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Zahntechnik , Behandlung

Aktuelle Trends in der Zahnmedizin

Noch bis vor einigen Jahrzehnten wurden Zahnschmerzen meist dadurch kuriert, dass der schmerzende Zahn einfach gezogen wurde. Heute gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, um kranke Zähne zu behandeln: Füllungen gegen Löcher, Kronen bei größeren Kavitäten, eine Wurzelbehandlung oder Wurzelspitzenresektion, um selbst einen toten Zahn möglichst lange im Kiefer zu belassen. In diesem Artikel stellen wir Ihnen vier aktuelle Trends in der Zahnmedizin vor, von denen einige mit großen Hoffnungen verbunden sind, während bei anderen berechtigte Zweifel angebracht sein dürften.

Zahnpasta, die den Zahnschmelz repariert

Der menschliche Zahnschmelz besteht zu rund 98 Prozent aus einem kristallinen Material, das chemisch korrekt Hydroxylapatit genannt wird. Es ist das härteste und stärkste körpereigene Material, und doch ist es sehr empfindlich gegenüber Säuren. Hydroxylapatit besteht zur Hauptsache aus den Elementen Calcium und Phosphat, die durch Säuren aus dem Zahnschmelz herausgelöst werden können. Zwar können Zähneputzen und vor allem der Speichel den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säureangriffe aus der Nahrung machen, doch bisher war es nicht möglich, verlorengegangene Zahnsubstanz auf natürlichem Wege zu ersetzen.

Inzwischen gibt es ein wachsendes Angebot an Zahnpasten, die bis zu 20 Prozent künstlichen Zahnschmelz als Hydroxylapatit-Verbindung enthalten. Und tatsächlich wurde in wissenschaftlichen Studien insbesondere nachgewiesen, dass sich bei regelmäßiger Anwendung einer Zahncreme, die Zink-Carbonat- Hydroxylapatit enthält, eine Schutzschicht auf dem Zahnschmelz und der Dentinoberfläche ausbildet. Und die konnte bei Patienten mit empfindlichen Zähnen das Schmerzempfinden deutlich senken. 

Ob dieser Trend in der Zahnmedizin sich dauerhaft durchsetzen wird, bleibt dennoch abzuwarten, denn Zahnpasten mit Hydroxylapatit-Zugabe sind deutlich teurer als klassische Sorten. Wen der Preis nicht stört, der kann hier bedenkenlos zugreifen – was für den folgenden Trend nicht gilt:

Aktivkohle für weißere Zähne

Aktivkohle wird unter anderem im Chemielabor oder im Wasserfilter eingesetzt. Sie hat eine sehr große Oberfläche und kann daher auch feinste Verunreinigungen ausfiltern und binden. Und auch gegen Durchfall sind Kohletabletten ein bewährtes Mittel aus der Hausapotheke. Dass Aktivkohle inzwischen auch Zahnpasta beigemengt wird, hat jedoch nichts mit der ihr eigenen Absorbtionsfähigkeit zu tun. Vielmehr wirken die Körner wie feines Schleifpapier, mit dem die Oberfläche der Zähne angeschliffen wird. Der Effekt ist tatsächlich in den meisten Fällen eine sichtbare Aufhellung nach einigen Anwendungen – doch eben auf Kosten des Zahnschmelzes.

Daher sollten Sie, wenn Sie diese Zahnpasta-Innovation ausprobieren wollen, nicht länger als 14 Tage damit putzen. Denn andernfalls könnten Ihre Zähne dauerhaften Schaden nehmen. Wenn Sie mit Ihrer Zahnfarbe nicht zufrieden sind, sprechen Sie lieber mit Ihrem Zahnarzt darüber: Schon bei nur einer professionellen Zahnreinigung werden Zahnstein und andere Beläge schonend entfernt, ohne den Zahnschmelz anzugreifen. Und mit einem anschließenden Bleaching beim Zahnarzt strahlen Ihre Zähne ganz ohne Aktivkohle-Schmirgelung.

Karies beseitigen ohne Bohrer

Ein für viele Patienten sicher begrüßenswerter Trend in der Zahnmedizin ist die sogenannte Kariesinfiltration. Sie schließt eine Lücke zwischen der Kariesprävention (durch regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta) und der invasiven Kariestherapie mit Füllungen oder Kronen. Denn eine beginnende Karies konnte bisher auch nur durch Bohren und eine Füllung beseitigt werden. Mit der Kariesinfiltration lassen sich diese Frühstadien jedoch komplett ohne Bohrer behandeln.

Der Zahn wird zunächst gereinigt, mit einem Ätzgel vorbereitet und dann mit einem hochflüssigen Spezialkunststoff bestrichen. Dieses dringt durch die Kapillarkräfte tief in den porösen Zahnschmelz ein und verteilt sich gleichmäßig in dessen Innerem. Mit einer UV-Lampe wird dann der Kunststoff ausgehärtet und so die Karies gestoppt. Schädliche Säuren können nicht weiter in den Zahn eindringen und ihn demineralisieren – und das ohne Verlust von gesunder Zahnsubstanz und ohne Bohren.

Da die Kariesinfiltration ein neuer Trend in der Zahnmedizin ist, fehlen bisher Erkenntnisse über die Langzeitverträglichkeit der Füllungen. Daher ist diese Therapie bisher auch nicht in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen worden, was bedeutet, dass Patienten die mikroinvasive Behandlung aus eigener Tasche finanzieren müssen. 

Mit Alzheimer-Medikament zu bleibenden Dritten

Eine Gruppe von Forschern am King’s College London, die nach einem wirksamen Medikament gegen die Alzheimerkrankheit suchen, haben eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Der Wirkstoff Tideglusib sorgte, nachdem er direkt auf einen defekten Zahn aufgebracht wurde, dafür, dass Dentin nachgebildet wurde und der Zahn sich quasi selber heilte.

Die Forscher hatten dazu Mäusen kleine Löcher in die Zähne gebohrt, um Karies zu simulieren. Diese Löcher füllten sie mit Schwämmen aus Kollagen, die gelöstes Tideglusib enthielten. Innerhalb von sechs Wochen verschlossen sich die Löcher, und die Zähne waren danach wieder intakt. Allerdings wurde nur Dentin nachgebildet und kein Zahnschmelz. Der Grund dafür ist, dass Tideglusib die Stammzellen im Körper anregt und diese, wenn sie so aktiviert werden, Dentin produzieren können.

Die Forscher wollen in einem nächsten Schritt die Wirkung auf Ratten mit deutlich größeren Zähnen untersuchen. Doch sie halten es schon jetzt durchaus für möglich, dass ein Alzheimer-Medikament in Zukunft auch die Basis für eine wirkungsvolle Kariestherapie sein könnte. 


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