Themenwelt

30. September 2016 / 5 Kommentare

Zahntechnik, Behandlung

Implantat neben dem Weisheitszahn?

In aller Regel sind im menschlichen Kiefer 32 Zähne angelegt – acht in jedem der Kieferquadranten. Die vier hintersten Backenzähne, die 8er, werden auch als Weisheitszähne bezeichnet, weil sie meist erst im Erwachsenenalter durchbrechen. Das späte Erscheinen und lange, schubweise Wachstum der Weisheitszähne kann zu verschiedenen Problemen führen. Dennoch ist es nicht bei jedem Menschen erforderlich oder sinnvoll, die 8er rein vorbeugend entfernen zu lassen.

Soll neben einem noch vorhandenen Weisheitszahn eine Lücke geschlossen werden, gibt es verschiedene Optionen: Der fehlende 7er kann mit Hilfe einer Brücke ersetzt werden, durch ein Implantat oder in manchen Fällen sogar durch den Weisheitszahn selbst. Welche Methoden für den Lückenschluss in Frage kommen und welche Versorgung langfristig die besten Erfolgsaussichten bietet, muss durch individuelle Diagnostik abgeklärt werden.

Sehr wichtig dabei ist auch die umfassende Information und Beratung des Patienten. Gerade die Entscheidung für ein Implantat neben einem Weisheitszahn sollte nicht vorschnell getroffen werden. Denn Zahnimplantate – künstliche Zahnwurzeln, die nach dem Einheilen mit einer naturidentischen Implantatkrone versehen werden – gehören nicht zur Regelversorgung der Krankenkassen und müssen daher vom Patienten zum größten Teil selbst bezahlt werden.

Da ein Implantat sowohl funktionell als auch ästhetisch und vom Gefühl her dem natürlichen Zahn am nächsten kommt und Zahnimplantate ein Leben lang halten können, ist diese Investition durchaus lohnenswert. Allerdings müssen die Voraussetzungen für eine sichere Implantation neben dem Weisheitszahn gegeben sein.

Wann kann ein Weisheitszahn bleiben, und wann muss er raus?

Generell kann ein Weisheitszahn, der keine Probleme bereitet, im Kiefer bleiben. Das gilt auch bei retinierten oder teilretinierten Weisheitszähnen, also solchen, die gar nicht oder nicht vollständig herausgewachsen sind. Allerdings dürfen die 8er weder durch Platzmangel noch durch Entwicklungsstörungen oder Fehlstellungen das Wachstum, die normale Ausrichtung, die Funktion und die Gesundheit der anderen Zähne beeinträchtigen. Der Kiefer muss also groß genug sein, um für alle Zähne ein störungsfreies Wachstum und eine normale Ausrichtung und Eingliederung in die Zahnreihe zu gewährleisten. Ob er das ist, lässt sich anhand von Röntgenaufnahmen feststellen. Wenn es bereits Probleme gibt oder diesbezügliche Beschwerden klar abzusehen sind, wird der Zahnarzt zur Entfernung der Weisheitszähne raten – entweder durch Ziehen oder durch Herausoperieren.

Die besondere Problematik der Weisheitszähne ist durch die Evolution bedingt. Im Lauf der Zeit hat sich der Kieferknochen des Menschen verkleinert – unter anderem daher, weil sich auch die Art der Ernährung und die Kost stark verändert haben. Die 8er sind heute eigentlich nicht mehr erforderlich, und bei vielen Menschen finden sie im Kiefer zu wenig Platz vor und liegen daher gekippt, gedreht oder verlagert im Kieferknochen. Beim Wachsen können sie gegen die Nachbarzähne drücken, sie verdrängen oder deren Kronen oder Wurzeln beschädigen. Auch das Verschieben der gesamten Zahnreihe durch einen Weisheitszahn ist möglich.

Selbst ein gerader, vollständig und problemlos herausgewachsener Weisheitszahn kann ein Risiko für die Mund- und Zahngesundheit darstellen, denn bei entsprechend engen Verhältnissen ist es oft schwer oder kaum möglich, die hintersten Zähne und Zahnzwischenräume richtig zu reinigen und zu pflegen. So können sich Beläge und Bakterien in diesem Bereich besonders gut festsetzen, vermehren und Karies, chronische Zahnfleischentzündungen oder sogar Abszesse verursachen. Folgerichtig ist es häufig eine kluge Entscheidung, den 8er vorsorglich zu entfernen, um eine ausreichende Mundhygiene zu ermöglichen.

Alle genannten Faktoren sind natürlich auch beim Setzen eines Implantats neben den Weisheitszahn zu berücksichtigen:

  • Die vorangegangene Schädigung bzw. der Verlust des zu ersetzenden 7ers dürfen nicht ursächlich auf den Weisheitszahn zurückgehen. Denn ein Weisheitszahn, der einen natürlichen Nachbarn beeinträchtigt oder beschädigt hat, kann auch zu Problemen mit dem Zahnersatz führen.
  • Das Wachstum des Weisheitszahnes sollte abgeschlossen sein, damit es nicht bei späteren Wachstumsschüben zu einer gravierenden Veränderung der Raumverhältnisse kommen kann.
  • Es muss nach der Implantation genug Platz für Weisheitszahn, Zahnersatz und auch die einwandfreie Mundhygiene bleiben.
  • Der Weisheitszahn sollte stabil, intakt und gesund sein, so dass seine Erhaltungswürdigkeit die Risiken des Erhalts klar überwiegt.

Wer sich nach der Beratung und Empfehlung durch den Zahnarzt bzw. Implantologen dafür entscheidet, den 8er zu behalten, braucht sich auch langfristig keine zusätzlichen Sorgen um die Zukunft seines Implantats zu machen. Denn falls zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Probleme mit dem Weisheitszahn auftreten sollten, kann dieser auch nachträglich ohne Gefahr für das Implantat entfernt werden. Der Aufwand dafür entspricht dem einer normalen Weisheitszahnentfernung ohne benachbartes Implantat, und dasselbe gilt für die Heilzeit.

Mögliche Alternativen zum Implantat: Die Lücke mit dem Weisheitszahn schließen

Je nach individuellem Kiefer- und Zahnstatus kann der Arzt Alternativen zum Implantat empfehlen. Eine davon ist das Ersetzen des verlorenen 7ers durch den Weisheitszahn, für das es wiederum zwei Möglichkeiten gibt: Beim sogenannten kieferorthopädischen Lückenschluss wird der Weisheitszahn durch Hilfsmittel wie eine Zahnspange oder Zahnklammer nach vorn in die Lücke gezogen. Das kann jedoch eine ganze Weile dauern. Der Patient muss also die Bereitschaft aufbringen, für die erforderliche Zeit – eventuell mehrere Jahre – eine feste oder lose Spange zu tragen und gegebenenfalls auch sein Essverhalten und die Mundhygiene daran anzupassen.

In einigen Fällen kann der Weisheitszahn auch transplantiert werden, um eine Lücke in der regulären Zahnreihe zu schließen. Tatsächlich ist der 8er der Zahn, der bei Zahntransplantationen am häufigsten versetzt wird, weil er an seiner ursprünglichen Position evolutionsbedingt ohnehin keine wesentliche Aufgabe mehr erfüllt.

Durch Transplantation kann der Weisheitszahn auch einen großen Backenzahn in einem anderen Kieferquadranten ersetzen. Wenn die Wurzel wieder fest angewachsen ist und der Zahnnerv vital bleibt, ist der transplantierte Zahn ebenso haltbar und belastbar, als wäre er an dieser Stelle gewachsen. Der optische Unterschied ist so gering, dass im Alltag niemand erkennen wird, dass es sich um einen Weisheitszahn handelt, selbst wenn er beim offenen Lachen deutlich zu sehen ist.

Die Prognose von transplantierten Zähnen ist heute sehr gut. Allerdings müssen für eine erfolgreiche Weisheitszahntransplantation einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Eingriff ist nur sinnvoll, wenn die Zahnwurzeln des Weisheitszahns noch nicht komplett ausgewachsen sind. Ob das Wachstum abgeschlossen ist oder nicht, muss der Zahnarzt oder Kieferorthopäde also vorher individuell prüfen.
  • Die zu schließende Lücke muss ausreichend Platz für den Weisheitszahn bieten. Ein wenig Spielraum bietet hier die Option, das Zahnfach vor der Transplantation zu erweitern.
  • Bei Lücken durch fehlende Zahnanlage muss der Kieferknochen chirurgisch auf die neue Zahnwurzel vorbereitet werden.

Üblicherweise geht eine Zahntransplantation mit weiteren kieferorthopädischen Maßnahmen einher und erfordert gründliche Vorbereitung und Nachsorge. Daher ist eine umsichtige Therapieplanung ebenso wichtig wie die umfassende Aufklärung des Patienten und das Besprechen und Abstimmen der einzelnen Behandlungsschritte.

Alternative 2: Der Weisheitszahn als Brückenpfeiler

Wenn der 7er statt durch ein Implantat durch eine Brücke ersetzt werden soll, kann ein stabiler, gut ausgerichteter Weisheitszahn als zweiter Brückenpfeiler dienen und somit die Belastung und die Kräfteverteilung im Bereich der Brücke optimieren. Das Setzen eines Implantats an Stelle eines entfernten Weisheitszahns ist jedoch nach den heutigen Implantationsrichtlinien nicht vorgesehen. Wurde der Weisheitszahn also bereits entfernt, kann bei einer gewünschten Brückenversorgung allenfalls eine sogenannte Freiendbrücke zum Einsatz kommen. Weil diese nur an einer Seite befestigt werden kann, braucht sie dort besonders festen Halt, so dass häufig nicht nur einer, sondern die beiden vorderen Nachbarzähne als Pfeiler bzw. Brückenanker beschliffen und überkront werden. Über verschiedene Brückenarten und ihre Vor- und Nachteile können Sie sich beim Zahnarzt, bei Ihrer Krankenkasse und auch bei den Patientenberatungsstellen informieren lassen.


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5 Kommentare

Steffi Irmscher /

13. November 2016

Zahnkrone und Implantate

Hallo ,ich interessiere mich für Zahnkrone oder Implantat an eiene Tag,könnt Ihr mir da weiter helfen

DIE 32 /

14. November 2016

Zahnkrone und Implantate

Guten Morgen!

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir beantworten Ihnen gerne all Ihre Fragen rund um Zahnersatz. Kontaktieren Sie unseren Patientenservice unter der kostenlosen Rufnummer 0800-160 0 170. Unsere Kollegen helfen Ihnen gerne fachmännisch weiter. Beste Grüße, Ihr Team von DIE 32

Julius /

06. März 2017

Implantat

Interessanter Artikel. Meine Mutter hat gerade eine Schiene (oder hat man das Brücke genannt?). Jedoch scheint es nicht wirklich zu helfen und eher provisorischer Natur. Sie muss ein Implantat "einpflanzen", dass sei nämlich die einzige Lösung, die helfen kann. Ich werde aber noch mal mit einem Kieferorthopäden sprechen. Jedoch kenne ich grade keinen, da meiner vor Kurzem in Rente gegangen ist.

Abudi /

05. Dezember 2017

Kosten: Verschiebung Weisheitszähne

Hallo, Könnte ein ungefährer Richtwert für die Kosten angegeben werden für das verschieben der Weisheitszähne (mit Spange oder chirugisch) ?

Die32 /

05. Dezember 2017

Kosten: Verschiebung Weisheitszähne

Guten Morgen Abudi, vielen Dank für Ihre Nachricht. Leider können wir Ihnen zu den Kosten keine Angaben machen. Diese müssten Sie direkt bei dem jeweiligen Kieferorthopäden anfragen, bei dem Sie die Behandlung durchführen lassen möchten. Viele liebe Grüße, Ihre Redaktion vom Online Magazin Die32

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