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Zahntechnik

Was ist ein Abutment?

Ein gesunder, normal entwickelter Zahn besteht aus der im Kiefer verwachsenen Zahnwurzel und der sichtbaren Zahnkrone. Wenn der Zahn ausfällt oder entfernt werden muss, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Lücke zu schließen: mit einer Brücke, einer Verblendung oder durch ein Implantat.

Das Zahnimplantat stellt die technisch anspruchsvollste, gleichzeitig aber auch die beste Versorgung dar. Denn damit wird die natürliche Form und Funktion des Zahnes sowohl im sichtbaren als auch im nicht sichtbaren Bereich wieder hergestellt. Das eigentliche Implantat, eine künstliche Zahnwurzel, wächst fest im Kieferknochen ein. Darauf wird dann der sichtbare Zahnersatz befestigt, etwa eine implantatgetragene Krone, eine festsitzende Brücke oder eine implantatgestützte herausnehmbare Prothese.

Um das Implantat mit den Aufbauten zu verbinden, ist aber noch ein drittes Element nötig, das so genannte Abutment. Dieses wichtige Verbindungsstück stellen wir Ihnen im Folgenden genauer vor und erklären unter anderem, welche Abutment-Arten es gibt und wie Abutments hergestellt werden. 

Abutment – Übersetzung, Begriffserklärung, Synonyme

Das englische Wort „Abutment“ (Aussprache: [əˈbʌtm(ə)nt]) bedeutet in direkter Übersetzung „Pfeiler“ oder „Stützpfeiler“. In der Zahnmedizin ist mit dem Begriff Abutment in der Regel der Implantatpfosten oder Implantathals gemeint, also das Übergangs- oder Verbindungsteil zwischen dem Zahnwurzel-Ersatz und dem Zahnersatz. Gelegentlich wird das Abutment auch als Schnittstelle zwischen dem eingeheilten Implantat und der prothetischen Versorgung bezeichnet.

Von den vielen möglichen Synonymen beschreibt das Wort „Stützpfeiler“ die Funktion und Bedeutung des Implantat-Abutments besonders gut. Das im Kopf des Implantats befestigte (meist verschraubte) Abutment tritt durch das Zahnfleisch bzw. die Mundschleimhaut aus und bildet so den Pfeiler, auf dem der Implantataufbau (Suprakonstruktion) stabil verankert wird.

Im Video: Herstellung von Abutments und Stegen

Aus welchen Materialien werden Implantat-Abutments hergestellt?

Weil das Abutment für die Stabilität, Funktion und Haltbarkeit der Gesamtkonstruktion so wichtig ist, muss das Material höchsten Ansprüchen an die (Dauer-)Festigkeit, Stabilität, Körperverträglichkeit (Biokompatibilität) und chemische Beständigkeit genügen. Darüber hinaus muss das Abutment individuell geformt und exakt ausgerichtet sein. Die Achsausrichtung, der Neigungswinkel und das Austrittsprofil des Abutments müssen perfekt zu den Verhältnissen im Kiefer des Patienten passen, damit das Implantat ein Leben lang halten und einwandfrei funktionieren kann.

Um diese hohen Anforderungen zu erfüllen, werden die meisten Abutments für Zahnimplantate heute aus Titan oder modernen Hochleistungskeramiken wie Zirkonoxid (Zirkondioxidkeramik) oder Aluminiumoxidkeramik hergestellt. Es gibt auch Abutments aus Gold- und anderen Metalllegierungen, die jedoch nicht die günstigen ästhetischen Eigenschaften der keramischen Verbinder mitbringen.

Ein Abutment aus Hochleistungskeramik ist zahnfarben und ein wenig durchscheinend (transluzent), genau wie ein natürlicher Zahn oder eine hochwertige Vollkeramikkrone. So besteht – anders als bei den Metallvarianten – kein Risiko, dass das Abutment später durchschimmert oder der undurchsichtige Metallkern die Transluzenz des künstlichen Zahns beeinträchtigt. Das ist vor allem im Sichtbereich bedeutend, etwa bei aufwendigen, hochästhetischen Sanierungen der Frontzähne. 

Abutment-Typen

Abutments für Zahnimplantate lassen sich nach ihrer Herstellungsform unterscheiden. Hier stellen wir Ihnen verschiedene Abutment-Arten mit ihren Eigenschaften und Anwendungsgebieten näher vor:

CAD/CAM-Abutments

Diese Abutments werden im CAD/CAM-Verfahren (computergestützte Konstruktion und Fertigung) hergestellt. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass die Abutments sowohl in ihrer Form als auch in der Neigung der Achse präzise an die bestehende Situation – also den Patienten und dessen Befund – angepasst werden können. Das sogenannte Austrittsprofil des Implantatpfostens lässt sich individuell gestalten, und anders als bei zementierten Verbindungen muss später kein Zementüberschuss entfernt werden.

Konfektionierte Abutments

Die Implantathersteller bieten konfektionierte Abutments in unterschiedlichen Formen, Größen und Abwinkelungen an. Ferner sind beschleifbare und nicht beschleifbare Varianten erhältlich. Der Hauptnachteil der Konfektionierung ist, dass die Abutments weniger individuell gestaltet werden können.

Angussfähige bzw. überpressbare Abutments

Um vorgefertigte Abutments zu individualisieren, können Zahntechniker mit speziellen Angießhülsen oder Aufpresstechniken arbeiten. Eine weitere Möglichkeit ist, überdimensionierte Rohlinge zu bestellen, aus denen das individuelle Abutment dann im Labor „fertiggeschliffen“ wird. Das ist jedoch sehr aufwendig.

Abutments für verschiedene Zahnersatzarten

Spezielle Abutments werden als Schraubverbinder für geschraubte Kronen und Stegkonstruktionen verwendet, ebenso als Locatoren, Kugelkopfanker oder zum Stabilisieren von Zahnprothesen bei Magnetaufbauten

 

Einheil-Abutments

Das sind Schutzkappen, die das frisch eingesetzte Implantat während der mehrmonatigen Einheilzeit sicher verschließen. Diese Spezial-Abutments werden auch als Einheilkappen bezeichnet und sorgen unter anderem dafür, dass der Zahnfleischrand in der gewünschten Form abheilt und den Zahn später schön umschließt.

 

Wurzelkappen-Abutment

Wurzelkappen werden mit einem Stift in der eigenen Zahnwurzel verankert. Das Abutment dient als Halte- und Stabilisierungselement, das den sichtbaren Zahnersatz trägt und an der richtigen Stelle hält. 

Abutments bei einteiligen und zweiteiligen Implantatsystemen

Bei einteiligen Implantaten sind die Abutments bereits integriert; Implantat und Kronenaufbau werden in einem Stück gefertigt. Der fugenlose und spaltfreie Gesamtaufbau verhindert zuverlässig das Eindringen von Bakterien und ist sehr stabil. Allerdings muss der Zahnarzt bei der einteiligen Implantatvariante zuerst die Krone aufsetzen und sie dann im Mund des Patienten beschleifen. Dabei ist größte Vorsicht geboten, damit weder das Zahnfleisch noch der Kieferknochen durch zu große Hitze beim Schleifen Schaden nehmen.

Bei zweiteiligen Implantaten gibt es dieses Risiko nicht, denn Abutment und Krone werden im Labor vom Zahntechniker bearbeitet, bevor der Aufbau im Implantat befestigt wird. Besonders bewährt haben sich konusförmige zweiteilige Systeme, die Primär-und Sekundärteil ebenso stabil verbinden wie einteilige Implantate und auch eine ebenso gute Bakteriendichtheit bieten.

Individuelle Abutments sind Maßarbeit

Bei jedem Implantat ist es erforderlich, die Größe und Gestaltung des Mundes, die Stellung der Zähne zueinander und viele andere Parameter zu erfassen und auszuwerten. Das kann durch Abdrücke des Mundes erfolgen, allerdings ist dieses Verfahren für viele Patienten unangenehm, zudem muss von den fertigen Abdrücken zunächst ein Gipsmodell erstellt werden, bevor der Zahntechniker damit beginnen kann, die Abutments zu fertigen.

Daher setzen immer mehr Zahnarztpraxen auf digitale Anwendungen und auf moderne Intraoralscanner, die die Arbeitsabläufe in der Praxis und im Labor beschleunigen und zudem für den Patienten angenehmer sind. Der Mundraum wird mit einem speziellen Scanner mit höchster Präzision vermessen und die ermittelten Daten können direkt digital weiterverarbeitet werden. Das spart Zeit und ermöglicht es dem Zahnarzt, den digitalen Datensatz an das Labor zu übermitteln, wo er mittels CAD/CAM-Technologie direkt weiterverarbeitet werden kann.

Das Verfahren ermöglicht eine hohe Präzision und ist gleichzeitig mit wenig Belastung für den Patienten verbunden, denn das wiederholte Beißen auf die zähe Abdruckmasse entfällt hierbei. Die so ermittelten Daten können digital weitergeleitet werden, beispielsweise per E-Mail, so kann das Labor sofort mit der Arbeit beginnen, egal, wo es sich befindet.

Das individuelle Abutment kann am Computer entwickelt und mittels 3D-Technologie genau simuliert werden, und das nicht nur statisch, sondern auch in Bewegung, etwa beim Kauen. So kann beispielsweise das Durchtrittsprofil, das ist der Übergang von Wurzel und Krone, für jeden Patienten optimiert werden. Auch die Zahnform kann so im Computermodell entwickelt und angepasst werden, bis alle Anforderungen an Sitz, Funktion und Ästhetik in vollem Umfang erfüllt werden. Erst dann werden die Abutments und Kronen gefertigt und an den Zahnarzt ausgeliefert.

Intraoralscanner schließen die digitale Lücke

Der Einsatz von modernen CAD/CAM-Arbeitsplätzen in der Zahntechnik ermöglicht es, Zahnersatz in höchster Qualität zu fertigen und gleichzeitig die Kosten zu reduzieren. Allerdings setzen diese Verfahren voraus, dass die notwendigen Informationen in digitaler Form vorliegen. Daher ist es bei einer klassischen Abformung erforderlich, das Gipsmodell zunächst mit einem 3D-Scanner zu digitalisieren, um dann den digitalen Workflow fortsetzen zu können.

Mit Intraoralscannern ist es nun möglich, diese digitale Lücke zu schließen und von der Zahnarztpraxis bis ins Labor komplett auf digitaler Ebene zu kommunizieren. Das bietet Vorteile für alle Beteiligten: der Patient muss keine Wartezeiten für den Transport und die Nachbearbeitung seiner Abdrücke in Kauf nehmen und profitiert von einer gleichbleibend hohen Qualität der Versorgung, und Arzt und Zahnlabor können ihre Zusammenarbeit deutlich vereinfachen und beschleunigen. Damit ist es vollkommen irrelevant, wo genau das Zahnlabor ansässig ist, denn dank Internet und E-Mail können die erforderlichen Daten einfach und verzögerungsfrei versendet werden.


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