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Was tun bei Kieferknacken und Schmerzen im Kiefergelenk?

Gelegentliches Kieferknacken ist in aller Regel harmlos. Viele Menschen kennen das schmerzlose Knacken im Kiefergelenk, das gelegentlich bei einer heftigen Kaubewegung auftritt, vor dem Niesen oder beim Gähnen mit weit geöffnetem Mund. Auch bei starken Höhen- und Druckschwankungen kann es im Kiefer knacken – etwa beim Fliegen, wenn das Flugzeug startet oder landet, oder beim Zugfahren, wenn es schnell durch einen Tunnel geht.

Ist das Kieferknacken jedoch mit Schmerzen oder anderen Beschwerden verbunden, kann es ein Anzeichen für eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) sein. Das ist der Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen und Fehlfunktionen der Kiefergelenke. Viele Menschen sind davon betroffen, doch nicht immer ist eine ärztliche Behandlung erforderlich.

Für Laien ist es meist schwierig, die genaue Ursache für schmerzhaftes oder auffallend häufiges Kieferknacken zu ermitteln und die Risiken richtig einzuschätzen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte seine Kiefergelenkbeschwerden daher vom Arzt bzw. Zahnarzt abklären lassen. Nur ausgebildete Mediziner können eine sichere Diagnose stellen und gegebenenfalls geeignete Therapiemaßnahmen empfehlen.

Was ruft Kieferknacken hervor?

Das Kiefergelenk verbindet den beweglichen Unterkiefer mit dem starren Oberkiefer. Der Oberkiefer ist als Teil des sogenannten Gesichtsschädels fest mit dem Schädelknochen verbunden. Zwischen Ober- und Unterkiefer, vor den Ohren, sitzen die Kiefergelenke. Sie ermöglichen die Bewegungen des Unterkiefers, die zum Kauen und Sprechen nötig sind und viele andere Funktionen unterstützen.

Wie andere Gelenke bestehen auch die Kiefergelenke aus verschiedenen Teilen, aus deren Zusammenspiel sich die verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten und -richtungen ergeben. Die Hauptbestandteile sind der Gelenkkopf am Unterkiefer, die konkave Gelenkgrube am Oberkiefer und die dazwischenliegende Knorpelscheibe, der Diskus. Zu den Kiefergelenken gehören außerdem verschiedene Muskeln, die teils im Gelenk und teils darum herum sitzen.

Beim Öffnen des Mundes und anderen Unterkieferbewegungen gleitet der Gelenkkopf mitsamt der Knorpelscheibe nach vorn. Zuweilen rutscht der Diskus jedoch auch ohne den Gelenkkopf vor, und wenn der Gelenkkopf dann mit Verzögerung nachrutscht und auf die Knorpelscheibe trifft, verursacht dieses „Aufrutschen“ das Geräusch und den Ruck beim Kieferknacken.

Das Verrutschen der Knorpelscheibe wird auch Diskusverlagerung genannt und ist in vielen Fällen harmlos – einfach eine nicht ganz korrekt synchronisierte Gelenkbewegung, wie sie auch in den Finger- oder Kniegelenken auftreten kann. Und wenn die Knorpelscheibe so weit verrutscht, dass der Gelenkkopf direkt auf die Gelenkgrube trifft, also Knochen über Knochen reibt, entstehen dadurch Knirsch- oder Reibegeräusche. Auch sie können harmlos sein, wenn sie nur manchmal auftreten und keine weiteren Beschwerden verursachen. Sind sie jedoch mit starken Missempfindungen, Schmerzen oder Funktionsstörungen verbunden, sollte ein Zahnarzt oder Orthopäde die Kiefergelenke untersuchen.

Auslöser für häufiges Kieferknacken können genetische Faktoren sein oder ein Unfall (z. B. Schädeltrauma oder Kieferbruch). Zahnersatz kann ebenfalls eine Rolle spielen, etwa eine schlecht sitzende ältere Prothese oder neuer Zahnersatz, an den man sich noch nicht richtig gewöhnt hat. Außerdem kann der Diskus auch im Schlaf verrutschen, etwa bei nächtlichem Zähneknirschen oder Zähnepressen, das meist durch Stress verursacht wird und zu den häufigsten Auslösern und Begleiterscheinungen von Kiefergelenkbeschwerden zählt.

Ab wann ist Kieferknacken gefährlich?

CMD ist ein sehr vielseitiges Beschwerdebild. Die Symptome können sich ausschließlich im Bereich von Kiefergelenk, Zähnen und Mund zeigen, aber auch darüber hinausgehen. Ein Zahnarztbesuch ist empfehlenswert, wenn die Kiefergelenke beim Kauen häufig schmerzen, sich nicht mehr normal bewegen lassen oder blockieren. Gelenkblockaden, bei denen der Kiefer „hängen bleibt“ oder deutlicher Widerstand fühlbar ist, können mit lauten Geräuschen verbunden sein. Oft ist das Knacken, Knirschen oder Reiben auch von anderen deutlich zu hören, was es für die Betroffenen noch unangenehmer macht.

Verschiedene Ursachen für das Kieferknacken sind denkbar – von Stress und innerer Anspannung bis hin zu Zahnfehlstellungen, Kieferanomalien, unbehandelten Zahndefekten oder Haltungsschäden. Lassen sich die Symptome auf ein äußeres Trauma zurückführen, etwa einen Schlag auf den Kopf bzw. Kiefer bei einem Unfall oder einer Schlägerei, ist die richtige Therapie oft einfacher zu finden und festzulegen als bei einem inneren oder mentalen Trauma wie übermäßig starkem Kauen, chronischem Stress oder Angstzuständen. Manchmal stehen die Kieferprobleme auch in Zusammenhang mit einer Krankheit, etwa Arthrose, rheumatoider Arthritis oder Wirbelsäulenproblemen (z. B. Zervikalsyndrom, Bandscheibenvorfall).

Weil Funktionsstörungen im Kiefergelenk die gesamte Körperstatik beeinflussen, können sie zu Folge- bzw. Begleitbeschwerden im Schulter-Nacken-Bereich, am Kopf und am Rücken führen. So kann das Kieferknacken mit Ohrgeräuschen (Tinnitus), Sehstörungen, Nackenschmerzen, Muskelverspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen oder sichtbaren Schwellungen im Mund oder Gesicht verbunden sein. Das alles sind Beschwerden, die die Lebensqualität deutlich einschränken können.

Kieferknacken behandeln: Der Zahnarzt hilft bei Diagnose und Therapie von CMD

Der Zahnarzt ist ein guter erster Ansprechpartner, wenn es darum geht, Kiefergelenkbeschwerden einzugrenzen oder CMD behandeln zu lassen. Oft bringt schon das Reparieren von Zahnschäden und das Versorgen eventueller Zahnlücken eine deutliche Besserung. Auch das Entfernen der Weisheitszähne kann helfen: Wenn diese nicht genug Platz im Kiefer haben, können sie bei ihrem Wachstum gegen die Nachbarzähne drücken und die gesamte Kieferstatik stören. Beengte oder verkantete Weisheitszähne können bei einem Wachstumsschub sogar Nerven einklemmen und so starke, migräneähnliche Kopfschmerzen, Gesichts- und Nackenschmerzen, Tinnitus, Übelkeit und andere Beschwerden auslösen.

Ein normaler Biss und gesunde Zähne sind eine wesentliche Voraussetzung für die störungsfreie Funktion der Kiefergelenke. Eine durch fehlende Zähne unterbrochene Zahnreihe, schiefe Zähne, ein zu enger Kiefer oder schlecht sitzender Zahnersatz – das sind Faktoren, die CMD begünstigen, sich aber durch eine entsprechende Behandlung dauerhaft korrigieren lassen.

Je nach Bisssituation und Zahnstatus kann der Zahnarzt die Korrekturen in der Praxis vornehmen, mit dem Labor seiner Wahl den optimalen Zahnersatz planen oder seinen Patienten an den Kieferorthopäden überweisen. Hier gibt es weitere Möglichkeiten zur umfassenden Funktionsdiagnostik und Verbesserung der Situation – zum Beispiel eine Zahnspange für Erwachsene zum Korrigieren von Zahnfehlstellungen. Liegen die Ursachen nicht im Bereich der Kiefer und Zähne, können ein Orthopäde oder Physiotherapeut mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhelfen. Denkbar sind zum Beispiel Bewegungs- oder Entspannungsübungen, um die Haltung zu harmonisieren oder alltägliche Fehl- und Überbelastungen in Zukunft zu vermeiden.

Auch die Osteopathie kann helfen: Osteopathen behandeln Verspannungen, Blockaden und Funktionsstörungen ganzheitlich, indem sie deren Ursachen ertasten und mit besonderen Griffen, Drücken und Bewegungen therapieren. Die Osteopathie ist eine sanfte und ausschließlich manuelle Heilmethode – es wird nur mit den Händen diagnostiziert und behandelt – und für Patienten jeden Alters geeignet.

Eine Schiene hilft

Auch nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) kann häufiges oder schmerzhaftes Kieferknacken auslösen. Es knackt, wenn die Knorpelscheibe des Kiefergelenks aus ihrer normalen Position herausrutscht oder wieder zurückgleitet. Bei starken Knirschern sind auch die Zähne gefährdet, ebenso Zahnersatz, der splittern kann, z. B. hochwertige, harte Keramikkronen. Rasche Hilfe bringt hier eine passgenaue Knirscherschiene vom Zahnarzt bzw. aus dem Zahnlabor. Sie schützt Zähne und Zahnersatz vor Schäden und vorzeitiger Abnutzung.

Die Knirscherschiene oder Aufbissschiene dient zuerst dem Bekämpfen der Symptome und damit dem Schutz der gefährdeten Zähne. Doch sie hilft auch bei der Selbsthilfe und unterstützt in vielen Fällen andere Therapiemaßnahmen. So kann die Schiene das Zusammenspiel der Kaumuskeln und Kiefergelenke harmonisieren, indem sie unphysiologische Bewegungen und Zahnkontakte verhindert und diese auch bewusster machen kann.

Durch das Tragen der Schiene wird der Unterkiefer aus seiner Verzahnung und zu starken Verspannung mit dem Oberkiefer gelöst. In der Folge kann er sich wieder freier bewegen und leichter zu einer entspannteren und damit gesünderen Lage zurückfinden. Es ist dabei durchaus gewollt, dass der therapeutische Effekt in beide Richtungen geht und sowohl die Symptome als auch die Ursachen der Kiefergelenkbeschwerden lindern kann. Die äußere Entlastung kann auch innere Verspannungen und unbewusste, negative Automatismen lösen. Bei chronischem Stress oder anderen psychischen Ursachen ist es jedoch immer sinnvoll, belastende Lebensumstände zu verbessern oder eine zusätzliche Therapie zu machen, etwa um ein besseres Stressmanagement und neue Wege zur Entspannung und Erholung zu lernen.


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Patrick

Jedesmal bei einer Bewegung meines Kiefers knackt mein Kiefer. Ich weiß nicht, ob es was schlimmes ist oder was harmloses. Es ist nicht geschwollen und tut nicht immer weh. LG, Patrick

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