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03. November 2016 / 0 Kommentare

Gesundheit, Wissenswertes

Wie gefährlich ist Röntgen beim Zahnarzt?

Dem Zahnarzt stehen zur Untersuchung seiner Patienten verschiedene Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. Nach einem einleitenden Gespräch, in dem der Patient seine Beschwerden schildert, kann der Status von Zähnen und Zahnfleisch zunächst durch eine Sichtuntersuchung ermittelt werden. Hierbei können etwa Entzündungen am Zahnfleisch oder äußere Beschädigungen der Zähne erkannt werden, allerdings ist dem Zahnarzt ein tieferer Blick in den Kiefer so nicht möglich. Zwar kann der Vitalzustand der Zähne durch einen einfachen Kältetest ermittelt werden, doch auch dieser gibt keine gesicherte Auskunft darüber, wie es im Inneren des Zahnes oder an dessen Wurzel aussieht. Auch Karies in den Zahnzwischenräumen lässt sich auf Sicht nicht immer erkennen, kann aber dennoch zu Problemen und Schmerzen führen, die behandelt werden müssen.

Um sich einen Eindruck vom Kiefer, den Zahnwurzeln und dem Erhaltungszustand der Zähne zu verschaffen, nutzt die Zahnmedizin die Röntgendiagnostik. Hierbei handelt es sich um ein bildgebendes Verfahren, bei dem die Zähne kurzzeitig mit elektromagnetischen Wellen, den Röntgenstrahlen, durchleuchtet werden. Die Strahlen bilden dann das Abbild der Zähne auf einem speziellen Röntgenfilm oder einer digitalen Speicherfolie ab und verschaffen dem Zahnarzt damit Einblicke in das tieferliegende Gewebe.

Röntgenstrahlung ist nicht ungefährlich

Es handelt sich bei Röntgenstrahlen um ionisierende Strahlung, die etwa auch von radioaktiven Stoffen ausgesendet wird. Diese kann, wenn sie in hohen Dosen oder lange Zeit auf den Körper einwirkt, die Entstehung von Krebs fördern. Um den Patienten vor einer zu hohen Strahlenbelastung zu schützen, muss er daher vor der Untersuchung eine Bleischürze umlegen, die die Strahlung blockiert. Moderne digitale Röntgensysteme, wie sie heute in vielen Zahnarztpraxen eingesetzt werden, reduzieren die Strahlungsbelastung zusätzlich, da sie keinen Röntgenfilm mehr benötigen, sondern die Röntgenstrahlung direkt hinter dem Kopf des Patienten messen und in ein digitales Röntgenbild umwandeln. Das verringert nicht nur die Strahlendosis, die bei einer Untersuchung auf den Patienten wirkt, sondern ist auch für den Zahnarzt von Vorteil, da die so erzeugten Röntgenbilder digital vorliegen und so direkt am Computer genutzt werden können.

Generell ist die Strahlenbelastung beim Röntgen von verschiedenen Faktoren abhängig: Art und Alter des Röntgengerätes, Dauer der Aufnahme und Bestrahlung, Umfang und Größe des zu röntgenden Bereiches. Die Belastung wird in der Einheit Mikrosievert angegeben, wobei der als gefährlich geltende Grenzwert bei 100.000 Mikrosievert im Jahr liegt. Zum Vergleich: Ein analoges Orthopantomogramm (OPG), also die halbkreisförmige Komplettaufnahme von Ober- und Unterkiefer, belastet den Organismus mit durchschnittlich 50 Mikrosievert, das analoge Röntgen eines einzelnen Zahnes stellt im Mittel eine Strahlenbelastung von 5 Mikrosievert dar. Werden digitale Röntgenaufnahmen gemacht, kann die Strahlungsdosis nochmal deutlich gesenkt werden, um bis zu 90 Prozent bei modernen Geräten.

Eine Studie aus den USA sorgt für Verunsicherung

Auch wenn die Strahlungsdosen beim Röntgen weit unter den als gefährlich eingeschätzten Grenzwerten liegen, sind viele Patienten verunsichert. Und tatsächlich raten Experten dazu, Röntgenaufnahmen nicht häufiger als zwingend erforderlich durchzuführen, um die Strahlenexposition zu minimieren. Auch eine 2012 im Fachmagazin „Cancer“ veröffentlichte Studie der Universität Yale beschreibt mögliche Risiken bei dentalen Röntgenaufnahmen: Die Wissenschaftler haben dazu fast Personen untersucht und einen Zusammenhang zwischen Röntgenuntersuchungen beim Zahnarzt und dem Auftreten von Meningeomen (gutartige Hirntumore) hergestellt.

Den Erkenntnissen der Studie nach haben Menschen, die ein- oder mehrmals im Jahr beim Zahnarzt geröntgt würden, eine dreimal so hohe Wahrscheinlichkeit, an einem Meningeom zu erkranken. Bei Kindern unter zehn Jahren sei die mögliche Gefährdung sogar noch höher, die Wissenschaftler gehen von einem fünffach höheren Risiko aus. Als besonders kritisch gilt dabei die OPG-Untersuchung, doch auch beim Röntgen von Einzelzähnen ermittelten sie ein um den Faktor 1,4 bis 1,9 erhöhtes Risiko.

Zwar sind Meningeome kein aggressiver Krebs, dennoch sind diese Tumore nicht harmlos: Sie können im Laufe der Zeit wachsen und so auf der Gehirn drücken und dann Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme und Persönlichkeitsveränderungen auslösen. Wenn ein solches Meningeom erkannt und entdeckt wird, hilft oftmals nur die operative Entfernung, um eine Druckentlastung zu erreichen und das Gehirn zu schützen.

Also besser komplett auf das Röntgen verzichten?

Auch wenn die Studie nahelegt, dass übermäßiges Röntgen eine mögliche Gefährdung für den Patienten darstellt, raten die Forscher dennoch nicht dazu, auf diese wichtige Diagnostik zu verzichten. Vielmehr lautet die Empfehlung, beim Röntgen mehr Zurückhaltung zu üben und Röntgenaufnahmen, ob analog auf Film oder in digitaler Form, auf das absolut erforderliche Maß zu beschränken.

Gerade in der Zahnmedizin ist die Röntgendiagnostik unverzichtbar, denn Zahn- und Knochenstrukturen können nur mithilfe von Röntgenstrahlen sichtbar gemacht werden. Wer aus Angst vor zu hoher Strahlenbelastung oder möglichen Gesundheitsschäden darauf verzichtet, riskiert anderweitige Probleme, etwa den Verlust von Zähnen oder die Schädigung von Knochen und Zahnfleisch.

Besser ist es daher, bewusst mit den Risiken umzugehen und diese richtig einzuordnen: Die gleiche Strahlenbelastung wie beim Röntgen entsteht auch bei einer mehrstündigen Flugreise. Die natürliche radioaktive Strahlung, der Menschen beispielsweise aufgrund natürlicher Uranvorkommen in der Erde ausgesetzt sind, entspricht statistisch gesehen einer täglichen OPG beim Zahnarzt. Natürlich erhöht ein OPG beim Zahnarzt diese Belastung zusätzlich, allerdings steht diese Mehrbelastung auch in einem direkten Verhältnis zum diagnostischen Nutzen.

Wer dennoch unsicher ist, sollte offen mit seinem Zahnarzt über die eigenen Unsicherheiten und Ängste sprechen. Bei einem Zahnarztwechsel, etwa nach einem Umzug, sollte der neue Zahnarzt über aktuelle Röntgenaufnahmen informiert werden, damit dieser die Bilder bei seinem Kollegen anfordern und für die eigene Diagnose nutzen kann. Sind seiner Einschätzung nach trotzdem neue Aufnahmen erforderlich, so sollte er dieses nachvollziehbar begründen können und den Patienten über die Risiken aufklären.

Und natürlich sollten große OPG, also Röntgenaufnahmen des gesamten Kiefers, nur dann angefertigt werden, wenn sie absolut erforderlich sind. Das ist meist bei der Anamnese der Fall oder bei umfangreichen Eingriffen an verschiedenen Stellen im Kiefer. Müssen hingegen nur ein einzelner Zahn oder zwei benachbarte Zähne untersucht werden, reicht auch eine Detailaufnahme des betroffenen Bereiches, was der Patient auch einfordern kann und sollte.

Fazit: Ohne tiefere Einblicke geht es nicht

Bei kieferchirurgischen Eingriffen wie der Extraktion von Weisheitszähnen, der Behandlung der Wurzelkanäle oder dem Einsetzen eines Implantates ist die moderne Röntgendiagnostik unverzichtbar. Auch bei der Diagnose von tiefersitzender Karies ist eine Röntgenaufnahme erforderlich, um die richtige Behandlung zu ermitteln und den Zahn möglichst lange zu erhalten. Daher sollten Patienten gemeinsam mit dem Zahnarzt abwägen, ob eine Röntgenaufnahme erforderlich und sinnvoll ist und sich dieser nicht pauschal verweigern.


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