karies bei Milchzähnen bieten. Die Wissenschaftler haben dazu vorhandene Studien neu ausgewertet und neue Studien in die Bewertung mit einbezogen. 

Fluorid – ein Spurenelement mit vielen Kritikern

Fluorid ist ein weit verbreitetes Spurenelement, das in geringen Konzentrationen überall in unserer Umwelt vorkommt. Es handelt sich dabei um Salze der Fluorwasserstoffsäure, die in verschiedenen chemischen Zusammensetzungen natürlicherweise auftritt.

Fluorid lagert sich im Zahnschmelz ein und schützt diesen gegen Säuren, die beim Kauen von zucker- oder kohlenstoffhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken im Mund entstehen. Damit es seine schützende Wirkung entfaltet, muss Fluorid nicht geschluckt werden: Es reicht bereits aus, die Zähne regelmäßig und lange genug mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta zu putzen. Aus diesem Grund ist eine zusätzliche Fluoridaufnahme über die Nahrung, etwa in Form von fluoridiertem Speisesalz oder Fluoridzugaben im Trinkwasser (wie das unter anderem in den USA oder Australien üblich ist) aus zahnmedizinischer Sicht nicht erforderlich. Allerdings haben Studien gezeigt, dass ein höherer Fluoridanteil in der Zahnpasta die Schutzfunktion für den Zahnschmelz erhöht. Zahnpasta für Erwachsene sollte daher einen Mindestfluoridgehalt von 0,1 Prozent aufweisen. Noch besser ist sogar ein etwas höherer Anteil, der nahe dem Grenzwert von 0,15 Prozent liegt.

Bei Kinderzahnpasta ist die Fluoridkonzentration geringer, da diese die Zahnpasta häufiger – oft auch mit Absicht – verschlucken. Hierdurch kann sich eine sogenannte Dentalfluorose entwickeln, bei der sich weiße Flecken oder Linien auf dem Zahnschmelz bilden. Die Ursache dafür sind Fluorideinlagerungen im Zahnschmelz der Milchzähne, die jedoch kein Gesundheitsrisiko darstellen, sondern vor allem ein ästhetisches Problem. Zudem besteht das Risiko für eine Dentalfluorose vor allem für Kinder bis etwa zum zweiten Lebensjahr, weil bis dahin in der Regel alle Milchzähne durchgebrochen sind.

Dieses Risiko wurde bei den neuen Empfehlungen der Expertengruppe berücksichtigt. Trotzdem kamen die Zahnmediziner und Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Vorteile einer höheren Fluoridkonzentration in Kinderzahnpasten überwiegen. Sie empfehlen Eltern, während der ersten beiden Lebensjahre des Kindes einfach eine kleinere Menge Zahnpasta zu verwenden, etwa in der Größe eines Reiskorns. Zudem rufen die Experten die Industrie auf, die Tuben von Kinderzahnpasten mit kleineren Öffnungen zu versehen und zudem durch die Viskosität der Zahncreme sicherzustellen, dass sie einfacher portioniert werden kann. Ab dem sechsten Lebensjahr sollten Kinder dann Zahnpasta für Erwachsene mit einem höheren Fluoridgehalt verwenden, um ihre Zähne optimal zu schützen.


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