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Gesundheit

Psychosomatische Aspekte beim Zahnersatz

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Körper und Psyche, sie untersucht also, welche Auswirkungen psychische Fähigkeiten und Reaktionsweisen auf körperliche Aspekte haben. Lange Zeit wurden psychosomatische Aspekte beim Zahnersatz nicht oder nur unzureichend betrachtet, und das, obwohl der Zusammenhang von Seele und Zähnen sich selbst in unserer Sprache wiederfindet: Man muss „Zähne zeigen“ oder bei Anstrengung oder Stress die „Zähne zusammenbeißen“. Bei einer Verhandlung kann man „auf Granit beißen“ oder muss sich allgemein durch seine Arbeit „durchbeißen“.

Die Bundeszahnärztekammer hat sich in einem aktuellen Leitfaden mit dem Thema „Psychosomatische Aspekte beim Zahnersatz“ beschäftigt und versucht damit, Zahnärzte und Praxispersonal für dieses komplexe Thema zu sensibilisieren. Denn bisweilen sind diese die ersten medizinischen Fachkräfte, die psychische Probleme ihres Patienten erkennen und ansprechen können, etwa innere Unruhe, unverarbeiteten Stress oder ähnliche Symptome.

Seelen- und Mundgesundheit hängen zusammen

Natürlich ist es die vordringlichste Aufgabe jedes Zahnarztes, seine Patienten sorgsam körperlich zu untersuchen und Auffälligkeiten, Erkrankungen oder andere Probleme im Mundraum und dem gesamten Kauorgan zu erkennen und zu behandeln. Werden jedoch psychosomatische Aspekte beim Zahnersatz komplett außer Acht gelassen, ist bisweilen der Therapieerfolg gefährdet.

Ein Patient, der unter Bruxismus (unwillkürliches Knirschen der Zähne) leidet, wird im Laufe der Zeit auch gesunde Zähne damit schädigen oder sogar zerstören. Im schlimmsten Fall droht der komplette Zahnverlust, in minder schweren Fällen kann der Zahnarzt durch eine Überkronung oder Mineralisierung der Zähne die Zahnsubstanz erhalten.

Wenn jedoch der Patient nicht an den eigentlichen Ursachen für den Bruxismus arbeitet, sind alle somatischen, also rein auf körperliche Aspekte abzielende Therapien wenig erfolgversprechend. Eine Prothese, Krone oder Füllung wird durch die innere Unruhe des Patienten auf Dauer zerstört oder zumindest beeinträchtigt werden, was für zusätzlichen Stress für den Patienten sorgt.

Die Mitarbeit des Patienten ist immer erforderlich

Natürlich können die Zahnmedizin oder Kieferheilkunde keine Antworten auf psychische Probleme liefern, sondern nur die Auswirkungen von solchen Problemen diagnostizieren und behandeln. Aus diesem Grund muss auch der Patient selber psychosomatische Aspekte beim Zahnersatz berücksichtigen – schon aus Eigeninteresse. Wer des Nachtens so stark mit den Zähnen knirscht, dass am nächsten Morgen die Kiefermuskeln schmerzen, sollte sich zunächst Hilfe suchen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Erst danach kann sinnvollerweise eine Zahnbehandlung begonnen werden, bei der beispielsweise Kronen oder Brücken aus Keramik eingesetzt werden.

Denn die hohen Kaufkräfte können das sehr harte und an sich widerstandsfähige Material zerstören oder der Zahnersatz beschädigt die gegenüberliegenden, gesunden Zähne. Der Zahnarzt kann und sollte seine Patienten auf diese Möglichkeit hinweisen und nicht isoliert die körperlichen Beschwerden betrachten und behandeln.

Im Umkehrschluss sollte auch der Patient solche Hinweise seines Zahnarztes ernst nehmen und versuchen, durch psychotherapeutische Unterstützung, das Erlernen von Entspannungstechniken oder sportliche Aktivität zu mehr innerer Ruhe und Gelassenheit zu gelangen. Denn Gesundheit schließt sowohl körperliche wie auch seelische Aspekte ein – eine rein körperliche Betrachtung greift besonders im Bereich der Mund- und Zahngesundheit zu kurz.


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