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Kariesprophylaxe bei Kindern: Der Schulzahnarztbesuch reicht nicht aus

Trotz Schulzahnarztbesuch, Zahnputzschule und immer neuen Initiativen zur Aufklärung der Eltern ist Karies bei Kleinkindern auch im Jahr 2017 die häufigste chronische Erkrankung. Schon bei den Null- bis Dreijährigen haben rund 15 Prozent mindestens einen kariösen Zahn im Mund. Vor allem Kinder aus Familien mit wenig Geld oder niedrigem sozialem Status sind betroffen – die Karieshäufigkeit spiegelt viele gesellschaftliche Probleme wider und zeigt deutlich, in welchen Bereichen ein vermehrter Förder- und Nachholbedarf besteht. 

Wenn die Eltern selbst nicht zum Zahnarzt gehen, zu wenig über Karies und Präventionsmaßnahmen wissen oder das Risiko angesichts ihrer anderen Probleme und Belastungen nicht ernst nehmen, bleiben auch ihre Kinder von der zahnärztlichen Prophylaxe ausgeschlossen. Eltern größerer Kinder glauben zudem häufig, der Schulzahnarztbesuch reiche zur Prophylaxe aus. Das ist jedoch ein Irrtum: Der Schulzahnarzt sieht zwar nach, ob die Zähne in Ordnung sind, doch wenn er Karies oder andere Probleme entdeckt, wird nicht behandelt, sondern lediglich ein Hinweis an die Eltern gegeben. Ob diese dann der Empfehlung folgen, bleibt ihnen überlassen.

Keine Kariesbehandlung beim Schulzahnarztbesuch

Der Schulzahnarztbesuch dient der Aufklärung und Prophylaxe. Den regulären Zahnarztbesuch und die Zahnbehandlung in der Praxis kann und soll er jedoch nicht ersetzen. Denn erstens ist beim Schulzahnarztbesuch eine entspannte und angstfreie Atmosphäre ganz wichtig: Vor der Untersuchung putzen die Kinder gemeinsam die Zähne und werden dabei spielerisch in der richtigen Putztechnik unterwiesen. Jeder, der eine Frage rund um Mund und Zähne hat, kann sie direkt stellen. Während der Reihenuntersuchung gibt es kein neugieriges Publikum, sondern die Kinder, die nicht an der Reihe sind, spielen nebenan oder werden separat beschäftigt. 

Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen werden in der Gruppe auch weder verkündet noch weiter thematisiert, denn kein Kind soll sich schlecht fühlen, schämen oder gar ausgelacht werden, weil bei ihm etwas nicht in Ordnung ist. Ohnehin hat der Schulzahnarzt bei diesem Termin gar nicht die technischen Möglichkeiten, Untersuchungen und Behandlungen wie in seiner Praxis durchzuführen. In Schule oder Kita kann er weder röntgen noch eine Spritze geben noch Füllungen anmischen. Außerdem darf eine Zahnarztbehandlung bei Kindern sowieso nicht ohne Einverständnis der Eltern durchgeführt werden.

Dass der Zahnarzt regelmäßig in die Schule kommt, ist eine sehr gute Möglichkeit, Kindern schon früh zu vermitteln, dass Zahnarztbesuche und Zahnuntersuchungen zum normalen Leben gehören und nichts Schlimmes sind. Erfahrungsgemäß sind fast alle teilnehmenden Kinder aufgeschlossen und aufmerksam, wenn der Arzt Tipps zum richtigen Zähneputzen gibt, verschiedene Putztechniken demonstriert oder erklärt, welche Nahrungsmittel gut und welche schlecht für die Zähne sind. Das Einfärben von Zahnbelägen mit speziellen Färbetabletten und das anschließende Entfernen der bunten Stellen mit der Zahnbürste macht ebenfalls Spaß – diese Übung ist beim Schulzahnarztbesuch schon so lange beliebt, dass sich die meisten Eltern noch aus ihrer eigenen Kindheit daran erinnern.

Empfehlungen des Schulzahnarztes berücksichtigen

Stellt der Schulzahnarzt ein erhöhtes Kariesrisiko oder Kariesschäden fest, sollten Eltern und Sorgeberechtigte zum Wohle ihres Kindes aktiv werden und einen Termin in der Zahnarztpraxis vereinbaren. Auch wenn kein Behandlungsbedarf festgestellt wurde, lohnt sich der regelmäßige Zahnarztbesuch. Denn in der Praxis bietet der Zahnarzt etliche weitere Vorsorgemaßnahmen an, etwa eine Fissurenversiegelung (Versiegelung der Grübchen auf den Kauflächen der Backenzähne) oder die Fluoridierung der Zähne zum besseren Schutz vor Karies. 

Auch eventuelle Zahn- und Kieferfehlstellungen, fehlende Zahnanlagen und andere Wachstums- und Entwicklungsstörungen der Zähne können in der Praxis frühzeitig erkannt und therapiert werden, bevor sie zu ernsten Problemen oder einer langen Leidensgeschichte werden. Für gesetzlich Versicherte – also auch für Hartz-IV-Empfänger – ist die zahnärztliche Vorsorge kostenlos.


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