Themenwelt

30. März 2015 / 0 Kommentare

Gesundheit

Warum ist der Zustand des Zahnfleisches so wichtig?

Wenn es um Zahnprobleme oder Zahnersatz geht, denken die meisten zuerst an Karies, Zahnweh, lockere Zähne oder Zahnlücken. Doch Zahnfleischprobleme sind bei Erwachsenen weit häufiger – und werden oft nicht ernst genug genommen oder frühzeitig erkannt. Dabei ist das Zahnfleisch ein wichtiger Bestandteil des Zahnhalteapparates, und wenn es nicht gesund ist, kann das auch bei Zahnersatzbehandlungen für Komplikationen sorgen. Überdies können sich chronische Zahnfleischbeschwerden und -erkrankungen negativ auf den allgemeinen Gesundheitszustand auswirken und sogar das Risiko für ernste Erkrankungen erhöhen.

Zahnfleischbluten und Gingivitis

Zahnfleischbluten kennt fast jeder. Oft rührt es von kleinen Verletzungen her, etwa nach dem Biss in ein knuspriges Brötchen, ein heißes Stück Pizza oder eine harte Obstschale. Sind jedoch regelmäßig nach dem Zähneputzen Blutspuren im Schaum oder auf der Zahnbürste, kann dies ein Warnzeichen für eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) sein. Und die ist nicht ungefährlich: Wenn das Zahnfleisch blutet, können Bakterien und deren Stoffwechselprodukte in die Blutbahn gelangen und unter anderem das Herz-Kreislauf-System belasten. Nach einer Studie der MHH-Kliniken für Zahnärztliche Prothetik und für Kardiologie und Angiologie erhöht eine Gingivitis das Risiko für Arterienverkalkung und somit auch das Herzinfarktrisiko.

Zahnverlust durch Parodontitis

Gingivitis kann eine Vorstufe der Parodontitis darstellen. Diese im Volksmund oft unkorrekt als „Parodontose“ bezeichnete bakterielle Entzündung verursacht bleibende Schäden am Zahnfleisch und Zahnhalteapparat. Sie beginnt ebenfalls mit blutendem, manchmal auch eiterndem Zahnfleisch. Im Verlauf greifen die Erreger das harte und weiche Gewebe rund um den betroffenen Zahn an und zerstören es nach und nach. Bleibt die Entzündung unbehandelt, führt das schließlich dazu, dass der Zahn seinen Halt verliert, sich lockert und ausfällt.

Parodontitis ist einer der häufigsten Gründe für Zahnverluste bei den über 45‑jährigen und kann ebenfalls zu Folgeschäden im gesamten Organismus führen. Daher ist es äußerst wichtig, schon die ersten Warnzeichen ernst zu nehmen und den Zahnarzt aufzusuchen. Bei der Therapie wird die Entzündung gestoppt, indem die Bakterien am Zahn, an der Zahnwurzel und in den Zahnfleischtaschen beseitigt werden. Sind die Zahnfleischtaschen schon sehr tief und schlecht zugänglich, kann ein chirurgischer Eingriff zur Reinigung notwendig sein. Damit die überstandene Parodontitis nicht wieder neu aufflammt, müssen betroffene Patienten regelmäßig zur Nachsorge in die Zahnarztpraxis.

Zahnersatz und Zahnfleischprobleme

Bakterien, die zu Zahnfleischentzündungen führen, können sich auch bei Zahnprothesen entwickeln. Weitere Zahnfleischprobleme sind Druck- oder Scheuerstellen, Risse oder Bläschen, die sehr schmerzhaft sein können und das Tragen und Nutzen der Prothese erschweren. Um dem vorzubeugen, sind gute Mundhygiene und gewissenhafte Prothesenreinigung unumgänglich.

Zur richtigen Reinigung von fest sitzenden Brücken und herausnehmbarem Zahnersatz gibt es speziell geformte Bürstchen, mit denen auch schwer zugängliche Stellen erreichbar sind. Als natürliches Hausmittel gegen leicht entzündetes Zahnfleisch und zur Gesunderhaltung der Mundflora hat sich Salbeitee hervorragend bewährt. Salbei enthält ätherische Öle, die antibakteriell wirken. Der Tee kann auch als reine Mundspülung verwendet werden.

Zahnfleischbeschwerden verlängern die Wartezeit, wenn eine Überkronung der Zähne oder das Einsetzen einer Prothese vorgesehen ist, und verringern grundsätzlich die Lebenserwartung aller natürlichen und künstlichen Zähne. Gewebe- und Knochenveränderungen verschlechtern den Prothesensitz, und durch hartnäckige bakterielle Beläge können sich manche Zahnersatzmaterialien verfärben.

Zahnimplantate (künstliche Zahnwurzeln) können sich ebenfalls lockern, wenn sich das Zahnfleisch und die Knochensubstanz durch eine chronische Entzündung zurückbilden. Diese Periimplantitis (Entzündung um ein Implantat herum) wird von den gleichen Bakterien verursacht wie Parodontitis.

Warnzeichen für Zahnfleischerkrankungen

Die im Folgenden aufgeführten Symptome können Anzeichen einer Zahnfleischentzündung sein:

  • Mundgeruch, der schwer oder gar nicht wirksam zu bekämpfen ist
  • Das Zahnfleisch ist gerötet bzw. geschwollen
  • Das Zahnfleisch blutet oft beim Zähneputzen oder Essen (z. B. Blutspuren auf dem Apfel)
  • Das Zahnfleischbluten hält länger an als eine Woche
  • Kaltes, Heißes, Saures oder Süßes verursacht Schmerzen am Zahnfleisch und an den Zahnhälsen
  • Deutlich sichtbarer Zahnfleischschwund, Bildung von Zahnfleischtaschen
  • Sekret bzw. Eiter tritt aus Zahnfleisch bzw. Zahnfleischtaschen aus

Diese Warnzeichen sollten unbedingt ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Der Zahnarzt rät und hilft auch bei Zahnfleischproblemen, die letztendlich immer auch die Zähne und den gesamten Kiefer betreffen.


Neuer Kommentar
Sie benötigen Zahnersatz?
Fordern Sie jetzt Ihren kostenlosen Patientenratgeber an.

Mit diesem Ratgeber erhalten Sie auch Adressen 
von Referenzzahnärzten in Ihrer Umgebung.