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05. April 2016 / 0 Kommentare

Zahnersatz

Keramik-Zahnersatz ist für Knirscher riskant

Keramik ist beim Zahnersatz erste Wahl, wenn es um ästhetische Gesichtspunkte, Verträglichkeit und natürliches Aussehen geht. Moderne Keramiken wie Zirkonoxid weisen eine hervorragende Formbarkeit, Stabilität und Biokompatibilität auf. Allerdings können sie gerade wegen ihrer ausgesprochenen Härte auch Risse und Sprünge bekommen – oder gar zerbrechen, wenn sie extremen Belastungen ausgesetzt sind.

Genau das ist bei regelmäßigem und starkem Zähneknirschen (Bruxismus) der Fall. Dabei werden die Zähne mit hohem Druck aufeinandergepresst und aneinander gerieben. Weil die Kiefermuskeln die stärksten Muskeln des Körpers sind, müssen dabei vor allem die Backenzähne enorme Kräfte aushalten. In der Folge nutzt sich der natürliche Zahnschmelz rascher ab.

Keramischer Zahnersatz oder keramische Verblendungen sind in vielen Fällen sogar noch härter als Zahnschmelz. Darum können sie auch leichter als echte Zähne durch den Druck und die Scherkräfte beim Knirschen zu Bruch gehen, und eine Reparatur ist meist nur mit viel Aufwand möglich. Aus diesem Grund sollten Knirscher besser keinen Keramik-Zahnersatz tragen. Und wer mit den Zähnen knirscht und sich trotzdem keramischen Zahnersatz wünscht, der sollte sich eine Knirscherschiene bzw. Aufbissschiene anfertigen lassen, um Zähne und Zahnersatz zu schützen.

Keramik-Zahnersatz kann beim Knirschen die natürlichen Zähne schädigen

Wenn eine natürliche Zahnoberfläche beim Knirschen auf eine keramische Oberfläche trifft, kann der harte Zahnersatz den weicheren natürlichen Zahnschmelz abschleifen oder zerbrechen lassen. Das ist ein weiteres Risiko, das Knirscher mit Keramik-Zahnersatz eingehen, wenn sie die Zahnreihen nicht zumindest nachts mit einer Knirscherschiene schützen.

Gute Aufbissschienen müssen genau auf die Zähne passen und sollten darum vom Zahntechniker im Labor angefertigt werden. Der Zahnarzt fertigt vorher einen Gebissabdruck oder ein dreidimensionales Bild des Gebisses an. Mit der modernen Technik des Mundscans ist keine Abdruckmasse mehr erforderlich. Die Gebissabformung dient dem Dentallabor als Vorgabe bei der Herstellung einer individuellen Knirscherschiene. Diese Schienen sind aus bruchfestem Kunststoff und bieten damit optimalen Schutz.

Die Ursachen des Zähneknirschens beseitigen

Zähneknirschen kann körperliche und psychische Ursachen haben. Oft spielen auch äußere und innere Gründe zusammen, zum Beispiel eine Kombination aus chronischem Stress und Muskelverspannungen, die zu Kiefergelenksbeschwerden, Haltungs- und Bissstörungen führen kann. Manchmal ist das Knirschen eine reine Stressreaktion: Unbewältigte Konflikte, Sorgen und Ängste lassen die Betroffenen auch nachts nicht zur Ruhe kommen. Im Schlaf werden dann unbewusst die Zähne aufeinandergepresst, und die ungelösten Probleme werden immer wieder und wieder „durchgekaut“.

Auch angeborene oder erworbene Kiefer- und Zahnfehlstellungen können zum Zähneknirschen führen. In einem solchen Fall helfen Entspannungsübungen und bessere Stressbewältigung wenig. Stattdessen hilft der Zahnarzt oder Kieferorthopäde: Er kann die Zähne untersuchen und die Bisssituation mit moderner Funktionsdiagnostik prüfen. Geeignete Maßnahmen zur Korrektur und Verbesserung werden entweder in der Praxis oder in einer Zahnklinik durchgeführt. Das können je nach Befund eine Sanierung des Gebisses, die Versorgung bestehender Zahnlücken, das Anpassen einer Zahnspange oder chirurgische Eingriffe sein.

Alternativen zu Keramik-Zahnersatz

Vollkeramik oder Vollzirkon ist zwar ein sehr gutes, aber nicht das einzige sehr gute Material für Zahnersatz. Für Knirscher sind flexible Materialien wie Goldlegierungen, Nichtedelmetall-Legierungen, Amalgam oder Kunststoff besser, da der Zahnersatz dann bruchfester und damit langlebiger ist. Zahnersatz aus flexiblen bzw. dauerelastischen Werkstoffen kann beim Knirschen einen recht großen Teil der auftretenden Druck- und Scherkräfte ausgleichen. Außerdem gefährdet er die Gegenzähne weit weniger, da Metall und Kunststoff weicher sind als natürlicher Zahnschmelz.

Die preiswerteste Alternative zu Keramik-Zahnersatz ist Kunststoff. Der ist allerdings nicht so langlebig und formtreu wie Gold oder Nichtedelmetalle. Deshalb gilt Kunststoff als eher ungeeignet für Inlays und Onlays. Vor allem im Bereich der großen Backenzähne bleiben Metalle hier die erste Wahl für Knirscher. Doch Veneers oder Lumineers, die ästhetischen Verblendschalen für Frontzähne, lassen sich auch aus Kunststoff herstellen statt aus Vollkeramik.

Prothetische Versorgungen können ebenfalls sehr gut aus Kunststoff hergestellt werden. Wird die Prothese oder Teilprothese gut gepflegt, bleiben auch ihre Oberflächen lange glatt und schön. Bei der Verblendung von metallischen Oberflächen sollten Knirscher ebenfalls Kunststoff statt Keramik wählen, da die feinen keramischen Verblendungen beim Zähneknirschen abplatzen können.

In der Zahnmedizin werden ständig neue Materialien und Werkstoffe erforscht, um Zahnersatz mit optimalen Eigenschaften für jeden Patienten herstellen zu können. Ein großes Thema sind dabei auch neue Kunststoffe, aus denen langlebiger, ästhetischer und biokompatibler Zahnersatz gefertigt werden kann. Das ist nicht nur attraktiv für Knirscher, die auf Keramik verzichten wollen, sondern auch für Menschen, die sich explizit metallfreie Versorgungen wünschen.


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