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17. Juli 2015 / 0 Kommentare

Gesundheit, Zahnersatz

Mythen über Zahnersatz und Zahngesundheit

Mundgerüche sind unter zivilisierten Menschen wenig beliebt, aber das weiß ja eigentlich jeder. Mundgerüchte hingegen sind sehr beliebt – manche davon so sehr, dass sie sich weiterhin hartnäckig halten, obwohl längst bekannt ist, dass sie nicht nur irreführend, sondern schlicht falsch sind. Wer den gängigen Mythen Glauben schenkt, kann damit seine Zahngesundheit erheblich gefährden und die Lebensdauer seiner Zähne verkürzen.

Unter der Lupe: Der Wahrheitsgehalt von Zahn- und Mundgerüchten

1. Nur Süßes schadet den Zähnen.

Zucker begünstigt Karies und enthält außerdem sehr viel Energie. Um sowohl Übergewicht als auch Zahnschäden vorzubeugen, sollten also weder Kinder noch Erwachsene zu viel davon essen. Doch auch Saures ist schädlich für die Zähne – und das wird oft vergessen. Während Zucker mittelbar schädigend wirkt, indem er den Kariesbakterien als Nahrung dient und von Fäulnisbakterien in Säuren umgewandelt wird, greifen Säuren den Zahnschmelz ganz direkt an.

Ein echter Übeltäter für die Zähne ist die Zitronensäure, die sehr vielen Lebensmitteln als Säuerungsmittel zugefügt wird. Wer als interessierter Verbraucher gern mal die Zutatenliste auf der Verpackung studiert, entdeckt sie in Produkten quer durch das Supermarktsortiment, von Gummibärchen über Vitaminsäfte bis hin zu Milchprodukten, eingelegten Oliven, Konserven, Tütensuppen und angeblich zahnschonenden (weil zuckerfreien) Hustenbonbons für Kinder.

2. Nach dem Zähneputzen darf man noch einen Apfel essen.

Äpfel sind gesund, das steht außer Zweifel. Ein Apfel pro Tag hält den Arzt fern, sagt ein altes Sprichwort – manchmal ergänzt durch die humorige Bemerkung, man müsse nur richtig zielen und gut werfen.

Tatsächlich unterstützt das Abbeißen und Kauen beim Apfelessen die mechanische Zahnreinigung und regt den reinigenden Speichelfluss an. Doch auch Äpfel enthalten Fruchtsäuren, die den Zahnschmelz aufweichen und dadurch angreifbar machen. Wer abends noch einen Apfel essen möchte, sollte das also immer vor der Zahnpflege tun, sich danach gründlich den Mund mit Wasser ausspülen und mit dem Zähneputzen mindestens zehn Minuten, besser eine halbe Stunde lang warten. Dann sind die Säuren neutralisiert, und die Zahnbürste kann keine Schäden am aufgeweichten Zahnschmelz verursachen.

Diese Regel gilt übrigens immer nach dem Verzehr säurehaltiger Speisen und Getränke. Wer sich daran hält, kann den Verschleiß des Schmelzes minimieren und Zahnfleischproblemen vorbeugen. Damit ist auch der folgende Mythos entkräftet, der da besagt

3. Immer gleich nach dem Essen Zähne putzen!

Egal, was Sie gerade gegessen haben: Am gefährlichsten für Ihre Mund- und Zahngesundheit sind die Säuren, die darin enthalten waren – und die, die von den Bakterien Ihrer Mundflora bei der Verstoffwechselung von Zucker und anderen Nährstoffen gebildet werden. Also nach dem Essen die Zähne (oder die Prothese) einfach gründlich spülen und dem Zahnschmelz vor der mechanischen Reinigung eine halbe Stunde Erholung gönnen.

4. Jedes Kind kostet einen Zahn.

In der Schwangerschaft stellt sich der Hormonhaushalt des Körpers um. Das ist auch am Zahnfleisch fühlbar: Wie der gesamte Organismus einer schwangeren Frau ist es viel stärker durchblutet als sonst, was zu erhöhter Druckempfindlichkeit und einer Neigung zu Zahnfleischschwellungen und Zahnfleischbluten einhergehen und somit auch das Parodontitisrisiko leicht erhöhen kann.

Natürliche Mittel zur Kräftigung und zum Schutz des Zahnfleischs sind zum Beispiel Salbeitee, alkoholfreie Kräuterwasser zur Mundspülung und Produkte mit Kreuzkümmelöl.

5. Schwarztee und Kaffee sind schlecht für die Zähne.

Durch den Genuss von viel und starkem schwarzen Tee und Kaffee können sich die Zähne verfärben. Doch der Schaden ist in diesem Fall nur ästhetischer Art, denn purer Schwarztee und schwarzer Kaffee sind für die Zähne unschädlich. Schwarztee ist sogar sehr gesund für Zahnschmelz und Mundflora: Er enthält das zahnfreundliche Fluorid und außerdem besondere Bitterstoffe, die sogenannten Tannine. Sie hemmen die enzymatische Umwandlung von Stärke zu Zucker im Speichel und wirken so der Vermehrung von karies- und mundgeruchfördernden Bakterien entgegen.

6. Kaugummikauen ist so gut wie Zähneputzen.

Zuckerfreie Zahnpflegekaugummis liegen seit Jahren im Trend. Doch kein Kaugummi kann die Zahnbürste oder Zahnseide ersetzen – auch nicht, wenn die Verpackung eher an ein Medizin- oder Gesundheitsprodukt erinnert als an eine traditionelle Süßigkeit mit Beschäftigungsfaktor. Und auch hier lohnt sich das aufmerksame Studieren der Zutatenliste, denn manche Kaugummis, die als zuckerfrei und zahnpflegend beworben werden, enthalten beim näheren Hinsehen auch den Zahnschmelzkiller Zitronensäure.

7. Karies ist erblich.

Es stimmt tatsächlich, dass man die Veranlagung zu guten oder schlechten Zähnen zu einem gewissen Teil von den Eltern erbt. Wenn die Großmutter mit 80 Jahren noch alle eigenen Zähne im Mund hat oder der Vater schon mit 50 eine Totalprothese trug, kann das genetisch bedingtes Glück oder Pech bedeuten – muss es aber nicht.

Welche erblichen Faktoren in welchem Maß den Zahnstatus beeinflussen, ist schwer zu bestimmen und wissenschaftlich noch längst nicht geklärt. Darum können sie auch keinen Menschen von der Eigenverantwortung für seine Zähne entheben und geben ein sehr dünnes Alibi ab.

Nachgewiesen ist allerdings, dass Karies nicht erblich ist. Die Zahnfäule ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Trotzdem können Kinder von ihren Eltern (und generell Menschen von anderen Menschen) Karies bekommen, denn die Volkskrankheit lässt sich durch den Speichel übertragen – zum Beispiel beim Teilen von Essbesteck, beim Küssen oder durch die Angewohnheit vieler Eltern, den heruntergefallenen Schnuller ihres Kindes nach dem Aufheben durch Ablecken oder Ablutschen zu säubern. Darum sollten Mütter und Väter zum Schutz ihrer Kinder besonders gewissenhaft auf ihre Mundgesundheit achten.

8. Zahnersatz und Implantate müssen nicht gereinigt werden.

Auch das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Richtig ist natürlich, dass Zahnersatz keine Karies bekommen kann wie natürliche Zähne. Doch die schädlichen Bakterien können noch viel mehr Beschwerden und Schäden verursachen, etwa Mundgeruch, Entzündungen am Zahnfleisch oder sogar am Kieferknochen. Wenn Zahnfleisch und Knochensubstanz sich zurückbilden, verliert im schlimmsten Fall auch die künstliche Zahnwurzel ihren Halt.

Sind noch eigene Zähne vorhanden, können Beläge und Bakterien auf der Prothese die kostbaren Pfeilerzähne, Nachbar- und Gegenzähne schädigen. Denn die Kleinstlebewesen breiten sich überall in der Mundhöhle aus und können sich bei dauerhaft mangelhafter Prothesenreinigung und -pflege auch unter dem Zahnersatz häuslich einnisten.

9. Eine Wurzelbehandlung ist schmerzhafter als das Zahnziehen.

Sowohl Wurzelbehandlungen als auch das Zahnziehen werden unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Bei komplizierten Situationen oder bei Angstpatienten kann die Zahnbehandlung auch unter Vollnarkose oder im Dämmerschlaf erfolgen. In nahezu jedem Fall spürt der Patient während der Behandlung keinerlei Schmerzen – und die Heilungsschmerzen danach sind in der Regel weniger schlimm und auch aus psychologischer Sicht leichter zu ertragen als der akute Zahnschmerz vor dem Gang zum Zahnarzt.

Wie viel Schmerz nach der Behandlung zu erwarten ist und wie lange er andauert, hängt nicht nur vom aktuellen Befund ab, sondern in hohem Maß auch vom Verhalten des Patienten während und nach der Behandlung.

10. Die Zahnbürste muss gewechselt werden, wenn die Borsten abstehen.

Vom exzessiven Schrubben mit zu viel Druck und durch langen gebrauch verbiegen sich die Borsten der Zahnbürste, bis sie schließlich fast waagrecht zu allen Seiten des Bürstenkopfs abstehen. Noch heute sehen viele in diesem Jammerbild den Hinweis, dass es jetzt an der Zeit sei, sich mal wieder eine neue Zahnbürste zuzulegen.

In Wirklichkeit ist die Mindesthaltbarkeitsdauer einer Zahnbürste, die so aussieht, schon seit längerer Zeit überschritten. Empfehlenswert ist, die Zahnbürste bzw. den Bürstenkopf im Abstand von vier bis sechs Wochen zu wechseln. Von fragwürdigen Maßnahmen zur Reinigung oder Desinfektion einer älteren Bürste (z. B. in der Mikrowelle oder Spülmaschine) ist hingegen dringend abzuraten. Und die Borsten sollten sich überhaupt nicht dauerhaft verbiegen – tun sie das doch, ist das ein Hinweis auf zu starkes Schrubben oder Drücken, also eher ein Anlass, über eine schonendere Putztechnik nachzudenken.


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