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Gesundheit

Implantation bei schwerer chronischer Parodontitis

Parodontitis oder Parodontose ist bei Erwachsenen die häufigste Ursache für Zahnausfall. Bei Parodontitis ist der Zahnhalteapparat (Zahnfleisch, Zahnbett und Kieferknochen) chronisch entzündet. Die Entzündung wird durch Bakterien ausgelöst, die sich zuerst als Zahnbelag oder Zahnstein auf den Zahnflächen anlagern. Ohne entsprechende Behandlungsmaßnahmen können die Bakterien sich immer weiter ausbreiten und das Gewebe rund um den Zahn zunehmend zerstören.

Findet die Zahnwurzel nicht mehr ausreichend Halt in fester Knochensubstanz, führt das schließlich dazu, dass der Zahn sich lockert und im schlimmsten Fall ausfällt oder gezogen werden muss. Spätestens bei einer fühlbaren Zahnlockerung und drohendem Zahnverlust sollten Betroffene mit einer Parodontitisbehandlung beginnen und gegebenenfalls Zahnersatz planen.

Es kommt fast nie vor, dass ein Patient nur an einem Zahn unter schwerer chronischer Parodontitis leidet. Von chronischer Parodontose sind fast immer mehrere, nicht selten sogar alle Zähne betroffen. Bei der Behandlung steht also viel auf dem Spiel, und auch beim Zahnersatz muss in der Regel eine umfangreiche Versorgung geplant werden.

Vor allem Betroffenen im jüngeren oder mittleren Alter wünschen sich festsitzenden Zahnersatz, auch wenn aufgrund einer schweren Parodontitis viele oder alle Zähne eines Kiefers ersetzt werden müssen. Dann kann eine Implantation bzw. Implantatversorgung eine sehr gute Alternative zur Brücke oder herausnehmbaren Prothese sein.

Zahnerhalt oder Zahnersatz?

Bei schwerer chronischer Parodontitis wird das Zahnbett immer mehr zerstört. Das Zahnfleisch bildet sich zurück, und es entstehen Zahnfleischtaschen, aus denen sich die Bakterien mit Zähneputzen und bei der gewöhnlichen Mundhygiene nicht mehr entfernen lassen. Mit zunehmender Taschentiefe wird auch der Kieferknochen angegriffen, und durch das fortgesetzte Entzündungsgeschehen kommt es zum Knochenabbau. Und wenn zu viel Haltesubstanz verloren gegangen ist, wird der Zahnarzt eher zum Entfernen des Zahnes raten als zu Zahnerhaltungsmaßnahmen.

Ist bereits mehr als die Hälfte des Knochenbetts zerstört, wird die Prognose für den Zahn immer ungünstiger. Bei einem Abbau von 70 oder mehr Prozent des Zahnhalteapparates wird sie in der Zahnmedizin als „hoffnungslos“ eingestuft. Der Zahnarzt muss dann davon ausgehen, dass Behandlungsmaßnahmen zum Zahnerhalt keinen Erfolg mehr haben werden. Bevor er den Zahn zieht, wird er natürlich alle Möglichkeiten, ihn zu erhalten, gründlich prüfen und mit seinem Patienten besprechen – zum Beispiel die Option, zumindest eine von mehreren Zahnwurzeln zu erhalten. Auch kann der Patient weitere Zahnarztmeinungen einholen und die Prognosen mehrerer Experten vergleichen und abwägen.

Wenn bereits Lücken zu schließen sind oder Zähne entfernt werden müssen, steht die Zahnersatzplanung an. Vorher muss jedoch immer die Parodontitis behandelt werden. Die chronische Entzündung und der fortschreitende Substanzabbau müssen gestoppt werden, sonst kann selbst der beste Arzt keinen dauerhaft passenden und stabilen Zahnersatz anbieten.

Warum Implantate bei schwerer Parodontitis?

Ist die Parodontitis gestoppt, kann ein Zahn mit Knochenabbau trotzdem im Kiefer halten und noch jahrelang weiterhin funktionieren. Es kann jedoch sein, dass seine Stabilität nicht mehr ausreicht, um ihn als Pfeiler für eine feste Brücke zu verwenden. Ist daneben eine Lücke zu schließen, bietet sich ein Implantat als künstliche Zahnwurzel an. Vor dem Einsetzen des Implantats sorgt der Zahnarzt durch Knochenaufbaumaßnahmen dafür, dass an der entsprechenden Stelle ausreichend Substanz vorhanden ist, um das Implantat sicher zu halten.

Moderne Implantologie und Prothetik ermöglichen außerdem, größere Teilprothesen oder Vollprothesen auf mehreren Implantaten zu verankern. Der implantatgetragene Zahnersatz kann dann in Form von großen, festsitzenden Brücken oder als Hybridprothese („fester herausnehmbarer Zahnersatz“) gestaltet werden.

Eine Implantation ist grundsätzlich möglich, wenn keine tiefen oder schweren Knochenentzündungen vorliegen. Je nach Ausmaß des Knochenabbaus kann sich die Vorbehandlung zum Knochenaufbau jedoch über mehrere Monate erstrecken. Manche Ärzte und Implantologen bieten auch die Möglichkeit einer Sofortimplantation an. Dabei werden spezielle Implantate verwendet, die keinen langwierigen Knochenaufbau erfordern. Doch auch hierbei ist es eine wichtige Voraussetzung, dass die Parodontitis gleichzeitig behandelt und gestoppt wird, um optimale Bedingungen für den Zahnersatz zu schaffen.

 

 


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