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Behandlung , Gesundheit

Schmerzlose Gefahr für Zähne – Parodontitis

Ab etwa dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko signifikant, nicht durch Karies Zähne zu verlieren, sondern durch eine andere bakterielle Erkrankung im Mund: Parodontitis, oft auch fälschlicherweise Parodontose genannt, eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Das Tückische bei einer Parodontitis ist, dass sie in frühen Stadien meist vollkommen schmerzlos verläuft und nur vermeintlich unwesentliche Symptome darauf hindeuten, dass sich das Zahnfleisch durch Bakterien entzündet hat und eine Behandlung beim Zahnarzt erforderlich ist. 

Wie entsteht eine Parodontitis?

Die Ursachen einer Parodontitis können dabei viele Jahre zurückliegen, ohne dass Betroffene erkennen, dass etwas nicht stimmt. Da eine beginnende Parodontitis sich nur selten durch Schmerzen bemerkbar macht, kann sie unbehandelt und unbemerkt immer weiter fortschreiten. Erst im weiteren Verlauf zeigen sich dann die erheblichen Auswirkungen wie die Lockerung der Zähne, der Austritt von Eiter am Zahnfleischsaum oder freiliegende Zahnhälse, die mit einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit verbunden sind. Spätestens jetzt ist eine zahnärztliche Behandlung erforderlich, um den Verlust von Zähnen zu vermeiden.

Der menschliche Speichel und der Mundraum sind voller Bakterien, von denen etliche für das Immunsystem oder die Verdauung von Nahrung erforderlich und wichtig sind. Neben diesen nützlichen Bakterienkolonien gibt es jedoch auch schädliche Stämme, die zusammen mit Nahrungsresten einen sogenannten Biofilm bilden, der als Plaque oder Zahnbelag bezeichnet wird. Dieser setzt sich an den Oberflächen der Zähne, am Zahnfleischrand und in den Zahnzwischenräumen fest. Wird die Plaque nicht durch gründliches und regelmäßiges Zähneputzen entfernt, entwickelt sich bereits nach wenigen Tagen eine Entzündung des empfindlichen Zahnfleisches, wobei Bakterien in das weiche Gewebe eindringen.

Als Abwehrreaktion des Immunsystems entsteht eine Entzündung des Zahnfleisches, eine sogenannte Gingivitis, die sich etwa durch Zahnfleischblutungen, Rötungen oder Druckempfindlichkeit äußert. Wird der Entzündungsherd nicht beseitigt, etwa durch eine professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt, kann die Entzündung tiefer ins Gewebe eindringen und in der Folge zu einem Abbau des Zahnknochens sowie der Zahnhaltefasern führen. Dabei bilden sich tiefe Spalten zwischen Zahnfleisch und Zahn, sogenannte Zahnfleischtaschen, durch die neue Bakterien eindringen und die Parodontitis weiter verschlimmern können. Im weiteren Verlauf schreitet der Knochenabbau immer weiter voran, der Zahn verliert immer mehr an Halt im Kiefer, lockert sich, beginnt zu wackeln und fällt schließlich aus. 

Parodontitis frühzeitig erkennen und behandeln

Je früher eine Parodontitis erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Daher muss eine Parodontitis immer konsequent behandelt und die Behandlung bis zum Abschluss durchgeführt werden. Denn der Biofilm in den Zahnfleischtaschen stellt nicht nur eine Gefahr für die Zahngesundheit dar: Von hier aus können Bakterien auch in die Blutbahn gelangen und so weitere Folgeerkrankungen auslösen, etwa Krankheiten des Herz-Kreislauf-System bis hin zu einem Herzinfarkt. Besonders gefährdet sind dabei Diabetiker, denn Diabetes und Parodontitis beeinflussen sich gegenseitig auf sehr ungünstige Weise: Diabetiker sind generell anfälliger für bakterielle Entzündungen, umgekehrt kann eine unbehandeltes Zahnbettentzündung die Diabetes verschlechtern. Und Schwangere sollten ebenfalls frühzeitig zum Zahnarzt gehen und sich untersuchen lassen. Denn Studien weisen darauf hin, dass Schwangere mit einer unbehandelten Parodontitis ein höheres Risiko für eine Frühgeburt haben. 

Risikofaktor Rauchen

Ein erhöhtes Risiko tragen zudem Raucher, denn das Nervengift Nikotin verengt die feinen Blutgefäße im Zahnfleisch und verhindert so eine gesunde Durchblutung. Hierdurch wird Zahnfleischbluten als ein wichtiges Frühwarnsignal verhindert. Viele Raucher wiegen sich also in falscher Sicherheit, was ihre Mundgesundheit angeht. Insgesamt haben Raucher ein um den Faktor 4 bis 6 höheres Risiko, an Parodontitis zu erkranken, außerdem sprechen Raucher auf eine Parodontitisbehandlung deutlich schlechter an als Nichtraucher.

Wer sich das Rauchen nicht abgewöhnen kann oder will, sollte daher besonders auf eine gründliche Mundhygiene achten und so Entzündungen vorbeugen, bevor sie überhaupt entstehen können. Dabei sollten die Zähne mindestens zweimal am Tag für mindestens zwei Minuten geputzt werden, am besten mit einer weichen Zahnbürste. Auch die Verwendung von Interdentalbürsten und Zahnseide ist dringend empfehlenswert, um die bakterielle Plaque selbst in den schwer zugänglichen Stellen zwischen den Zähnen zu entfernen.

Ebenso empfehlen Zahnärzte alle sechs Monate eine Kontrolluntersuchung, um frühzeitige Veränderungen an Zähnen und Zahnfleisch zu erkennen und behandeln zu können. Hierbei sollte auch eine professionelle Zahnreinigung erfolgen, bei der Zahnstein und Plaque gründlich entfernt und die Zähne anschließend versiegelt werden. Wer regelmäßig eine PZR durchführen lässt, kann so sein Risiko für eine Parodontitis um die Hälfte senken. 

Jeder gesetzlich Versicherte hat Anspruch auf Vorsorgeuntersuchungen

Alle zwei Jahre können gesetzlich Versicherte eine Parodontitis-Vorsorgeuntersuchung bei ihrem Zahnarzt durchführen lassen. Die Kosten dafür werden von der Krankenkasse vollständig übernommen. Bei einer solchen Vorsorge überprüft der Zahnarzt mit einer Sonde das Zahnfleisch und ermittelt, ob sich bereits Zahnfleischtaschen gebildet haben und wie tief diese sind. Auch wird hierbei überprüft, ob das Zahnfleisch blutet oder Ablagerungen auf dem Zahnbett zu erkennen sind.

Diese Messwerte ergeben den standardisierten „Parodontalen Screening Index“ (PSI), der dabei hilft, eine Parodontitis zu erkennen und einzuschätzen. Bei einem Verdacht kann der Zahnarzt sich durch Röntgenaufnahmen und weitere Messungen ein genaueres Bild vom Zustand des Kieferknochens machen, bei schweren Verläufen wird oft auch eine Probe der Bakterien aus den Zahnfleischtaschen im Labor untersucht, um die weitere Behandlung abzustimmen.

Besonders Frauen in den Wechseljahren sollten die Möglichkeit der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung nutzen, denn aufgrund der hormonellen Schwankungen kann sich selbst bei guter Mundhygiene eine sogenannte hormonelle Gingivitis ausbilden, bei der das Zahnfleisch anschwillt und Bakterien leichter eindringen können. Wer dann aufgrund von Schmerzen oder Zahnfleischbluten auf das tägliche Zähneputzen verzichtet, verschlimmert die Situation noch, da die bakterielle Plaque nicht mehr regelmäßig und gründlich entfernt wird. Daher sind gerade für diesen Patientenkreis die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt besonders wichtig. 


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