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05. September 2014 / 2 Kommentare

Zahnersatz, Wissenswertes

Was zahlt die Krankenkasse bei Zahnersatz?

Seit dem Jahr 2005 arbeiten die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Zuschusssystem, das sich nicht mehr wie früher an der Art des Zahnersatzes orientiert, sondern nur noch nach dem Befund des Zahnarztes.

Früher zahlte die Kasse einen gewissen Prozentsatz des Preises für die neue Brücke, Krone o. Ä., der Kassenanteil konnte also je nach Versorgungsart sehr unterschiedlich ausfallen. Heute ist es für die Kassenabrechnung  nicht mehr wichtig, wie der Patient seine Zahnlücke schließen lässt, sondern nur noch, dass er eine Zahnlücke hat, die geschlossen werden muss. Die Kasse gewährt dann den festen Zuschuss für die Regelversorgung einer Zahnlücke – und kümmert sich nicht weiter darum, für welchen Zahnersatz der Patient das Geld verwendet.

Als Zahnersatz gilt im Übrigen jede Versorgung, die über eine einfache Füllung hinausgeht. Inlays sind bereits Zahnersatz, ebenso Kronen, Brücken, Implantate, Verblendungen sowie alle festen und herausnehmbaren Zahnprothesen. Kieferorthopädische Behandlungen von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren bezahlen die Krankenkassen in den meisten Fällen komplett: Der Eigenanteil (20 % oder weniger) wird nach der Behandlung zurückerstattet.

Festzuschüsse für zahnärztlich-prothetische Leistungen laut HKP

Der Heil- und Kostenplan vom Zahnarzt ist Voraussetzung für alle Leistungen der Krankenkasse. Was bezuschusst wird, ergibt sich aus dem Befund des Zahnarztes und der dafür vorgesehenen Regelversorgung (= Standardversorgung). Die Festzuschüsse sind in den Richtlinien der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) geregelt: In einem Katalog sind alle Diagnosen mit den entsprechenden prothetischen Regelleistungen aufgelistet. Von dem jeweiligen befundbezogenen Betrag bezahlt die Krankenkasse 50 Prozent, bei lückenlos geführtem Bonusheft bis zu 65 Prozent.

Wenn der Zahnersatz-Eigenanteil für den Versicherten eine unzumutbare Härte darstellt, übernimmt die Krankenkasse sämtliche Kosten für die Regelversorgung. Die Einkommensgrenze richtet sich nach dem Gesamteinkommen: Sie liegt im Jahr 2014 bei 1.106 Euro brutto pro Monat für Alleinlebende und bei 1.520,75 für Versicherte mit einem Angehörigen. Für jedes weitere mitversicherte Familienmitglied erhöht sich die Grenze um 276,50 Euro.

Auch wer nur wenig mehr pro Monat verdient, kann auf höhere Zuschüsse seiner Krankenkasse hoffen. Klarheit bringt in solchen Fällen immer ein persönliches Beratungsgespräch, z. B. über die entsprechenden Telefondienste (Hotlines) der Krankenversicherung oder bei einem Besuch in der Filiale vor Ort.

Ob der Patient den Festbetrag tatsächlich für die Regelversorgung ausgibt oder für einen hochwertigeren Zahnersatz, ist seine persönliche Entscheidung, die er allerdings nie ohne den Zahnarzt treffen sollte.  Wer fehlende Zähne z. B. mit Zahnimplantaten ersetzen lässt statt mit einer herausnehmbaren Prothese, bekommt denselben Festzuschuss, muss aber einen höheren Eigenanteil aufbringen.

Beispiele für Festzuschüsse der Krankenkassen

Bei einer einzelnen Zahnlücke wird der Festzuschuss für eine Standard- Zahnbrücke gewährt. Dieser beträgt je nach Bonusheftsituation zwischen 319 und 415 Euro. Im Sichtbereich, wo der Zahnersatz verblendet werden muss, werden zusätzlich zwischen 47 und 61 Euro pro Zahn bzw. Zahnbrückenglied bezuschusst.

Wird ein fehlender Schneidezahn durch eine Brücke ersetzt, müssen i. d. R. drei Zähne verblendet werden: Der Zahnersatz und die beiden Nachbarzähne (Pfeilerzähne), an denen die Brücke befestigt wird. Der Patient kann in diesem Fall also dreimal den Festzuschuss für die Zahnverblendung bekommen.

Wenn mehr als vier Zähne fehlen, bezuschusst die Kasse ebenfalls zwischen 319 und 415 Euro (für herausnehmbaren Zahnersatz). Bei kombinierten Prothesen (feste Kronen plus herausnehmbare Teile) kommen weitere Zuschüsse für die Kronen dazu. Zur Vollversorgung des zahnlosen Oberkiefers werden zwischen 296 und 411 Euro bezuschusst, bei einer Unterkiefer-Vollprothese übernimmt die Kasse zwischen 317 und 413 Euro. Auch implantatgestützte Vollprothesen, die wesentlich teurer sind, werden mit diesem Festbetrag bezuschusst. Das ist der Hauptgrund dafür, dass hochwertige Implantate immer häufiger im Ausland gefertigt werden, wo die Labor- und Personalkosten deutlich niedriger sind.

Zahnimplantate und implantologische Leistungen

Implantate und implantatgestützter Zahnersatz sind nur in Ausnahmefällen Kassenleistungen, etwa bei einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (im Volksmund: „Hasenscharte“), bei größeren Defekten durch einen Unfall oder nach einer Tumoroperation im Kiefer- bzw. Gesichtsbereich. Auch dieser Befund stünde dann im Heil- und Kostenplan, damit die Krankenkasse sich danach richten kann.

Für implantologische und zahnerhaltende Leistungen, die nicht der Regelversorgung entsprechen und demzufolge nicht von den Krankenkassen bezuschusst werden, kann der Zahnarzt einen zusätzlichen Heil- und Kostenplan erstellen. Auch in diesem müssen die entsprechenden Zahnarztleistungen, Material- und Laborkosten aufgeführt sein. Seit 2012 gibt es eine Reihe zusätzlicher Vorschriften zur Regelung der Zahntechnikkosten.

Konkret wird eine Implantatkrone (Einzelzahnimplantat) je nach Zustand des Bonushefts mit 135 bis 174 Euro bezuschusst. Implantate gelten kassenrechtlich als „andersartiger Zahnersatz“, der Zahnarzt kann den Kassenanteil also nicht direkt mit der Kasse verrechnen. Der Patient reicht in diesem Fall nach Abschluss der Zahnersatzbehandlung den genehmigten Kostenplan zusammen mit der Gesamtrechnung  bei seiner Krankenkasse ein und bekommt den Festbetrag direkt von dieser erstattet.


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2 Kommentare

Clarissa /

19. April 2017

Und wenn man missbraucht ist und keine losen Teile im Mund aushält? Also prothese,was dann??

Pech gehabt, weil die gkv (aok-schrott usw) keine Implatate zahlt. Man kriegt einePprothese und muss zusehen, wie man damit klarkommt. Ja, ich bin ein Mensch, weiß die gkv das auch ??

Vielen Dank!!

Franz Behne /

05. Juli 2017

Gesundheitssystem in Deutschland

Es ist nun mal so, dass wir in Deutschland auch im Gesundheitssystem eine Zwei Klassengesellschaft haben. Durch die Privatisierung im Gesundheitswesen wurde die Gesundheit zum Privileg. Wer Geld hat, der kann sich eben etwas besonderes leisten, wer kein Geld hat, muss nehmen was man ihm gibt.

Das wird zwar immer wieder bestritten aber es ist leider Tatsache. Es verstößt sogar gegen unser Grundgesetz und somit gegen unsere Verfassung!

Mit freundlichen Grüßen

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