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28. September 2016 / 0 Kommentare

Behandlung

Kann man unpassende Zahnkronen ablehnen?

Künstliche Zahnkronen zählen zum häufigsten Zahnersatz. Um sie herzustellen, einzusetzen und anzupassen, sind in der heutigen Zahnmedizin und Zahntechnik Methoden und Materialien bekannt, die noch vor einer Generation Zukunftsmusik waren. Trotzdem kann es vorkommen, dass eine neue Krone nicht richtig passt. Dann ist es wichtig, rasch für Abhilfe zu sorgen – und dabei ist es äußerst hilfreich, wenn Sie als Patient gut informiert sind.

Grundsätzlich haben Sie natürlich das Recht, unpassende Zahnkronen abzulehnen. Niemand kann Sie zwingen, etwas in Ihrem Mund zu tragen, das nicht zu Ihnen passt, Ihnen nicht gefällt oder sich nicht gut anfühlt. Doch in der Regel geht es bei Problemen mit neuen Kronen nicht um Ablehnung, sondern um Nachbesserung. Oberstes Ziel ist, dass Sie so schnell und stressfrei wie möglich eine passende, verträgliche und ästhetisch wie funktionell einwandfreie Versorgung erhalten.

Juristisch gesehen hat der Zahnarzt sowohl die Pflicht als auch das Recht zur sogenannten Nachbesserung. Denn er hat mit dem Patienten einen Behandlungsvertrag abgeschlossen, aus dem sich auch sein Anspruch auf Honorar ergibt. Krankenkasse und Patient müssen die erbrachte Leistung bezahlen. Die Häufigkeit und der Umfang der Nachbesserungen, die ein Patient seinem Zahnarzt einräumen muss, sind von Fall zu Fall verschieden.

Nur wenn die Krone bzw. die Zahnarztleistung komplett unbrauchbar ist und keine Möglichkeit zur Einigung besteht (z. B. wegen eines gestörten Vertrauensverhältnisses oder Streits), können das Nachbesserungsrecht und der Honoraranspruch des Arztes verfallen. Dann kann der Patient die Zahnersatzbehandlung abbrechen und den Arzt wechseln – als gesetzlich Versicherter allerdings erst nach Rücksprache mit seiner Krankenkasse. Das ist jedoch eher selten der Fall.

Häufig kann eine anfänglich unpassende Krone schon durch kleine Nachbesserungen erheblich an Tragekomfort oder Ästhetik gewinnen. Sind die Mängel allein dadurch nicht zu beheben, kann der Zahnersatz auch neu angefertigt werden – ebenfalls im Rahmen der Nachbesserung. Und die allermeisten Zahnärzte nehmen ihre Pflichten hier sehr ernst und sehen in der Patientenzufriedenheit sowohl einen Erfolgsfaktor als auch eine Herzensangelegenheit.

Was stimmt nicht mit der Krone?

Für den Zahnarzt in seiner Praxis gehört das individuelle Präparieren und Überkronen von Zähnen zum Tagesgeschäft, und in modernen Dentallaboren werden Handarbeit und computergesteuerte Fertigungstechniken kombiniert, um Kronen herzustellen, die perfekt sitzen, funktionieren und mit der Zahnfarbe und Zahnform des Trägers harmonieren. Wenn die fertige Krone nicht passt, kann es dafür mehrere Gründe geben. Sie zu erkennen und zu benennen ist die erste Aufgabe, bei der Zahnarzt und Patient idealerweise zusammenarbeiten. Sprechen Sie also jeden Mangel, der Ihnen auffällt, sofort an, und lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt Vorschläge zu dessen Beseitigung machen.

Falsche Farbe, falsche Form

Wenn Ihnen die Farbe oder die Form einer Krone beim ersten Betrachten nicht gefallen, fragen Sie den Zahnarzt, ob es möglich ist, die Krone vor dem festen Einzementieren probezutragen. Das ist in vielen Fällen möglich, allerdings kann die provisorische Befestigung auch bedeuten, dass Sie die Krone nicht sofort voll belasten dürfen. Oft ist es notwendig, die neue Krone ein paar Tage lang im eigenen Mund bzw. im Spiegel zu sehen, um sich ein deutliches Bild zu machen. Sind Sie danach immer noch unzufrieden, lassen Sie sich vom Zahnarzt ausführlich über die Verbesserungsoptionen beraten. In manchen Praxen gibt es auch die Möglichkeit, verschiedene Zahnfarben und -formen am Computerbildschirm in ein Foto Ihres lachenden Gesichts einzufügen und so das spätere Ergebnis schon im Vorfeld genau zu betrachten.

Spannungs- oder Druckgefühl

Wenn die neue Krone nach dem Einsetzen drückt, spannt oder das normale Zubeißen, Kauen und Sprechen behindert, kann der Zahnarzt das vielfach durch Nachschleifen und Polieren beheben. Wenn die Beschwerden jedoch auch nach der Eingewöhnungszeit (ca. zwei Wochen) nicht verschwinden, müssen die Krone, der darunterliegende Zahnstumpf, die Umgebung des überkronten Zahns und gegebenenfalls der gesamte Kiefer und Biss genauer untersucht werden.

Krone zu dünn oder zu dick

Grundsätzlich gilt: Der Zahnarzt muss beim Präparieren eine gewisse Menge an Zahnsubstanz entfernen, damit die Krone ausreichend stabil werden kann und auch noch Raum für individuelle Ausformung bleibt. Schleift der Arzt zu wenig vom Zahn ab, wird die Krone entweder zu dünn, um stabil zu sein, oder zu dick für eine harmonische Ästhetik bzw. ein gutes Tragegefühl. Gegebenenfalls muss also auch am Zahnstumpf nachgebessert werden, damit nachher alles passt.

Schmerzen und Entzündungen am überkronten Zahn

Schmerzen und Entzündungen nach dem Überkronen können auch von einem sogenannten Schleiftrauma (oder Präparationstrauma) herrühren. Wenn die Schleifinstrumente beim Präparieren zu schnell rotieren bzw. nicht ausreichend gekühlt werden, können Druck und Hitze den Zahnnerv beschädigen. Dann kann die Krone perfekt gearbeitet sein und der Zahn darunter trotzdem anhaltende und starke Beschwerden verursachen, etwa durch eine Wurzelkanalentzündung oder Pulpitis (Infektion des Zahnmarks). Oft treten die Schmerzen bzw. Entzündungssymptome erst einige Zeit nach der Überkronung auf.

Nicht in jedem Fall ist das Entfernen der Krone notwendig, um die Folgen des Schleiftraumas zu behandeln. Besser ist es jedoch in jedem Fall, den Zahnnerv gar nicht erst zu beschädigen. Sprechen Sie Ihren Zahnarzt möglichst früh auf dieses Thema an – viele Ärzte arbeiten mit langsam rotierenden Instrumenten und speziellen Kühlsystemen, um ein Schleiftrauma von vornherein auszuschließen.

Anlaufstellen der Zahnärzteschaft bieten Rat und Hilfe

Viele Patienten finden es schwierig oder unangenehm, den Zahnarzt offen auf Mängel anzusprechen, ihre Symptome klar einzugrenzen oder als Laie Zweifel an der erbrachten Leistung zu äußern. Um vor einer Nachfrage oder Beschwerde mehr Information und Rückhalt zu bekommen, lohnt sich der Anruf bei einer Patientenberatungsstelle. Viele der zahlreichen Beratungsstellen, z. B. die der Zahnärzteschaft und der Verbraucherzentrale, sind kostenlos. Hier können sich Patienten nicht nur zu Zahn- und Zahnersatzproblemen aller Art beraten lassen, sondern finden auch Hilfe, wenn sich die Einigung mit dem Zahnarzt als schwierig herausstellt.

Was tun, wenn Arzt und Patient sich nicht einig werden?

Kommt es wegen der unpassenden Krone bzw. der Nachbesserung zu anhaltender Uneinigkeit, zu Streit oder zum Zerwürfnis mit dem Zahnarzt, sollten Sie als Patient unbedingt Kontakt zu ihrer Krankenkasse aufnehmen. Die Kasse kann einen Gutachter ihres medizinischen Dienstes bestellen, der die Arbeit des Zahnarztes bzw. die unpassende Krone prüft. Falls der Experte einen Behandlungsfehler feststellt oder vermutet, können Sie das sogenannte Gutachterverfahren einleiten. Am Ende dieses Verfahrens, auf das sich die Kassenzahnärztliche Vereinigung mit den Krankenkassen geeinigt hat, steht eine konkrete Empfehlung, etwa eine bestimmte Nachbesserungsarbeit.

Für privat Versicherte sind die Schlichtungsstellen der jeweiligen Bezirks- oder Landeszahnärztekammern die richtige Anlaufstelle. Auch sie sprechen eine Empfehlung aus, über die sich Zahnarzt und Patient idealerweise doch noch einigen können, um gemeinsam auf dem Weg zur passenden Zahnkrone weiterzukommen.


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