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Gesundheit , Zahnpflege

Richtige Zungenpflege

Zahnärzte, Zahntechniker und auch Ernährungswissenschaftler setzen auf mehr Information und Aufklärung zum Thema Zunge und Zungenpflege. Diesem Anliegen möchten wir uns anschließen, denn auch für die Verträglichkeit, den Tragekomfort und die Lebensdauer von Zahnersatz spielt die Gesundheit der Zunge eine wichtige Rolle

Auf der Zungenoberfläsche ist viel Platz für Bakterien

Die Zunge hat eine große und relativ raue Oberfläche. Darauf können sich Bakterien, etwa Fäulnisbakterien und deren Nährstoffe, hervorragend festsetzen. Keime aller Art finden auf der Zungenoberfläche und in den Nischen rund um den Zungenmuskel geradezu ideale Lebensbedingungen vor: Fast zwei Drittel der Bakterien in der Mundhöhle leben in und auf dem Zungenbelag.

Auch, wenn Sie sich zwei- bis dreimal am Tag die Zähne putzen bzw. Ihre Prothese und Mundhöhle gewissenhaft reinigen, bleiben die meisten Bakterien auf der Zunge davon unbehelligt. Selbst in einem kaum sichtbaren Zungenbelag sind sie so gut geschützt, dass sie ohne weiteres die Berührung mit der Zahnpasta oder Mundspülung überleben können.
Manche von ihnen sind harmlos, aber einige können Karies (Zahnfäule) oder schmerzhafte und gefährliche Entzündungen wie Parodontitis verursachen. Häufig sind Zungenbakterien der Auslöser für hartnäckigen Mundgeruch. Der üble Geruch wird verursacht durch die Nährstoffe und Abbauprodukte von Fäulnisbakterien und anderen Mikroorganismen im Zungenbelag. Viele Menschen haben den typischen, gelblich-weißen Belag schon oft auf ihrer Zunge gesehen – am deutlichsten ist er in der Regel am Morgen nach dem Aufstehen zu erkennen. Genau hier setzt die Zungenpflege an.

Spezielle Werkzeuge zum Reinigen der Zunge

Zum Reinigen der Zunge gibt es in jeder Drogerie und Apotheke nützliche Hilfsmittel, die wenig kosten. Dazu gehören etwa spezielle Zungenschaber, Zungenbürstchen oder Werkzeuge, die beides kombinieren, indem sie eine Schaberseite und eine Bürstenseite haben. Die einfachsten Modelle bestehen aus einem flexiblen Kunststoffstreifen, der einfach über die Zungenoberfläche gezogen wird, um den Belag zu entfernen.

Egal, für welches Spezialwerkzeug Sie sich entscheiden: Arbeiten Sie bei der Zungenreinigung immer vom hinteren Zungenrücken nach vorne in Richtung Zungenspitze. Gehen Sie systematisch und geduldig vor, um keine Bahn und keinen Randbereich auszulassen. Stellen Sie sich einfach vor, sie würden einen Rasen mähen und müssten dabei aufpassen, dass zwischen den Bahnen keine einzelnen Grashalme stehenbleiben.

Achten Sie außerdem darauf, den Schaber oder die Bürste nicht zu weit hinten anzusetzen, um weder die Zunge zu verletzen noch einen Würge- oder Brechreiz auszulösen. Um die Zungenpflege zu erleichtern und einen größeren Teil der Oberfläche zu säubern, können Sie Ihre Zunge auch festhalten. Die Unterseite der Zunge müssen Sie nicht extra reinigen.

Durch die regelmäßige und richtige Anwendung eines Zungenschabers oder -bürstchens lassen sich Zungenbeläge um bis zu 75 Prozent reduzieren. Das wirkt der Neubildung von Zahnbelag oder Belag auf dem Zahnersatz entgegen und hilft, Zahnfleischerkrankungen wie Gingivitis oder Parodontitis wirksam vorzubeugen. Überdies verbessert gute Zungenpflege den Atem und sogar den Geschmackssinn: Eine saubere und gesunde Zunge kann mit ihren sensiblen Geschmacksknospen viel mehr und wahrnehmen, darum schmeckt das Essen mit einer gepflegten Zunge intensiver und besser.

Farbe und Konsistenz des Zungenbelages können dessen Ursachen verraten

Der Belag auf der Oberfläche der Zunge kann weiß, grau-weiß, gelblich, rot, braun, grau oder sogar schwarz sein. Es gibt auch Lebens- bzw. Genussmittel, die die Zunge verfärben, zum Beispiel Rotwein, Kaffee oder Tabak. Zungenbelag kann harmlos, aber trotzdem unangenehm sein, etwa wenn sich die Zunge pelzig anfühlt oder Sie einen schlechten Geschmack im Mund haben.

Manche Zungenbeläge lassen sich ganz leicht abstreifen, andere scheinen wie mit der Zunge verwachsen und gehen auch mit dem Schaber nicht richtig ab. Je hartnäckiger der Belag ist, desto empfehlenswerter ist es, ihn ärztlich abklären zu lassen, um eventuelle Erkrankungen der Mundhöhle oder des Hals-Nasen-Rachen-Raums frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Weißer bis schmutzig-weißer Zungenbelag kann viele Gründe haben. Besonders häufig tritt er
tagsüber auf – als Mix der schon erwähnten Nahrungsreste und Mikroorganismen. Er ist eine typische Begleiterscheinung bei Erkältungskrankheiten wie dem klassischen grippalen Infekt, kann jedoch auch auf eine Verdauungsstörung oder eine Pilzinfektion, etwa mit dem Pilz Candida albicans, hinweisen.

Gelblicher bis gelber Zungenbelag steht manchmal im Zusammenhang mit einer akuten oder chronischen Erkrankung der Leber oder Galle. Er kann sich auch über Nacht nach einem feucht-fröhlichen Abend und starkem Alkoholkonsum bilden – die charakteristische „Katerzunge“ zeigt an, dass die Leber sich überfordert gefühlt und noch nicht wieder richtig erholt hat.

Eine stark gerötete, wunde und schmerzende Zunge tritt typischerweise bei Infektionskrankheiten auf. So kann die Zunge schon bei einem Schnupfen feuerrot werden und bei jeder Berührung schmerzen. Die Kinderkrankheit Scharlach, eine Streptokokkeninfektion, äußert sich unter anderem durch die sogenannte Himbeerzunge: Die Zunge färbt sich rot, und die Zungenpapillen sind stark vergrößert. Eine rote, brennende Zunge kann auch auf Vitaminmangel hinweisen, üblicherweise auf eine Unterversorgung mit Vitamin B12.

Manche Mundspülungen, etwa solche mit dem Wirkstoff Chlorhexidin, können bei langfristigem und regelmäßigem Gebrauch braunen oder braun-schwarzen Zungenbelag hervorrufen. Ein weiterer Grund für braune oder schwarze Beläge oder Verfärbungen der Zunge können Medikamente sein.

Belegte Zunge: Ist mein Zungenbelag normal oder krankhaft?

Eine belegte Zunge ist nicht automatisch krankhaft. Zungenbeläge können sich auch bei einer grundsätzlich gesunden Mundflora hin und wieder bilden – meist im Lauf des Tages, wenn nach der letzten Mahlzeit keine Zeit für die Zahnpflege war. Dann lagern sich winzig kleine Nahrungsreste, abgestorbene Zellen oder lebende Bakterien auf der rauen Zungenoberfläche und in den vielen kleinen Vertiefungen dort ab.

Bei der nächsten Mahlzeit wird ein Großteil des Zungenbelags durch das Kauen und Trinken wieder entfernt. Es sollten keine dauerhaft sichtbaren Zungenbeläge bleiben, denn die weisen auf fest sitzende Bakterienkulturen hin und können auch Anzeichen einer bereits vorhandenen Krankheit sein. Wenn Sie also Ihre belegte Zunge gar nicht mehr loswerden, sollten Sie sie nicht nur Ihrem Spiegelbild zeigen, sondern auch Ihrem Arzt oder Zahnarzt.


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