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21. September 2016 / 0 Kommentare

Wissenswertes, Gesundheit

Krankschreibung nach einem gezogenen Zahn?

Grundsätzlich ist es im gemeinsamen Interesse von Zahnarzt und Patient, Zähne so lange wie eben möglich zu erhalten und im Kiefer zu bewahren. Allerdings ist das nicht in jedem Fall möglich oder sinnvoll, denn in bestimmten Situationen kann ein Zahn nur noch gezogen werden, um schlimmere Konsequenzen für die Gesundheit zu vermeiden. Beispielsweise, wenn …

  • … der Zahn bis in die Wurzelspitzen hinein durch Karies zerstört ist und auch ein Stiftzahn keinen Halt mehr finden wird.
  • … eine Wurzelbehandlung nicht möglich oder nicht erfolgreich war.
  • … der Zahn keine sinnvolle Funktion aufweist.
  • … der Zahn aufgrund von Zahnfleischentzündungen keinen festen Halt mehr im Kiefer findet.
  • … der Zahn keinen ausreichenden Platz im Kiefer findet und gegen andere Zähne drückt und diese damit gefährdet.

Der Zahn muss raus – was jetzt?

Ist die Entscheidung gefallen, einen Zahn entfernen zu lassen, sind viele Patienten zunächst verunsichert: Was ist mit Schmerzen während und nach der Operation? Welche Komplikationen können auftreten? Kann ich direkt im Anschluss Auto fahren oder arbeiten gehen? Oft hilft bereits ein klärendes Gespräch mit dem Zahnarzt, der insbesondere Ängste vor möglichen Schmerzen nehmen kann.

Denn eine örtliche Betäubung ist in den allermeisten Fällen absolut ausreichend, um eine vollkommene Schmerzfreiheit während der Operation zu erreichen. Allerdings kann eine krankhafte Schädigung des Zahnes und seiner Umgebung (Zahnfleisch, Knochen) dazu führen, dass die Wirkung der Betäubung beeinträchtigt wird. Ist dieses der Fall, können sich besonders schmerzsensible Patienten beispielsweise im Dämmerschlaf, in Vollnarkose oder unter Lachgas behandeln lassen. Allerdings müssen die zusätzlichen Kosten vom Patienten selber übernommen werden, die Krankenkasse übernimmt sie nur in wenigen Ausnahmefällen.

Sobald die örtliche Betäubung ihre volle Wirkung entfaltet hat, beginnt der Zahnarzt mit der Extraktion, also dem Ziehen des Zahnes. Der Patient spürt außer einem Druck auf den Kiefer nichts davon, und in der Regel ist der Zahn innerhalb von wenigen Sekunden gezogen. Sehr viel länger müssen dann jedoch die direkten Auswirkungen ertragen werden, denn nach der Zahnentfernung bleibt im Kiefer eine Wunde, die zunächst heilen muss.

Der Zahn ist raus – richtiges Verhalten nach dem Eingriff

Direkt nach dem Eingriff wirkt noch die örtliche Betäubung nach, daher ist zunächst kein Schmerz zu spüren. Der Zahnarzt verschließt und schützt die Wunde mit einer sterilen Tamponade, auf die der Patient mindestens eine halbe Stunde, besser bis zum Abklingen der örtlichen Betäubung, vorsichtig beißen sollte. Dadurch wird verhindert, dass Speichel und damit Bakterien aus der Mundhöhle in die Wunde eindringen können. Auch das Nachbluten der Wunde wird so unterbunden.

Zudem sollten Patienten sich nicht selber nach einer Zahnentfernung ans Steuer setzen, sondern sich besser von einem Bekannten abholen und nach Hause bringen lassen. Das gilt nicht nur dann, wenn die Behandlung in Vollnarkose oder Dämmerschlaf durchgeführt wurde, sondern auch bei Extraktionen unter örtlicher Betäubung. Denn diese Lokalanästhetika können die Konzentrationsfähigkeit herabsetzen und müde machen, wodurch die aktive Teilnahme am Straßenverkehr nicht zu verantworten ist.

Wenn die örtliche Betäubung nach einigen Stunden vollständig abgeklungen ist, tritt häufig ein deutlicher Wundschmerz auf, oft einhergehend mit Schwellungen. Der Schmerz ist 1-2 Tage nach der Zahnentfernung vollkommen normal, schließlich wurde das umliegende Gewebe durch die Operation gereizt. Die Schmerzen lassen sich mit einem rezeptfreien Schmerzmittel gut lindern, auch eine kühlende Kompresse, die von außen auf die betroffene Stelle gelegt wird, wird oft als sehr angenehm empfunden. Zudem wirkt die Kälte der Schwellung entgegen

Das Schmerzmittel sollte jedoch auf keinen Fall Acetylsalicylsäure enthalten, da dieser Wirkstoff die Blutgerinnung hemmt und damit die Wundheilung stört. Auch auf Mundspülungen sollte man in den ersten Tagen nach der Zahnentfernung komplett verzichten, da sich zunächst die Wunde im Kiefer verschließen muss. Durch das Spülen des Mundes kann das Koagulum, der sich aufgrund der natürlichen Blutgerinnung bildet, ausgespült werden, was den Heilungsprozess verzögert.

Und wie geht es weiter?

Ob ein gezogener Zahn reicht, um sich vom Zahnarzt krankschreiben zu lassen, hängt von der jeweiligen Situation ab. Patienten sollten dieses am besten im Vorfeld mit ihrem Zahnarzt besprechen und ihren Arbeitgeber informieren, wenn sie am Tag der Operation und ggf. noch an weiteren Tagen danach nicht zur Arbeit kommen können.

Wer schwere körperliche Arbeit verrichten muss, muss sich in jedem Fall krankschreiben lassen, ebenso, wer bei der Arbeit chemischen Dämpfen oder Staub ausgesetzt ist. Auch kann die Schwellung bei Tätigkeiten mit Publikumsverkehr, etwa im Hotelempfang, einen Grund darstellen, sich zunächst einige Tage zu erholen, bevor es wieder ins Berufsleben geht. In letzter Konsequenz entscheidet der behandelnde Zahnarzt oder Kieferchirurg, ob aus medizinischen Gründen eine Krankschreibung erfolgen muss und wie lange diese gilt.

Sollen in einer Behandlung mehrere Zähne auf einmal gezogen werden, kann dieses eine starke Belastung für den Patienten darstellen. Das gilt besonders dann, wenn sich diese Zähne in verschiedenen Kieferarealen befinden, da dem Patient dann etwa beim Lokalanästhetikum eine vergleichsweise höhere Dosis verabreicht werden muss, um eine schmerzfreie Behandlung zu ermöglichen. Wer sich also beispielsweise alle vier Weisheitszähne in einer einzigen Behandlung entfernen lässt, wird mit einer längerfristigen Beeinträchtigung rechnen müssen, die auch die Krankschreibung über eine Woche rechtfertigen kann.

Was Patienten tun können, um die Heilung zu unterstützen

Um als Patient die Wundheilung zu unterstützten, sollte man in den ersten sechs Stunden als Raucher auf Zigaretten verzichten, besser noch länger. Auch starker Kaffee oder Alkohol ist tabu, da hierdurch das Risiko von Nachblutungen erhöht wird. Nicht verzichten sollte man hingegen auf das tägliche Zähneputzen, das betroffene Areal sollte man dabei in den ersten Tagen nach der Zahnentfernung aussparen. Nach spätestens zwei Wochen sind die Wundränder soweit verschlossen, dass das Essen und Sprechen nicht mehr beeinträchtigt wird. Spätestens jetzt kann man auch wieder Mundspülungen anwenden und die Zähne gründlich putzen.

Sollten Schmerzen und Schwellungen auch noch nach mehreren Tagen anhalten, hilft nur noch ein erneuter Besuch beim Zahnarzt. Das gilt auch, wenn sich leichtes Fieber einstellt oder sich ein unangenehmer Mundgeruch bildet, beides Anzeichen für Wundheilungsstörungen, die oftmals von eitrigen Entzündungen begleitet werden. Der Zahnarzt wird dann – auf Wunsch wieder unter örtlicher Betäubung – die Wunde säubern und mit einer infektionshemmenden Tamponade verschließen, um ein gesundes Abheilen zu ermöglichen.


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