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Gesundheit

Zähne zeigen bei Rückenschmerzen

Rückenschmerzen durch die Zähne: Was für Laien beim ersten Lesen weit hergeholt wirkt, gehört für viele Zahnärzte, Physiotherapeuten und HNO-Ärzte zur täglichen Realität. Denn viele Patienten, die unter dauernden oder immer wiederkehrenden Schmerzen leiden, könnten durch eine Zahnbehandlung Linderung erfahren.

Das Kausystem des Menschen umfasst die Zähne, die Kiefer, die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur. Und wie andere Gelenke und Muskeln im Körper können sich auch diese verspannen oder durch Ermüdung, Abnutzung oder Fehlbelastung Schmerzen hervorrufen. Dabei werden nicht nur Rückenschmerzen durch die Zähne verursacht: Kopf- und Nackenschmerzen, Verspannungen im Brustbereich und sogar Ohrgeräusche können vom Kausystem herrühren.

Wer seinen Schmerzen auf den Grund gehen möchte und vom Hausarzt oder Orthopäden keinen schlüssigen Befund bekommt, sollte also unbedingt auch seinen Zahnarzt und/oder einen HNO-Arzt fragen. Oft bringt die Untersuchung der Kiefergelenke bzw. des Bissverhaltens überraschende Erkenntnisse, auf deren Grundlage es dem schmerzgeplagten Patienten erstmals möglich ist, das eigentliche Problem anzugehen, statt weiterhin an den Symptomen herumzudoktern.

Rückenschmerzen gehören zu den Zivilisationskrankheiten

Im Lauf der Jahrhunderte ist die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen stetig gestiegen. Während Sechzigjährige noch vor wenigen Generationen als alte Menschen galten, zählen sie heute allenfalls zu den älteren, von denen hierzulande die meisten voll im Leben stehen. Was jedoch ebenfalls stark zugenommen hat, sind Beschwerden durch die sogenannte westliche Lebensweise.

Vor allem durch sitzende Tätigkeiten, zuckerreiche Ernährung und  Bewegungsmangel gerät der Organismus schleichend aus dem Gleichgewicht. Das Krankheits- und Verletzungsrisiko steigt, Lebensfreude und Leistungsfähigkeit lassen nach, und sowohl das Selbstwertgefühl als auch die Körperwahrnehmung leiden unter dem Zuviel und Zuwenig der modernen Zeiten. Chronische Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen, Ess- und Verdauungsstörungen sowie Antriebs- oder Ruhelosigkeit gelten als die neuen Volksleiden. Oft sind sie auch Folgen von Stress und fehlenden Regenerationszeiten.

In der ganzheitlichen Medizin werden die Kiefergelenke und das Kausystem als Schnittstellen zwischen Körper und Kopf betrachtet. Wer im übertragenen Sinne stets „die Zähne zusammenbeißt“, um allen Anforderungen gerecht zu werden und hohe Leistungen zu erbringen, verkrampft dabei häufig tatsächlich seine Kaumuskulatur oder setzt Kiefergelenke und Zähne einer stressbedingten Dauerbelastung aus.

Wie Rückenschmerzen durch die Zähne entstehen können

So wie der ganze Körper als Einheit betrachtet werden sollte, so ist auch das Gebiss immer nur so stark wie sein schwächstes Glied. Zahnverlust oder Zahndefekte, die unversorgt bleiben, verhindern den ungestörten, symmetrischen und stabilen Zusammenbiss. Die Störungen werden vom Gehirn registriert, das in der Folge etwa den Befehl senden kann, viel zu fest oder nur noch einseitig zuzubeißen.

Der Oberkiefer sitzt fest, während der Unterkiefer sich in alle Richtungen bewegen lässt. Durch ungleichmäßige Seitenbewegungen verschiebt sich auch das  Kiefergelenk, was wiederum zu dauerhafter Fehl- und Überbeanspruchung der Kaumuskeln führt. Lokale Muskelverhärtungen und daraus resultierende, oft unbewusste Schonhaltungen sorgen dann für die Ausweitung der Problematik auf die Nacken-, Brust- und Rückenmuskulatur, die ihrerseits an vielen Punkten miteinander verbunden ist. Schon lange ist beispielsweise bekannt, dass die gesunde Statik der Wirbelsäule auch von der Stabilität der Seitenzähne abhängt oder dass Reizungen der Zahnnerven zu  starke Kopfschmerzen, Augen- und Ohrenbeschwerden auslösen können.

Ohrgeräusche, Rückenschmerzen und Verspannungen können nach einer Zahnsanierung deutlich nachlassen oder ganz verschwinden. Es ist daher wichtig, fällige Zahnbehandlungen nicht auf die lange Bank zu schieben. Zahnlücken sollten ebenfalls zeitnah durch geeigneten Zahnersatz geschlossen werden, um Fehlbelastungen und Fehlstellungen zu verhindern.

Hilfe bei Rückenschmerzen durch Zähne und Kausystem

Durch das komplizierte Zusammenspiel der einzelnen Körperteile ist der Ausgangspunkt chronischer Rückenschmerzen, einseitiger Kopfschmerzen oder Ohrgeräusche (sog. Tinnitus) für den Betroffenen häufig nicht zu erkennen. Die Beschwerden werden also ganz woanders wahrgenommen als dort, wo sie eigentlich entstehen, und in der Folge häufig falsch behandelt – zum Beispiel mit Schmerzmitteln statt durch Kiefergelenksgymnastik oder die richtige Zahnbehandlung.

Die Diagnose und Korrektur von Fehlstellungen, Abnutzungserscheinungen oder Schäden im Kausystem obliegt dem Zahnarzt. Für den Befund kann er den Biss prüfen und die beiden Kiefer genau abformen. Das ist heute auch mit einem digitalen Zahnabdruck möglich, bei dem der Patient nicht mehr auf Abdruckmasse beißen muss.

Eine Behandlung der gestressten Kiefergelenke bzw. verspannten Kaumuskeln kann unter Umständen vom Arzt sogar verschrieben werden. Sie wird in der Regel von einem ausgebildeten Spezialisten durchgeführt, etwa einem Masseur, Physiotherapeuten (Krankengymnasten) oder Osteopathen. Viele Hausärzte kommen jedoch nicht von selbst auf diese Idee; auch hier ist also das selbstverantwortliche Handeln (Nachfragen, Nachhaken, Informieren) des Patienten gefragt.


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