Themenwelt

01. März 2016 / 2 Kommentare

Zahntechnik

Was ist eine Fissurenversiegelung?

Zahnfissuren sind kleine Furchen oder Grübchen auf den Kauflächen der Backenzähne, die zwischen den Höckern des Zahnes verlaufen. Jeder Backenzahn weist in der Regel eine Längsfissur auf, von der mehrere Querfissuren abgehen. Höcker und Fissuren sind wichtig, um die Nahrung mit den Zähnen möglichst fein zerkauen zu können, allerdings ist dieses Relief für die Mundhygiene problematisch. Denn in den Längs- und Querfissuren auf der Zahnoberfläche können sich leicht Kariesbakterien ansiedeln, die von der Zahnbürste nur schwer vollständig entfernt werden können.

Denn oft sind die tiefsten Stellen der Fissuren schmaler als der Durchmesser der Borsten, so dass bakterieller Zahnbelag dort nicht im Rahmen der täglichen Mundpflege entfernt werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass hinter dem so genannten Fissureneingang oft noch bis zu einem Millimeter Platz ist, bis der Fissurengrund auf der Zahnoberfläche erreicht wird.

Die Seitenzähne sind dabei in den ersten zwei Jahren nach ihrem Durchbruch besonders anfällig für Fissurenkaries, aus diesem Grund empfehlen Zahnärzte eine Fissurenversiegelung, um den Zahnschmerz zu schützen. Diese  sollte möglichst innerhalb von sechs Monaten nach Durchbruch der Zähne vorgenommen werden. Dann ist der junge Zahn vollständig mineralisiert und kann durch eine Fissurenversiegelung für bis zu 10 Jahre wirkungsvoll vor Karies geschützt werden.

Wie wird eine Fissurenversiegelung durchgeführt?

Bei der Fissurenversiegelung werden zwei Verfahren unterschieden: Die präventive Fissurenversiegelung, die immer dann zur Anwendung kommt, wenn die Zähne noch keine sichtbaren Verfärbungen (ein Hinweis auf beginnende Karies) aufweisen, und die invasive Fissurenversiegelung.

Bei der präventiven Versiegelung wird der zu behandelnde Zahn zunächst trockengelegt und dann vom Zahnarzt professionell gereinigt. Anschließend wird die Zahnoberfläche durch Auftragen von 35 prozentiger Phosphorsäure aufgeraut und anschließend mit Druckluft getrocknet. Auf den so vorbereiteten Zahn wird dann das dünnflüssige Versiegelungsmaterial aufgetragen und verteilt. Um den Versiegler zu härten, wird der Zahn anschließend mit einem speziellen Licht bestrahlt, hierdurch bildet sich ein dichter und stabiler Überzug aus Kunststoff. Zum Abschluss der Behandlung prüft der Zahnarzt, ob durch die Versiegelung Störstellen entstanden sind und schleift diese bei Bedarf vorsichtig nach, bevor er den durch die Säure angerauten Zahnschmelz mit einer Fluoridierung remineralisiert. Das Fluorid dringt an die Stellen des Zahnschmelzes ein, die nicht mit Versiegler beschichtet wurden.

Bei der invasiven Fissurenversiegelung werden dunkel verfärbte Stellen in den Fissuren mit speziellen Instrumenten entfernt, um zu gewährleisten, dass sich unter der Verfärbung keine weitergehende Karies ausgebildet hat. Die weitere Behandlung entspricht der präventiven Versiegelung.

Nach einer Fissurenversiegelung sollte der Patient für etwa eine Stunde auf alles verzichten, was die Wirkung der Fluoridierung stört, also Essen und Trinken, Kaugummi oder Zähneputzen.

Welche Materialien kommen zum Einsatz?

Heute werden für eine Fissurenversiegelung oft Kunststoffe auf Dimethacrylatbasis verwendet, bisweilen auch mit zusätzlichen Fluoridbeigaben, um den Zahnschmelz zusätzlich zu schützen. Eine Alternative zur Kunststoffversiegelung ist Zement, genauer Glasionomerzement. Dieses Material hat den Vorteil, dass es mehr Fluorid als Kunststoff an den Zahn abgeben kann, allerdings ist seine Haltbarkeit im Vergleich zur elastischen Kunststoffversiegelung eingeschränkt, Abplatzungen treten beim weniger elastischen Zement sehr viel häufiger auf.

Gibt es mögliche Nebenwirkungen?

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) gibt an, das weltweit bisher nur zwei Fälle bekannt geworden sind, in denen Patienten von starken allergischen Wirkungen berichteten (http://www.kzbv.de/fissurenversiegelung.66.de.html). Es gibt jedoch Meldungen, nach denen die eingesetzten Kunststoffe unter anderem Formaldehyd und Monomere (reaktionsfähige Moleküle) freisetzen. Allerdings weist die DGZMK darauf hin, dass die Mengen so gering sind, dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung hierdurch auszuschließen ist, sofern die Anwendung ordnungsgemäß erfolgte.

Ersetzt eine Fissurenversiegelung den Besuch beim Zahnarzt?

Nach spätestens sechs Monaten ist eine Nachuntersuchung durch den Zahnarzt ist erforderlich, da die Versiegelung ganz oder teilweise abplatzen kann. Dieses geschieht erfahrungsgemäß innerhalb von 4-6 Monaten, daher sollte der Termin für eine Kontrolluntersuchung direkt im Anschluss an eine Versiegelung vereinbart werden.

Und auch wenn eine Fissurenversiegelung das Kariesrisiko senken kann, ersetzt sie keinesfalls die tägliche Mundhygiene. Denn die Versiegelung schützt ja nur die Fissuren auf den Backenzähnen, Karies kann sich jedoch auch auf anderen Zähnen oder den Zahnzwischenräumen bilden. Daher ist die regelmäßige Zahnreinigung mit Bürste, Zahnpasta und Zahnseide unverzichtbar, um möglichst lange gesunde und vitale Zähne zu erhalten.


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2 Kommentare

Hugo Ehrlich /

14. Dezember 2016

Hallo!

Kann diese Versiegelung insbesondere bei den Zähnen von Kleinkindern mitwachsen? Oder reißt diese nicht zwangsläufig mit dem größer werden der Zähne auf? Sind Weichmacher in dem Kunststoff? Danke

DIE32 /

15. Dezember 2016

Fissurenversiegelung bei Kleinkindern

Guten Morgen Herr Ehrlich,

eine Fissurenversiegelung wächst nicht mit. In der Regel wird diese auch erst bei bleibenden Zähnen vorgenommen und nicht bei Milchzähnen. Fragen bezüglich der Inhaltsstoffe der unterschiedlichen Fissurenversiegelungen erfragen Sie bitte bei Ihrem Behandler. Beste Grüße, Ihr Team von Zahnersatzsparen.de

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