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Gesundheit , Behandlung

Was ist bei einem Kieferbruch zu empfehlen?

Ein Kieferbruch ist eine häufige Folge von Unfällen oder einem Sturz. Auch andere Krafteinwirkungen wie etwa ein Faustschlag ins Gesicht können dazu führen, dass die knöcherne Struktur des Kiefers nachgibt und bricht – in schweren Fällen nicht nur einmal, sondern vielfach. Ein Kieferbruch ist sehr schmerzhaft und muss sofort ärztlich behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden und die natürliche Kau- und Sprechfunktion wieder herzustellen. Allerdings braucht eine Kieferfraktur relativ lange, um vollständig auszuheilen: Betroffene müssen sich auf mehrere Monate Heilungszeit und erhebliche Einschränkungen im Alltag einstellen. 

Was genau ist ein Kieferbruch?

Der Kiefer besteht aus zwei Knochen: dem Ober- und dem Unterkiefer. Der Oberkieferknochen bildet den Boden der Augenhöhlen, den Boden und die Seitenwand der Nasenhöhle sowie das Dach der Mundhöhle. Auch die Kieferhöhle gehört zum Oberkiefer, der, anders als sein Gegenpart, nicht beweglich ist. Er ist, wie der Unterkiefer auch, mit einer Zahnreihe von 14 Zähnen (16 mit den Weisheitszähnen) bestückt, die bei einem Kieferbruch in Mitleidenschaft gezogen werden können. Typischerweise entstehen Frakturen im Oberkiefer durch plötzliche und starke Krafteinwirkungen auf das Gesicht, etwa einen Faustschlag, einen Sturz oder den Aufprall bzw. (Zusammen-)Stoß bei einem Unfall. In schweren Fällen können zusätzliche Frakturen im Schädelbereich entstehen, beispielsweise ein Bruch des Nasenbeins, die ebenfalls sofort operativ behandelt werden müssen.

Ein Kieferbruch im beweglichen Unterkiefer ist oft die Folge einer Sportverletzung, etwa durch einen Bodycheck, wie er in Sportarten wie Eishockey, American Football oder auch beim Fußball häufiger vorkommt. Ebenso typisch ist ein Unterkieferbruch nach einem Sturz vom Fahrrad oder Motorrad – oder beim Stolpern und „Hinschlagen“ aus schnellem Lauf. Da der Unterkiefer beweglich ist, muss bei einem Bruch zunächst der Kiefer fixiert und stabilisiert werden, um Zahnfehlstellungen, Zahnverlust und andere Spätfolgen zu vermeiden. 

Welche Symptome weisen auf einen Kieferbruch hin?

Ein Kieferbruch muss nicht unbedingt von außen erkennbar sein. Insbesondere glatte Brüche und kleinere Frakturen verursachen nur selten Schwellungen oder Blutungen. Wer daher nach einem Sturz, Unfall oder einer sonstigen Verletzung im Gesichtsbereich nicht sicher ist, ob sein Kieferknochen noch unversehrt ist, sollte auf die folgenden Symptome achten und im Zweifelsfall einen Facharzt oder ein Krankenhaus aufsuchen, um den Kiefer röntgen zu lassen:

·         Schmerzen beim Bewegen des Kiefers oder in Ruhestellung,

·         Zahnfehlstellungen und/oder Lockerung von Zähnen,

·         unspezifische Missempfindungen im Kieferbereich (z. B. Kribbeln oder Taubheitsgefühl),

·         veränderte Bisslage sowie

·         tastbare Stufenneubildungen am Kieferknochen.

Ein Arzt oder Zahnarzt kann bei einer Untersuchung relativ zuverlässig erkennen, ob ein Kieferbruch vorliegt oder wahrscheinlich ist. Dabei wird der Kiefer auf innere Blutungen, Lageveränderungen und Missempfindungen untersucht. Auch die Beweglichkeit von Unter- und Oberkiefer wird überprüft. Bei begründetem Verdacht werden dann Röntgenaufnahmen des Kiefers und der angrenzenden Knochenareale angefertigt, anhand derer genau beurteilt werden kann, ob eine Fraktur vorliegt oder auszuschließen ist. 

Wie wird ein gebrochener Kiefer behandelt?

Wie die meisten Frakturen muss auch ein Kieferbruch operativ behandelt werden, damit der Knochen wieder richtig zusammenheilen kann. Erschwerend kommt beim Kiefer hinzu, dass Eingriffe in der Nähe des Kiefergelenks sehr kompliziert sind. Denn dort verlaufen wichtige Nervenbahnen, die bei einer Operation nicht beschädigt werden dürfen.

Zunächst werden die Bruchlinien des Knochens vom Kieferchirurgen so exakt wie möglich wieder zusammengefügt und danach fixiert. Was etwa bei einem Armbruch relativ einfach zu bewerkstelligen ist, indem der Arm in einer Gipsschiene ruhig und lagestabil gehalten wird, gestaltet sich am Kiefergelenk deutlich aufwendiger: Mit im Knochen verschraubten Metallschienen, Splinten und Drähten werden die Zähne und Knochen stabilisiert und in der erforderlichen Position gehalten. Das bedeutet in der Konsequenz, dass Ober- und Unterkiefer eng aufeinanderstehen – und das für mehrere Wochen, um das Öffnen des Mundes und damit Lageveränderungen zu verhindern.

Während dieser Zeit ist eine Ernährung ausschließlich in flüssiger Form möglich, daher kann es in der Folge zu erheblichen Gewichtsverlusten kommen. Außerdem ist das Leben mit verschlossenem Kiefer auch psychisch eine Belastung: Zur veränderten Ernährung und weiteren alltäglichen Unannehmlichkeiten kommen Unsicherheit und Angst: Was, wenn man den Mund in einer Notsituation, beispielsweise beim Erbrechen, weit öffnen müsste, aber nicht kann? Damit durch ein solches Szenario keine Bedrohung für Leib und Leben entsteht, bekommen Kieferbruchpatienten mit verdrahteten Kiefern eine „Notzange“ mit – und werden genau instruiert, wann und wie sie diese einsetzen können.

Erst, wenn die Knochenstruktur vollständig neu gebildet wurde, kann die Schienung in einer weiteren Operation entfernt werden. Je nach Schwere, Art und Ort der Verletzung kann das ein halbes Jahr oder sogar länger dauern. Selbst bei optimalem Heilungsverlauf werden durchschnittlich drei Monate benötigt. Zwar kann der Patient seinen Mund meist bereits nach einigen Wochen wieder öffnen und festere Nahrung zu sich nehmen, doch bis der Kieferbruch endgültig ausgeheilt ist, können Monate vergehen. 

Wie kann man sich vor einem Kieferbruch schützen?

Kieferfrakturen entstehen häufig bei Unfällen, also ungeplanten und unvorhersehbaren Ereignissen. Aus diesem Grund ist es nur eingeschränkt möglich, sich vor dieser Verletzung zu schützen. Sportler mit einem erhöhten Risiko für Kieferbrüche können (und sollten) einen geeigneten Helm und gegebenenfalls einen Mundschutz tragen. Wer also beispielsweise Eishockey oder American Football spielt, sollte die passende Schutzausrüstung besitzen und auch beim Training stets anlegen. Der Helm kann bei einem Bodycheck oder Sturz viel von der Energie aufnehmen und abfedern. Und es ist allemal besser, sich den Helm brechen zu lassen als den Kiefer.  


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