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13. Juli 2015 / 1 Kommentare

Behandlung

Wann ist eine Lippenbandentfernung notwendig?

Das Lippenband oder Lippenbändchen wird auch Frenulum (Plural: Frenula) genannt. Die Lippen- und Wangenbänder bestehen aus straff gespannten Bindegewebs- und Muskelfasern und ziehen sich von den Lippen und Wangen aus bis in den Rand des Zahnfleischs. Ihre Zugkraft wirkt am stärksten im Bereich der mittleren Frontzähne, der Eckzähne und der vorderen Backenzähne (Prämolare).

Bei manchen Menschen ist der konstante Zug der Lippen- und Wangenbänder so stark, dass die Zugkräfte den Zahnhalteapparat (Parodont) auf Dauer schädigen. Auch kann es vorkommen, dass die Frenula verhindern, dass sich eine Zahnlücke wie geplant und gewünscht schließen lässt, etwa durch eine Zahnspange oder andere kieferorthopädische Maßnahmen.

Lippenbandentfernung bei Erwachsenen

Die Frenula (Lippen- und Wangenbänder) üben beim Kauen, Sprechen und bei zu starker Spannung auch im Ruhezustand Zug auf den Zahnfleischrand und die dreieckigen Zahnfleischbereiche zwischen den Zähnen (Papillen) aus. Die so entstehenden Kräfte können im Lauf der Zeit das Zahnfleisch regelrecht von den Zähnen zurückziehen – es kommt zu einem Zahnfleischrückgang ohne begleitende Zahnfleischentzündung (Parodontitis).

Wird eine Papille dadurch stark geschädigt oder zerstört, sieht das nicht nur unschön aus, sondern macht den entsprechenden Zahnzwischenraum auch schwieriger zu reinigen und folglich anfälliger für bakterielle Beläge und Karies. Zieht sich der Zahnfleischrand weiter zurück, kommt es zum Freiliegen der Zahnhälse und damit zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Reizen, Kälte und Hitze. Beim Verzehr süßer, saurer und scharf gewürzter Lebensmittel können die hypersensiblen Zahnhälse ebenfalls mit plötzlichem, heftig ziehendem und teils lang anhaltendem Schmerz reagieren.

Auch die Verträglichkeit und störungsfreie Funktion von Zahnersatz können durch das Lippenbändchen behindert werden. Die Bewegungen eines zu großen, zu langen oder zu straff gespannten Frenulums führen bei manchen Prothesenträgern zu schmerzhaften Druckstellen, vor allem am Prothesenrand. Durch die Zugkräfte bei den Bandbewegungen kann die Prothese sogar abgehoben werden. Hier schafft erst die Entfernung des Lippenbands Abhilfe.

Zahnärzte können auch im Rahmen einer Implantatbehandlung die Frenektomie empfehlen. Denn wenn das Implantat an einer Stelle im Kiefer sitzt, in deren Nähe eines der Bändchen ansetzt, kann es beim Einsetzen oder Einheilen der künstlichen Zahnwurzel zu Komplikationen kommen.

Techniken der Lippenbandentfernung (Frenektomie)

Sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen und Erwachsenen wird die Lippenbandentfernung (Frenektomie) meist zur Prophylaxe durchgeführt, also zur Vorbeugung erwarteter bzw. absehbarer Schäden und Beschwerden. Der empfohlene Eingriff kann entweder mittels konventioneller Chirurgie (mit dem Skalpell unter örtlicher Betäubung) oder mit dem Laser durchgeführt werden.

Die Laserbehandlung mit einem Weichgewebslaser bzw. Diodenlaser hat den Vorteil, dass sie weniger schmerzhaft ist. Zudem läuft sie weitgehend unblutig ab, oftmals muss die kleine Wunde nicht einmal abgedeckt oder zugenäht werden. Arzt und Patient müssen während der Laserbehandlung Schutzkleidung (üblicherweise Schutzbrillen) tragen, und der Arzt braucht eine spezielle Ausrüstung und Zusatzausbildung für Laserfrenektomie. Die Operationsstelle ist nach dem Eingriff keimfrei, trotzdem besteht das nach Operationen unumgängliche Risiko einer nachträglichen Wundinfektion auch bei der Laserbehandlung.

Wer sich gewissenhaft an die Schonungs-, Ernährungs– und Pflegehinweise des Arztes hält, kann den Heilungsprozess nach der Frenektomie beschleunigen und viel dazu beitragen, dass die Regenerationsphase störungsfrei abläuft. Dazu gehört auch das Wahrnehmen aller vorgesehenen Termine zur Wund- oder Nahtkontrolle bzw. Entfernen der Nähte nach einer konventionellen Lippenband-OP.

Lippenbandentfernung bei Kindern

Bei rund sieben Prozent aller Kinder besteht ein sogenanntes Diastema mediale superior, auch Trema genannt. Praktisch bedeutet das eine vergrößerte bis große Lücke zwischen den mittleren oberen Schneidezähnen. Die Ursache hierfür ist häufig ein zu straffes, zu starkes oder zu weit zwischen die Zähne hineinreichendes Lippenband.

Wenn sich bei einer gründlichen zahnärztlichen bzw. kieferorthopädischen Untersuchung bestätigt, dass das Frenulum für die Lücke verantwortlich ist, muss das Lippenband chirurgisch durchtrennt oder ganz entfernt werden. Wird es einfach so gelassen, wie es ist, kann die Lücke sich weder mit der Zeit von selbst schließen noch mit einer Zahnspange geschlossen werden, da der Zug des Lippenbändchens weiterhin dagegenarbeitet.

Die Durchtrennung des Lippenbandes wird vom Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden auch als Frenomie bezeichnet, die komplette Entfernung des Bändchens als Frenektomie. Bei der Frenektomie kann zusätzlich das Bandgewebe von der Knochenhaut abgelöst und chirurgisch verlagert werden. So kann es sich nicht an der früheren Stelle regenerieren, und die Beschwerden können nicht zurückkehren.


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DIE 32 /

30. September 2015

Angst vor dem Zahnarzt

Guten Tag Frau Hernicz,

wir sind ein Hersteller von Zahnersatz, daher liegt uns leider keine Information dazu vor, welche Zahnersatzpraxen mit Intraoralscannern arbeiten.

 

Beste Grüße, Ihr Team von DIE 32

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