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Zahnersatz

Was ist eine Kieferzyste?

Kieferzysten sind Löcher bzw. Hohlräume im Kieferknochen. Sie sind mit einer Gewebeschicht ausgekleidet und mit Flüssigkeit gefüllt. Eine Kieferyste kann aus verschiedenen Gründen entstehen – zum Beispiel, wenn sich eine unbehandelte oder chronische Entzündung im Kieferknochen „einkapselt“. Manchmal bilden sich Kieferzysten auch als Folge einer problematischen oder gestörten Zahnentwicklung. Männer leiden im Durchschnitt häufiger an Kieferzysten als Frauen.

Zahnärzte und Kieferorthopäden unterscheiden unterschiedliche Arten der Kieferzyste. Wenn die Zyste von einem Zahn ausgeht, handelt es sich um eine odontogene Kieferzyste. Nicht odontogene Zysten treten zwar im Bereich des Kiefers auf, bilden sich jedoch aus anderen Gewebearten. Die häufigste Art der von Zähnen ausgehenden Zysten ist die Zahnwurzelzyste (radikuläre Zyste).

Die Zahnwurzelzyste

Eine Zahnwurzelzyste kann in Folge einer Zahnwurzel- bzw. Wurzelspitzenentzündung entstehen und betrifft häufig Patienten mittleren Alters. Wenn sich die Zyste bildet, sind die Pulpa (das Zahnmark) und der Zahnnerv in aller Regel bereits stark entzündlich verändert oder abgestorben.

Um den Zahn zu erhalten, kann der Zahnarzt eine Wurzelbehandlung oder Wurzelspitzenresektion durchführen. Manchmal reicht das schon aus, um die Zahnwurzelzyste auszuheilen. Falls nicht, muss der Zahn gezogen und neuer Zahnersatz geplant werden. Der kann angepasst und getragen werden, sobald die Zyste und alle entzündlichen Prozesse ausgeheilt sind. Bis dahin kann die Lücke mit einem Provisorium versorgt werden, damit sie nicht unangenehm auffällt oder beim Kauen und Sprechen stört.

Die follikuläre Kieferzyste

Follikuläre Zysten bilden sich üblicherweise im Unterkiefer, während Zahnwurzelzysten bevorzugt im oberen Kieferknochen auftreten. Eine follikuläre Kieferzyste geht ebenfalls von einem Zahn aus, und zwar vielfach von einem der unteren Weisheitszähne. Diese Art der Kieferzyste ist entwicklungsbedingt: Häufig ist die Ursache eine gestörte Entwicklung oder ein behinderter Durchbruch des Weisheitszahns. Betroffen sind daher vor allem jüngere Patienten im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt.

Der Zahnarzt wird im Rahmen der Behandlung den betroffenen Weisheitszahn ziehen bzw. aus dem Kieferknochen herausoperieren. Dann heilt die Knochenhöhle aus. Zahnersatz ist nicht erforderlich, da Weisheitszähne in der heutige Zahnmedizin als verzichtbar gelten.

Behandlung und Entfernung von Kieferzysten

Es gibt zwei Methoden, um die mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräume zu behandeln und den Kieferknochen von der Zyste zu befreien: die Ausschälung und die sogenannte Einfensterung. Der Eingriff, bei dem der Zahnarzt die Zyste ausschält, wird Zystektomie genannt. Dabei wird zuerst der Kieferknochen über der Kieferzyste abgetragen. Ist das passiert, kann der Arzt die Zystenkapsel bzw. den Zystenbalg entfernen.

An Stelle der ausgeschälten Zyste bleibt im Kiefer eine leere Knochenhöhle zurück, die sich mit der Zeit von selbst wieder füllt: zuerst mit dem Blutgerinnsel, das sich nach dem Eingriff bildet, und später mit neuem Knochenmaterial. Zwar wird sie sich aller Wahrscheinlichkeit nicht wieder ganz füllen, doch das macht nichts: Der geheilte Kieferknochen ist trotzdem stabil genug, so dass keine Knochentransplantationen oder Knochenaufbaumaßnahmen erforderlich sind.

Große Kieferzysten werden „gefenstert“, der entsprechende Eingriff heißt Zystostomie. Dabei trägt der Zahnarzt die knöcherne Wand der Zyste zur Mundhöhle hin ab, so dass sich die Flüssigkeit entleeren kann. Der Zystenbalg bleibt dabei im Kieferknochen erhalten, doch die Zyste wächst nicht mehr weiter, und die Knochenhöhle schließt sich mit der Zeit zumindest teilweise von selbst wieder.

Sowohl die Zystektomie als auch die Zystostomie können als ambulante Eingriffe in der Zahnarztpraxis durchgeführt werden. Meist reicht eine lokale Betäubung aus, doch Angstpatienten können sich in vielen Praxen auch für eine Vollnarkose oder eine alternative Betäubungstechnik (z. B. Dämmerschlaf oder Hypnose) entscheiden.

Kieferzysten müssen rechtzeitig behandelt werden

Kleine Kieferzysten werden oft gar nicht bemerkt, da sie keine oder nur geringfügige Beschwerden verursachen. Tatsächlich wissen viele Menschen gar nicht, dass sie mit einer oder sogar mehreren kleinen Zysten durchs Leben gehen. Oft entdeckt der Zahnarzt den Störenfried rein zufällig, wenn er bei der Vorsorgeuntersuchung oder vor einer geplanten Zahnbehandlung routinemäßig ein Röntgenbild von Zähnen und Kieferknochen aufnimmt.

Ist die Kieferzyste bereits entzündlich, schmerzt sie allerdings auch. Es können auch Schwellungen entstehen, die im Mund oder von außen sicht- und fühlbar sind. Eine unbehandelte Kieferzyste wächst immer dorthin weiter, wo sie den geringsten Widerstand vorfindet. Im schlimmsten Fall kann sie dabei auch zu Zahnfehlstellungen oder dem Lockerwerden und Ausfallen von Zähnen führen. Es ist also in jedem Fall angebracht, den Zahnarzt rechtzeitig aufzusuchen und zweimal im Jahr zur kostenlosen Vorsorge zu gehen.


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