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26. Juli 2016 / 0 Kommentare

Gesundheit, Zahnpflege

Prothesenhygiene: Wichtig für eine gesunde Lunge

Bei herausnehmbaren Zahnprothesen gilt im Allgemeinen: Je öfter und länger die Prothese getragen wird, desto besser. Zahnärzte empfehlen daher häufig, die „Dritten“ auch über Nacht im Mund zu lassen – nicht nur in der Gewöhnungsphase nach dem ersten Einsetzen einer neuen Prothese, sondern generell. Das kann unter anderem dem Abbau von Kieferknochen entgegenwirken. Außerdem fällt es vielen Prothesenträgern so auch leichter, die künstlichen Zähne dauerhaft als ihre eigenen wahrzunehmen.

Vor allem bei älteren Menschen kann das Tragen des Zahnersatzes über Nacht jedoch das Risiko für Lungenerkrankungen erhöhen. Japanische Forscher fanden bereits im Jahr 2015 heraus, dass Senioren, die ihre herausnehmbaren Prothesen auch über Nacht im Mund lassen, rund zweimal so oft an Lungenentzündungen erkranken wie Altersgenossen, die den Zahnersatz zum Schlafen herausnehmen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) weist auf dieses Risiko hin und beruft sich dabei auf aktuelle Studienergebnisse.

Ebenfalls bewiesen ist, dass eine bereits bestehende Atemwegs- bzw. Lungenerkrankung Pilzinfektionen im Mund (Mundsoor) begünstigt. Die verantwortlichen Hefepilze (z. B. Candida albicans) finden sich häufig auch in gesunden Mundhöhlen und können, wenn das Immunsystem angegriffen ist, Infektionen auslösen.

Schluckprobleme und Bakterienbelastung als Risikofaktoren

Menschen, die unter Schluckproblemen leiden, sollten herausnehmbaren Zahnersatz möglichst nicht über Nacht im Mund behalten. Denn Schluckstörungen erhöhen das Risiko, an einer sogenannten Aspirationspneumonie zu erkranken. Das ist eine Lungenentzündung, die durch das Einatmen von Fremdkörpern oder Flüssigkeiten entsteht. Geraten Speichel oder gar Teile der Zahnprothese in die Atemwege, lösen sie dort Entzündungsreaktionen aus. Das belastet das Immunsystem und erhöht die Anfälligkeit gegenüber einer bakteriellen Infektion der Lunge.

Ein weiterer nachgewiesener Pneumonie-Risikofaktor ist eine entzündliche Vorerkrankung des Zahnfleisches (Gingivitis) oder des Zahnhalteapparats (Parodontitis). Solche chronischen Entzündungen im Mund- und Kieferbereich werden häufig durch mangelnde Prothesenhygiene verursacht. Wird der herausnehmbare Zahnersatz nicht regelmäßig und gründlich gereinigt, können sich sowohl an als auch unter der Prothese Bakterien, Pilze und andere Erreger festsetzen. Die Gefahr für Atemwegserkrankungen aufgrund dieser dauerhaft erhöhten Keimbelastung im Mund ist umso höher, wenn die Prothese auch über Nacht getragen wird.

Ursache: das Bakterium Pseudomonas aeruginosa

Pseudomonas aeruginosa ist eine Bakterienart, die auf der ganzen Welt vorkommt. Für gesunde Menschen stellt der Erreger kaum eine Gefahr dar. Doch bei Personen mit Vorerkrankungen bzw. einem geschwächten Immunsystem kann er zu Wundinfektionen und schweren Erkrankungen führen, etwa einer Blutvergiftung, chronischen Atemwegsinfektion oder Lungenentzündung.

Am wohlsten fühlt sich Pseudomonas aeruginosa in einem feuchten Milieu. Darum findet man diese Bakterienart fast überall – im Wasser, im Boden und eben auch in der empfindlichen Mundhöhle. Manche Pseudomonas aeruginosa-Stämme schützen sich selbst mit einer Schleimschicht, die sie gegenüber den Fresszellen der menschlichen Immunabwehr und sogar Antibiotika vergleichsweise unempfindlich macht. Folglich ist es besonders schwer, eine Infektion mit diesen hartnäckigen Erregern wieder loszuwerden.

Wenn hohes Alter, Grunderkrankungen und mangelhafte Prothesenhygiene zusammenkommen, steigt das Risiko einer Pseudomonas aeruginosa-Infektion. Siedeln sich die Erreger in den Atemwegen an, können sie schwere chronische Infektionen wie Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen. Um das zu vermeiden, ist gewissenhafte Prothesenreinigung und -pflege oberstes Gebot. Es gilt, die Keimbelastung auf der Prothese und auf der Mundschleimhaut so gering wie möglich zu halten, denn eine gesunde Mundflora schützt vor der Ansiedlung und Ausbreitung von Krankheitserregern aller Art.

Prothesenhygiene – so wird’s gemacht

Herausnehmbare Zahnprothesen sollten mindestens einmal pro Tag, am besten Abends vor dem Schlafengehen, gewissenhaft gereinigt werden, um alle sichtbaren Ablagerungen zu entfernen. Dabei gibt es verschiedene Punkte zu beachten:

  • Die Prothese zum Reinigen immer herausnehmen. Denn auch auf der Unterseite können sich Beläge bilden, selbst wenn der Zahnersatz perfekt sitzt.

  • Reinigen Sie Ihren Zahnersatz am besten im Waschbecken. Und spülen Sie ihn gründlich unter fließendem Wasser ab, bevor Sie mit dem Putzen beginnen.

  • Legen Sie ein sauberes Handtuch ins Becken oder lassen sie ein wenig Wasser ein, damit der Zahnersatz keinen Schaden nimmt, wenn er beim Reinigen mal herunterfällt.

  • Benutzen Sie zur Prothesenreinigung entweder eine normale Zahnbürste oder eine Prothesenbürste. Prothesenbürsten passen in der Form perfekt zu herausnehmbarem Zahnersatz und haben härtere Borsten. So erreichen Sie auch schwer zugängliche Stellen und können mit mehr Druck arbeiten. Allerdings dürfen Sie mit der Prothesenbürste nur Ihre künstlichen Zähne putzen. Für echte Zähne ist sie zu hart.
  • Reste von Haftcreme lösen sich allein durch die mechanische Reinigung. Um bakterielle Beläge sicher zu entfernen, brauchen Sie jedoch ein geeignetes Reinigungsmittel. Normale Zahnpasta ist weniger geeignet, da die enthaltenen Putzkörper und Wirkstoffe (Fluoride) den Zahnersatz angreifen können. Besser sind spezielle Pasten für die Prothesenreinigung, aber auch milde Flüssigseifen oder Spülmittel töten Erreger ab. Verwenden Sie jedoch nie aggressive Reinigungs- oder Scheuermittel, um die Zahnersatzoberfläche nicht aufzurauen. Je glatter sie ist, desto weniger Halt finden Bakterien und Keime.

Damit die Dritten auch tagsüber sauber und angenehm zu tragen sind, empfiehlt sich eine Zwischenreinigung nach jeder Mahlzeit. Spülen Sie dazu einfach Ihren Mund gründlich mit Wasser aus und nehmen Sie, falls möglich, auch den Zahnersatz kurz heraus, um ihn von allen Seiten abzuspülen.

Zahnfleisch- und Zungenreinigung nicht vergessen

Ein gesunder Mund ist die beste Prophylaxe gegen Infektionen. Beachten Sie die folgenden Hinweise, um Zahnfleisch und Zunge richtig zu reinigen und zu pflegen:

  • Prothesenhygiene und Mundhygiene gehören zusammen. Reinigen Sie immer auch Ihre gesamte Mundhöhle, wenn Sie den Zahnersatz herausnehmen – besonders gründlich vor dem Schlafengehen. So verringern Sie deutlich Ihr Infektionsrisiko und sorgen für frischen Atem und ein angenehmes Gefühl im Mund.

  • Massieren Sie Zahnfleisch bzw. Kieferkamm ohne Druck mit einer weichen Zahnbürste, deren Borsten abgerundet sind. Das verbessert die Durchblutung, strafft das Gewebe und beugt Zahnfleischrückgang vor. Außerdem entfernen Sie damit eventuelle Reste von Haftcreme oder Haftgel.

  • Die raue Oberfläche der Zunge bietet viel Halt für Beläge und Krankheitskeime. Rund zwei Drittel aller Bakterien im Mund befinden sich auf der Zunge und sind allein durch die Prothesen- und Mundreinigung nicht zu entfernen. Reinigen Sie daher auch die Oberseite der Zunge jeden Abend mit einer Zungenbürste oder einem Zungenschaber.

Prothesen regelmäßig vom Zahnarzt kontrollieren lassen

Auch künstliche Zähne sollten regelmäßig vom Zahnarzt untersucht werden. Empfohlen wird mindestens ein Kontrolltermin pro Jahr. Dabei prüft der Zahnarzt, ob die Prothese noch richtig passt, alle Teile intakt und alle Oberflächen glatt und hygienisch einwandfrei sind. Diese Vorsorgeuntersuchungen sind für gesetzlich Versicherte kostenlos.

Mit einer professionellen Prothesenreinigung kann der Zahnarzt außerdem Verfärbungen oder festsitzende Beläge entfernen, die bei der normalen häuslichen Prothesenreinigung nicht (mehr) abgehen. Nach dem professionellen Reinigen und Polieren sind die Dritten wieder glatt, keimfrei und so schön wie neu.

Hat sich die Prothese mit der Zeit gelockert, zum Beispiel aufgrund von Kieferveränderungen oder Zahnfleischrückgang, kann der Zahnarzt sie in der Praxis anpassen oder im Labor unterfüttern lassen. Danach liegt sie wieder sicher auf, der Prothesenhalt ist besser, und Zahnfleisch wie Prothesenunterseite sind wieder optimal vor Bakterien geschützt.


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