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Zahnersatz , Zahntechnik

Muss ein Zahnimplantat nach einer bestimmten Zeit ausgetauscht werden?

Zahnimplantate stellen die natürlichste Zahnersatzart dar. Sie können einzelne Zähne ersetzen oder größeren Zahnersatz tragen, etwa eine Teil- oder Vollprothese. Das Einsetzen der künstlichen Zahnwurzeln (Implantation) ist allerdings mit einem chirurgischen Eingriff verbunden, und danach muss das Implantat fest in den Kieferknochen einwachsen. Dieser Vorgang wird Osseointegration genannt. Bis ein Implantat richtig eingeheilt und voll belastbar ist, können je nach Grundsituation und Implantatart zwischen 3 und 9 Monate vergehen. Zudem sind Implantate im Vergleich zu anderem Zahnersatz (z. B. einer Zahnbrücke) ziemlich kostspielig. Die Frage, ob das Implantat irgendwann ausgetauscht werden muss oder ein Leben lang hält, ist also ebenso naheliegend wie verständlich. Immerhin gibt es auch andere Implantate, z. B. Hüftgelenksprothesen, bei denen die Tragezeit in aller Regel begrenzt und der Implantataustausch nach 10 bis 20 Jahren gängige Praxis ist.

Das Wichtigste vorweg: Fachgerecht eingesetzte und gut gepflegte Zahnimplantate müssen auch nach Jahrzehnten nicht ausgetauscht werden. Sowohl das Material als auch die Befestigung sind so ausgelegt, dass sie ein Leben lang halten können. Und da es die modernen Titanimplantate schon seit mehreren Jahrzehnten gibt, lässt sich diese Aussage mittlerweile auch anhand von Statistiken belegen. Mittlerweile tragen schon sehr viele Menschen ihre Implantate seit 40 oder mehr Jahren im Mund, ohne jemals Probleme damit bekommen zu haben. Wer sich also für diesen hochwertigen Zahnersatz entscheidet, muss sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nie wieder um neuen Zahnersatz für diese Stelle kümmern.

Kann der Zahnarzt garantieren, dass das Implantat nie mehr ausgetauscht werden muss?

Nein, das kann er nicht. Denn trotz aller Verlässlichkeit der Zahnersatzmaterialien bleibt ein gewisses Risiko, das Implantat wieder zu verlieren. Damit es wirklich ein Leben lang hält, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein – und auch gegeben bleiben.

  1. Die künstliche Zahnwurzel muss fest in den Kieferknochen einwachsen (einheilen). Damit sie stabil bleibt, muss die umgebende Knochenschicht ausreichend dicht und mindestens 2 Millimeter dick sein. Späterer Knochenschwund, etwa als Folge chronischer Entzündungen wie Parodontitis, kann also dazu führen, dass das Implantat seinen Halt verliert.  

  2. Das Implantat muss richtig eingesetzt werden, damit es dauerhaft hält und sich nicht wieder herausschrauben kann. Dafür ist der Zahnarzt oder Implantologe verantwortlich: Er muss den richtigen Winkel, die richtige Einschraubtiefe etc. genau treffen. Aus diesem Grund ist es immer empfehlenswert, Zahnimplantate in einer Praxis einsetzen zu lassen, die darauf spezialisiert ist und Erfahrung mit dieser Art von Eingriffen hat.

  3. Trotz einer Erfolgsquote von über 90 Prozent geschieht es in sehr seltenen Fällen, dass die künstliche Zahnwurzel aufgrund von Materialfehlern Risse bekommt oder bricht. Dann kann der Zahnarzt das Implantat austauschen. Der sichtbare Zahnersatz (Implantataufbau, Krone, Suprakonstruktion) kann, wenn er nicht beschädigt ist, oft gerettet und nochmals verwendet werden.

  4. Auch durch biomechanische oder physische Überlastung kann es zum Implantat- oder Schraubenbruch kommen, etwa durch einen Unfall oder häufiges, starkes Zähneknirschen (Bruxismus). Meist wird dadurch aber nicht das im Kieferknochen fixierte Implantat beschädigt, sondern die Krone bzw. Suprakonstruktion. Die Aufbauten können jedoch grundsätzlich erneuert oder repariert werden, ohne das Implantat erneuern zu müssen.

Knochenaufbau vor der Implantation schafft stabile Verhältnisse im Kiefer

Damit an der entsprechenden Stelle im Kiefer genug stabiles Knochenmaterial vorhanden ist, kann der Zahnarzt vor der Implantation Maßnahmen zum Knochenaufbau durchführen. Oft genügt für den Knochenaufbau das Material, das vor dem Einsetzen des Implantats herausgebohrt wird. Alternativ kann ein wenig Eigenknochen aus dem Kinn oder der Hüfte entnommen oder künstliches Knochenmaterial verwendet  werden. Vor allem der Knochen im oberen Kiefer ist oft nicht dick genug. Dann hilft ein Sinuslift – dabei wird der Boden der Kieferhöhle durch Einbringen von zusätzlichem Knochenmaterial verdickt.

Wie alle mit einem Implantat verbundenen Eingriffe ist auch der Knochenaufbau für den Patienten schmerzlos, denn es wird immer mit örtlicher Betäubung operiert. Und für Patienten, die richtig Angst vor der Zahnbehandlung haben, bieten viele Implantologen auch eine Dämmerschlafnarkose oder zusätzliche Lachgassedierung an. Sogar eine Vollnarkose ist möglich, wenn die Praxis über die benötigte Ausstattung verfügt und ein Anästhesist zugegen ist.

Was kann ich tun, damit ich mein Implantat nie austauschen lassen muss?

Tatsächlich kann jeder Implantatträger einiges dafür tun, dass sein(e) Implantat(e) ein Leben lang halten:

  1. Sich an die Anweisungen des Zahnarztes halten, z. B. in den Tagen nach der Implantation nicht rauchen (idealerweise das Rauchen ganz aufgeben), keinen Alkohol trinken und die Stelle während der Einheilzeit richtig pflegen. Was genau zu tun und zu lassen ist, darüber werden Patienten in aller Regel sehr gründlich informiert. Meist gibt es nach der Implantation auch ein Pflegeset, Broschüren etc., die man mit nach Hause nehmen kann.

  2. Weiterhin auf überdurchschnittlich gute Zahnpflege und Mundhygiene achten: Außer dem regelmäßigen Zähneputzen empfiehlt sich das tägliche gewissenhafte Reinigen der Zahnzwischenräume und  Zahnfleischränder, damit sich keine Kariesbakterien und Entzündungserreger anlagern können. Zum Reinigen von Implantaten, Kronen oder Zahnbrücken gibt es spezielle Utensilien, z. B. Floss oder kleine Bürstchen, deren richtige Handhabung man sich auch vom Zahnarzt erklären bzw. demonstrieren lassen kann.

  3. Bei nächtlichem Zähneknirschen: eine maßgefertigte Knirscherschiene tragen und möglichst die Ursachen bekämpfen (meist Stress oder unbewältigte Konflikte), um den Bruxismus zu überwinden.

Bleiben Mund und Kiefer gesund und frei von chronischen Entzündungen, stehen die Chancen sehr gut, dass auch das Implantat ein Leben lang hält. Denn Parodontitis und entzündungsbedingter Knochenschwund sind die häufigsten Gründe für Implantatverluste.

Was kostet es, ein Implantat austauschen zu lassen?

Für ein Einzelzahnimplantat mit Aufbau werden meist mehr als 1.000 Euro fällig. Muss das Implantat später ausgetauscht werden, z. B. nach einem Unfall, ist die Neuimplantation meist ebenso aufwendig und kostspielig wie das erste Einsetzen. Zwar gibt es von der Krankenkasse jeweils einen Festzuschuss für die Zahnkrone, Zahnbrücke oder Prothese auf dem Implantat, nicht jedoch für die künstliche Zahnwurzel selbst. Die Kosten dafür (und für den Eingriff) muss der Patient also jedes Mal aus eigener Tasche bezahlen.

Geht ein Implantat aufgrund von mangelhafter Mundhygiene, Entzündungen oder Knochenschwund im Kiefer verloren, muss zuerst die Entzündung gestoppt werden, bevor über erneute Knochenaufbaumaßnahmen oder eine Neuimplantation entschieden werden kann. Je nach Befund kann der Zahnarzt dann auch dazu raten, das Implantat nicht auszutauschen, sondern stattdessen einen anderen Zahnersatz (z. B. eine Brücke) zu tragen.

Was ist besser: Titanimplantate oder Keramikimplantate?

Titanimplantate bestehen aus Reintitan (mit einer Reinheit von über 99,9 Prozent). Dieses Leichtmetall ist sehr belastbar und hervorragend körperverträglich (biokompatibel); allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten kommen nur sehr selten vor. Alternativ gibt es Zahnimplantate aus Zirkonium, einer Hochleistungskeramik. Der Vorteil von Keramikimplantaten ist, dass ihre Oberfläche noch resistenter gegenüber Bakterien ist. Allerdings sind auch die modernen Keramikimplantate aufgrund ihrer extremen Härte brüchiger als Titanimplantate. Zwar zerbrechen Zirkonimplantate in aller Regel ebenfalls nicht, doch wenn es keine zwingenden Gründe für metallfreien Zahnersatz gibt, sind die bewährten Titanimplantate die bessere Wahl.

Ein häufiges Argument für Keramikimplantate ist deren Ästhetik: Zirkonium ist weiß, während Titanimplantate grau-metallisch sind. Allerdings ist das Implantat unter dem Aufbau und dem Zahnfleisch normalerweise gar nicht zu sehen. Nur bei deutlichem Zahnfleischrückgang oder anderen bleibenden Veränderungen im Kiefer kann ein Teil davon irgendwann freiliegen oder durchschimmern. Wer sich aus rein ästhetischen Gründen für Keramikimplantate entscheidet, sorgt damit also für eine Zukunftssituation vor, die bei guter Mundpflege und zahngesunder Lebensweise wahrscheinlich gar nicht eintreten wird.


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Ismail
Neuer Zahnersatz

In meinem Mund muss Vieles gemacht werden. Das große Problem ist, ich habe Angst und es sollte sehr schön glänzen und nicht teuer sein.

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