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Gesundheit

Was muss bei der Mundgesundheit bei älteren Senioren mit Pflegebedarf beachtet werden?

Jeder Mensch möchte gesund altern und alt werden und möglichst lange ohne Unterstützung und Hilfestellung von anderen selbstbestimmt leben können. Doch mit zunehmendem Lebensalter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden und zumindest bei einigen täglichen Verrichtungen fremde Hilfe zu benötigen. In Deutschland leben zur Zeit rund 2,6 Millionen pflegebedürftige Menschen, daher wurden bei der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) erstmals auch Menschen mit Pflegebedarf in die Forschungen einbezogen.

Im Rahmen der DMS V wurde bundesweit an 90 Standorten bevölkerungsrepräsentativ die Mund- und Zahngesundheit von Bürgerinnen und Bürgern in vier Altersgruppen untersucht und statistisch ausgewertet. In der ältesten Probandengruppe (ältere Senioren im Alter zwischen 75 und 100 Jahren) wurden sowohl Menschen erfasst, die das Untersuchungszentrum selbständig aufsuchen konnten, als auch diejenigen, die aufgrund von Immobilität nicht dazu in der Lage waren, ihren Wohnort zu verlassen.

Bei diesem Vergleich zeigen sich eklatante Unterschiede in Bezug auf Zahnstatus, Mundgesundheit und die Versorgung mit Zahnersatz. So fehlen älteren Senioren mit einer Pflegestufe im Mittel 26,3 Zähne inklusiver der Weisheitszähne (ohne Weisheitszähne sind es 22,4). Mehr als die Hälfte (53,7 Prozent) der untersuchten Pflegebedürftigen sind komplett zahnlos, bei Senioren ohne Pflegestufe sind es mit 26,7 Prozent fast die Hälfte weniger. Damit wird deutlich, dass Menschen mit Pflegebedarf und hier insbesondere ältere Patienten einen signifikant schlechteren Gesundheitsstatus aufweisen als Menschen, die die tägliche Zahn- und Mundpflege eigenverantwortlich durchführen können.

 Die Ursachen sind vielfältig: So ist für vollständige Zahnlosigkeit oft eine unbehandelte oder im schlimmsten Fall unentdeckte Parodontitis verantwortlich, bei der Bakterien den Zahnhalteapparat angreifen und dauerhaft schädigen. Wird eine solche Parodontitis nicht behandelt, können selbst gesunde Zähne ohne Karieserfahrung wortwörtlich den Halt im Kiefer verlieren, sich lockern und irgendwann ausfallen. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, kommt der Seniorenzahnmedizin zukünftig eine wichtigere Rolle zu, die sich stärker als bisher auf den erhöhten Pflegebedarf von älteren Senioren einstellen muss.

Initiativen wie die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) und auch die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZV) weisen schon seit längerem darauf hin, dass die geriatrische Zahnmedizin gestärkt und intensiviert werden muss, um einen chancengleichen Zugang zur zahnmedizinischen Betreuung und eine Verbesserung der Mundgesundheit bei älteren Patienten mit Pflegebedarf zu erreichen. 

Probleme und Lösungsansätze

Wer alt und pflegebedürftig ist, braucht Unterstützung – auch bei der täglichen Zahnpflege. Das gilt sowohl bei der Pflege und Reinigung eigener Zähne wie auch bei herausnehmbarem Zahnersatz. Solange noch eigene Zähne vorhanden sind, müssen diese täglich richtig geputzt werden, um Zahn und Zahnfleisch gesund zu erhalten. Unterbleibt diese Reinigung oder wird sie nicht korrekt durchgeführt, können Folgeerkrankungen wie Wurzelkaries oder Parodontitis entstehen. Die Folgen sind Schmerzen, Infektionen und Zahnverlust.

Eine wichtige Vorbeugungsmaßnahme ist die regelmäßige zahnärztliche Untersuchung, entweder in der Praxis oder in den Pflegeeinrichtungen. Zwar gehören Hausbesuche durch den Zahnarzt noch zu den Ausnahmen, doch in Zukunft wird es zunehmend wichtiger, immobile Patienten in ihrem gewohnten Umfeld zu be- und untersuchen. Zwar bieten mobile Behandlungseinheiten nicht die Möglichkeit zur vollumfänglichen Therapie aller zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Befunde, dennoch können damit viele notwendige Behandlungen durchgeführt und Probleme frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden.

Neben der Verbesserung der zahnmedizinischen Betreuung gilt es auch, Pflegekräfte und Patienten über die Notwendigkeit und Umsetzung der täglichen Mund- und Zahnpflege aufzuklären. Dazu gehört auch die Vermittlung der richtigen Putztechnik, der richtige Umgang mit herausnehmbaren Prothesen (Reinigung, Pflege) sowie der Zusammenhang von Ernährung und Mundgesundheit.

So bietet beispielsweise die DGAZ Fortbildungen für Zahnärzte, zahntechnische Fachangestellte, Zahntechniker sowie für Pflegepersonal und Logopäden an. Auch andere Einrichtungen und Ausbildungsträger erkennen zunehmend die Zeichen der Zeit und erweitern ihre Curricula um Aspekte der Seniorenzahnmedizin. 

Wie kann die Mundgesundheit bei Pflegebedürftigen sichergestellt werden?

Die tägliche Mund- und Zahnpflege ist die wichtigste Voraussetzung für die Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnfleisch. Eine elektrische Zahnbürste mit einem weichen Bürstenkopf ist besser geeignet als eine Handzahnbürste, da die erforderlichen Putzbewegungen automatisch erfolgen. In Verbindung mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta und einem Mundwasser lassen sich bei regelmäßiger Verwendung bakterielle Plaque reduzieren und so die Zähne schützen.

Ebenso ist die regelmäßige Kontrolle des Mundes durch einen Zahnarzt wichtig, denn nicht nur können so Putzdefizite frühzeitig erkannt werden, auch Veränderungen der Mundschleimhaut lassen sich so schneller erkennen und identifizieren. Das gilt besonders für Pflegebedürftige mit einer herausnehmbaren Teil- oder Vollprothese, da bei unzureichender Prothesenpflege oder einem schlechten Sitz schmerzhafte Druckstellen entstehen und Zahnfleisch und Knochen angegriffen werden können.

Herausnehmbare Prothesen müssen täglich manuell gereinigt werden, entweder durch den Träger selber oder durch eine Pflegekraft. Im Fachhandel gibt es dafür spezielle Prothesenbürsten, mit denen nicht nur die Ober- sondern vor allem auch die Unterseite, die direkten und dauerhaften Kontakt mit dem Zahnfleischkamm hat, von Ablagerungen und Essensresten befreit werden kann. Zudem sollte in der Pflegeeinrichtung strikt darauf geachtet werden, dass Prothesen nicht über Nacht getragen werden, um Irritationen des Zahnfleisches zu vermeiden. 


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