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Gesundheit

Warum man als Krebspatient auch zum Zahnarzt gehen sollte!

Krebs – das ist eine belastende Diagnose. Krebspatienten müssen außerdem oft kurzfristig viele wichtige Entscheidungen treffen. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Was ist der erste Schritt, und wie geht es danach mit der Therapie weiter? Zahnarztbesuche oder Zahnbehandlungen sind oft das letzte, an das Betroffene in dieser schwierigen Situation denken.

Trotzdem lohnt es sich, als Krebspatient zum Zahnarzt zu gehen. Wenn sich Mund und Zähne in einem guten Zustand befinden und eventuelle Zahn- oder Zahnersatzbehandlungen abgeschlossen sind, hat man eine Sorge weniger und kann seine Kräfte stärker auf die Therapie konzentrieren. Wer als Krebspatient zum Zahnarzt geht, kann außerdem viel dafür tun, seine Zähne, das Zahnfleisch, die  Mundschleimhaut und den Kieferknochen während der Therapie gesund zu erhalten und vor möglichen Nebenwirkungen zu schützen.

Die kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hat zusammen mit dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) ein Faltblatt zu diesem Thema veröffentlicht. Es enthält Informationen für Krebspatienten und klärt darüber auf, wie und warum Krebspatienten Mund, Zähne und Zahnfleisch während der Krebstherapie pflegen sollten.

Die Patienteninformationen stehen in Form eines Faltblatts zur Verfügung, das man sich auch direkt aus dem Internet herunterladen kann. Die Zahnärztekammer und die anderen Herausgeber können Betroffene auch bei der Zahnarztsuche unterstützen. Ziel ist, sowohl Betroffene und Mediziner stärker für dieses wichtige Thema, das nach der Diagnose oft übersehen oder vernachlässigt wird, zu sensibilisieren.  

Mögliche Auswirkungen der Krebsbehandlung auf Mund und Zähne

Zur Krebsbehandlung gehören oft Bestrahlungen oder eine Chemotherapie. Diese Behandlungen sind mit verschiedenen Risiken und möglichen Nebenwirkungen verbunden. Nicht jeder Patient ist im gleichen Maße davon betroffen. Doch im Vorfeld lässt es sich meist schwer sagen, welche Nebenwirkungen in welchem Umfang auftreten werden.

Häufig hat die Krebstherapie Auswirkungen auf Mund und Zähne. Dazu können etwa ein trockener Mund, Beeinträchtigungen des Geschmacksempfindens oder Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches gehören. Hier können Krebspatienten vorbeugen, indem sie sich schon vor Beginn der Behandlung beim Zahnarzt beraten lassen. Auch anstehende Zahnbehandlungen sollten nach Möglichkeit schon vor der Therapie abgeschlossen werden.

Wer als Krebspatient zum Zahnarzt geht, kann die Behandlung mit gesundem Zahnfleisch und gesunden Zähnen beginnen. Das reduziert in aller Regel die Nebenwirkungen. Zahnärzte und Onkologen empfehlen Betroffenen daher, den Beratungs- und Untersuchungstermin beim Zahnarzt als Teil der Vorbereitung auf die Krebsbehandlung zu verstehen und sich trotz aller anderen Sorgen die Zeit dafür zu nehmen.

Die richtige Mundpflege bei der Chemotherapie

Eine Chemotherapie greift nicht nur den Tumor an, sondern auch andere Gewebe. Oft verschlechtert sich deshalb währenddessen die Wundheilung. Am empfindlichen Zahnfleisch und der Mundschleimhaut kann das besonders deutlich zu spüren sein. Dann kommt es verstärkt zu Reizungen, wunden Stellen oder Entzündungen.

In den Patienteninfos raten Experten, trotzdem bei der Mundpflege keine Pause zu machen. Denn sonst können sich Entzündungserreger und Bakterien schneller vermehren und ausbreiten, was die Beschwerden noch verschlimmert. Der Zahnarzt oder Oralhygieniker erklärt und zeigt, wie die richtige Mundpflege für Krebspatienten aussieht und welche Hilfsmittel es gibt.

Entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente, zum Beispiel Salben und Sprays für die Mundschleimhaut, helfen, wenn das Zähneputzen und die Mundhygiene unangenehm oder schmerzhaft sind. Beim Essen sollte auf scharf gewürzte, saure oder grobkörnige Speisen verzichtet werden – besser sind Nahrungsmittel, die weder Zahnschmelz noch Zahnfleisch angreifen. Alkohol und Nikotin sollten ebenfalls nicht konsumiert werden, da sie die Durchblutung und die Wundheilung verschlechtern.

Bei manchen Krebspatienten kommt es während der Chemotherapie zu Übelkeit und Erbrechen. Dagegen kann der Arzt Medikamente verschreiben, die meist auch gut helfen. Wer sich trotzdem nach einer Behandlung übergeben muss, sollte Mund und Rachen gut ausspülen, damit die Magensäure nicht den Zahnschmelz und die Schleimhäute angreifen kann. Nach dem Ende der Behandlung wird ein weiterer Zahnarztbesuch zur Kontrolle empfohlen.

Zahn- und Mundpflege bei Tumorbehandlungen im Kopf- und Halsbereich

Tumoroperationen oder Bestrahlungen im Bereich von Hals und Kopf haben oft negative Auswirkungen auf die Mundgesundheit. Nach einem chirurgischen Eingriff ist das gewohnte Zähneputzen meist nicht möglich, da die Wunde erst heilen muss. Und Bestrahlungen können vorübergehende Entzündungen auslösen oder die Speicheldrüsen schädigen, so dass der Mund trockener ist als vorher. Das vermindert die Selbstreinigung der Mundhöhle und erhöht das Risiko für Zahnfleischerkrankungen und Karies.

Um vorzubeugen, sollten Krebspatienten vor der OP oder Bestrahlung zum Zahnarzt gehen und Zähne wie Zahnersatz untersuchen lassen. Dann kann der Zahnarzt bereits bestehende Schäden reparieren und gegebenenfalls eine laufende Zahnbehandlung abschließen. Um das Gebiss bei Bestrahlungen besser zu schützen, kann auch eine Strahlenschutzschiene angefertigt werden, die während der Behandlung Zähne und Zahnfleisch abdeckt.

Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten reduzieren

In der Krebstherapie stehen heute viele wirksame Medikamente zur Verfügung. Manche davon enthalten sogenannte Bisphosphonate. Das sind Substanzen, die in den Knochenstoffwechsel eingreifen. Sie hemmen das Wachstum von Knochenmetastasen und unterstützen den Mineralhaushalt, um so den gesunden Knochen zu stabilisieren. Doch auch Biphosphonate sind nicht frei von möglichen Nebenwirkungen.

Um den Kieferknochen zu schützen und möglichst gesund zu erhalten, sollten Patienten vor der Krebsbehandlung ihr Gebiss gründlich untersuchen und gegebenenfalls sanieren lassen. Von langwierigen oder komplizierten Zahnbehandlungen oder dem Planen von neuem Zahnersatz wird der Zahnarzt dabei eher abraten. Es ist jedoch sinnvoll, Kariesschäden jetzt zu reparieren und alte, instabile Füllungen austauschen zu lassen.

Wer als Krebspatient zum Zahnarzt geht, sollte den Arzt über seine Diagnose aufklären und ihm auch mitteilen, welche Behandlungsschritte anstehen und welche Medikamente eingenommen werden. Dann kann der Zahnarzt gezielter beraten, mit weiteren Ärzten und Onkologen eng zusammenarbeiten  und alle empfohlenen Behandlungs- und Prophylaxemaßnahmen mit der individuellen Krebstherapie abstimmen.


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Cornelia Weber-Martin

Ich bin am 20. Dezember 2017 an Rachenkrebs operiert worden und mir wurde ans Herz gelegt eine Bestrahlung zu machen. Vorher wurde ich an eine Zahnchirurgie überwiesen. Das war der Horror meines Lebens, die Zahntaschenuntersuchung. Der Abdruck für die Schiene war zwar auch schmerzhaft, weil ich so kurz nach der Operation den Mund noch nicht richtig öffnen konnte, aber das musst auch in meiner Hinsicht gemacht werden. Mein Attest vom Neurologen wurde ignoriert, so bezahlte ich 70€ für den Dämmerschlaf. Er wollte eine Zahnreinigung vornehmen. Anschließend fühlte ich mich richtig ausgebeint, er hat mir das ganze Zahnfleisch beschnitten und über einen kranken Zahn eine Naht gesetzt. Ich hatte nächtliche Panikattacken und konnte somit diese Praxis nicht mehr betreten, um die Schiene abzuholen. Ich habe auf die Krebsbestrahlung verzichtet und mir von einem anderen Arzt die Fäden und den Zahn ziehen lassen. PS: Ich hatte keine Parodontose, wurde 2 Monate vorher geröntgt.

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