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Behandlung , Gesundheit

Erfreuliche Entwicklung: Zahnlosigkeit bei Senioren im Vergleich zu 1997 halbiert

Deutschland wird statistisch betrachtet immer älter, und auch die Lebenserwartung jedes Einzelnen nimmt weiter zu. Um den Herbst des Lebens im Ruhestand nicht nur zu erleben, sondern auch genießen zu können, ist Gesundheit das wichtigste Gut. Wie es um die Gesundheit der Bevölkerung konkret steht, wurde und wird in zahlreiche Studien ermittelt, darunter auch die renommierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS). Sie wird seit dem Jahr 1997 vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) durchgeführt und ausgewertet und liegt in der aktuellen fünften Auflage vor, die im August 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Erstmals wurde mit dieser repräsentativen Studie die Mundgesundheit der gesamten Bevölkerung in Deutschland im Jahr 1989 untersucht, so dass sie mittlerweile auch eine Langzeitentwicklung aufzeigt. Und die ist in der Tat in vielen Aspekten sehr positiv, etwa was die Zahngesundheit bei jüngeren Senioren im Alter zwischen 65 und 74 Jahren betrifft. Eine Erkenntnis der Forscher: Heute sind nur noch halb so viele Senioren von Zahnlosigkeit betroffen. War vor 20 Jahren, bei der dritten Auflage der DMS, noch jeder vierte jüngere Senior komplett zahnlos, so ist es heute nur noch jeder achte. Auf diese erfreuliche Entwicklung haben beispielsweise die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) aus Anlass des Tages der älteren Generation Anfang April hingewiesen. 

Deutschland belegt in vielen Bereichen Spitzenpositionen im internationalen Vergleich

So etwa Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV in seinem Statement: „Zahnerhalt und konsequente Präventionsorientierung in der Versorgung haben in den vergangenen Jahren herausragende Erfolge gezeigt. Deshalb nimmt Deutschland international hier auch folgerichtig einen Spitzenplatz ein. Die steigende Zahl eigener Zähne bis ins hohe Alter erleichtert es dem Behandler, funktionalen Zahnersatz zu befestigen.“ 

Mit nur noch rund 12 Prozent vollständig zahnlosen jüngeren Senioren liegt Deutschland tatsächlich auch im europäischen Vergleich an der Spitze, gefolgt von Italien und Großbritannien. Dass die Zahnlosigkeit – besser gesagt die Zahl der Zahnlosen – innerhalb von 20 Jahren halbiert werden konnte, zeigt deutlich, wie wichtig Aufklärung, Prävention sowie eine gute zahnmedizinische Versorgung sind. So liegt Deutschland auch bei Karieserfahrungen im internationalen Vergleich auf einem der vorderen Plätze: 17,7 Zähne sind bei jüngeren Senioren kariös, gefüllt oder fehlen komplett. Interessanterweise sind es hierbei die USA, die noch besser abschneiden: Dort fehlen im Durchschnitt nur 8,3 Zähne, in Deutschland sind es bei einem gleichen Karieserfahrungswert immerhin 11,1. 

Parodontalerkrankungen bei Senioren weit verbreitet

Ein anderes und leider weniger erfreuliches Bild zeichnet sich bei Parodontalerkrankungen ab: Jeder vierte jüngere Senior leidet unter schwerer Parodontitis, und mehr als jeder zweite (51 Prozent) unter einer moderaten bakteriellen Entzündung des Zahnhalteapparates. Im internationalen Vergleich schafft es Deutschland damit nur auf einen der hinteren Plätze, allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass für einen vollständigen internationalen Vergleich verlässliche Informationen aus anderen Ländern vorliegen. 

Dennoch sind die Ergebnisse der DMS V insgesamt sehr erfreulich, insbesondere was die gesundheitliche Entwicklung bei Kindern und Senioren angeht. So wird vor allem das deutsche Gesundheitssystem, das jedem Versicherten eine bezahlbare Grundversorgung sichert und ermöglicht, auf Wunsch auch höherwertigen Zahnersatz zu nutzen, als Grund für die Verbesserung der Mundgesundheit in Deutschland gesehen, wie Dr. Wolfgang Eßer betont: „Unabhängig von der Art des jeweiligen Zahnersatzes und dem Sozialstatus hat jeder gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, eine zahnprothetische Versorgung seiner Wahl zu Lasten der GKV in Anspruch zu nehmen.“

Verbesserungspotentiale erkennen und nutzen

Doch auch, wenn die Zahnlosigkeit bei Senioren um 50 Prozent reduziert werden konnte, gibt es nach wie vor Verbesserungspotenzial, wie Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK, betont: „Die DMS V zeigt, dass der Anteil prothetisch ersetzter Zähne in allen sozialen Schichten vergleichbar hoch ist. Anders als in anderen Ländern lässt sich in Deutschland der Sozialstatus somit nicht an der Zahl der Zahnlücken erkennen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse zum Zahnverlust auch, dass Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen noch nicht im gleichen Maße von den Mundgesundheitserfolgen wie die breite Bevölkerung profitieren. Die Aufklärung, dass regelmäßige Mundpflege und Kontrolluntersuchungen viel bewirken können, muss alle erreichen.“

Die Situation von älteren Senioren mit Pflegebedarf muss verbessert werden

Insbesondere bei älteren Senioren im Alter zwischen 75 und 100 Jahren mit Pflegebedarf zeigt sich auch in der aktuellen Mundgesundheitsstudie noch Verbesserungspotential. So nehmen diese deutlich seltener zahnärztliche Dienste in Anspruch als ältere Senioren ohne Pflegebedarf, mit teilweise dramatischen Auswirkungen auf die Mund- und Zahngesundheit, wie die folgende Tabelle aufzeigt:

 

Ältere Senioren

(75-100 Jahre)

Ältere Senioren

(75-100 Jahre)

mit Pflegebedarf

Kontrollierte Inanspruchnahme zahnärztlicher Dienste

68,2 Prozent

38,8 Prozent

Kariessanierungsgrad

83,0 Prozent

69,2 Prozent

Zahnfleischbluten

46,5 Prozent

64,3 Prozent

Hilfe bei der Mundhygiene erforderlich

6,7 Prozent

29,8 Prozent

Völlige Zahnlosigkeit

32,8 Prozent

53,7 Prozent

Quelle: https://www.bzaek.de/wir-ueber-uns/daten-und-zahlen/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html

An diesen Daten zeigt sich deutlich, dass es in Deutschland trotz zahlreicher Maßnahmen zur Aufklärung und Prävention noch Lücken gibt, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten geschlossen werden müssen. Diese betreffen vor allem die Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf, daher müssen in diesem Bereich die Aus- und Weiterbildung von Pflegefachkräften intensiviert und um Belange der Zahnmedizin, Zahntechnik und Prophylaxe erweitert werden.

Auch in Bezug auf die Versorgung von immobilen Patienten gilt es, weitere Anstrengungen zu unternehmen, etwa durch mehr Hausbesuche und mobile Behandlungseinheiten für Zahnärzte. Hier gibt es bereits vielversprechende Ansätze, die jedoch auch vom staatlichen Gesundheitswesen stärker als bisher unterstützt und honoriert werden müssen, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.  


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