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Behandlung

Wenn der Zahnarzt zum Hausbesuch kommt

Es ist keine neue Erkenntnis, dass durch den demographischen Wandel die deutsche Bevölkerung zunehmend älter wird. Das hat massive Auswirkungen auf unsere Sozial- und Gesundheitssysteme, denn wer nicht nur alt, sondern zusätzlich etwa gehbehindert, pflegebedürftig oder bettlägerig ist, ist bei der medizinischen Versorgung und Betreuung darauf angewiesen, zu Hause oder im Pflegeheim besucht zu werden. Doch während Hausbesuche von Allgemeinmedizinern, Physiotherapeuten oder Podologen schon seit Jahren etabliert sind, ist ein Hausbesuch vom Zahnarzt eher noch die Ausnahme denn die Regel.

Seit dem 1. April 2013 gilt in Deutschland eine Änderung des Vergütungssystems für Ärzte und Zahnärzte, durch das Hausbesuche deutlich besser honoriert werden. Für gesetzlich versicherte Patienten übernimmt die zuständige Krankenkasse die Kosten für die Behandlung und die Anfahrt des Arztes, sofern ein Pflegegrad nachgewiesen oder Eingliederungshilfe gewährt wird. Auch Patienten, die in ihrer Alltagskompetenz dauerhaft eingeschränkt sind (beispielsweise Demenzkranke oder Menschen mit psychischen Erkrankungen) erhalten die Kosten für den Hausbesuch vom Zahnarzt von ihrer Krankenkasse erstattet.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Patient tatsächlich zu Hause oder in einem Pflegeheim behandelt wird: Die „aufsuchende zahnmedizinische Betreuung“ wird generell von den Krankenkassen übernommen. Wer jedoch eine private Krankenversicherung abgeschlossen hat, sollte sich zunächst beim Versicherer erkundigen, denn einige Tarife begrenzen Leistungen für Hausbesuche oder schließen sie ganz aus.

Der Bedarf wächst rasant

Immer mehr Zahnärzte bieten neben der Behandlung in der Zahnarztpraxis auch Hausbesuche an, denn die Zahngesundheit spielt auch bei der Entstehung oder Vermeidung von anderen Erkrankungen eine wichtige Rolle. Neben bettlägerigen oder anderweitig in ihrer Mobilität eingeschränkten Patienten sind es auch Angstpatienten, die von einem Hausbesuch ihres Zahnarztes profitieren. Sie haben aufgrund von stark ausgeprägter Zahnarztangst oftmals seit Jahren keine Zahnarztpraxis mehr besucht und wenden sich meist erst dann an einen Zahnarzt, wenn starke Schmerzen oder erhebliche funktionelle Einschränkungen den Alltag und das Wohlbefinden massiv beeinträchtigen.

Zahnärzte, die Hausbesuche anbieten, können beim Patienten daheim viele Behandlungen durchführen, aber nicht alle. Bohren, Füllungen oder die Präparation für Kronen oder Brücken sind kein Problem, ebenso Parodontose-Behandlungen. Auch Korrekturen oder Reparaturen von Prothesen lassen sich meist bei einem Hausbesuch vornehmen oder zumindest einleiten. Eine Wurzelbehandlung oder chirurgische Eingriffe sind jedoch auch in Zukunft nur in einer Praxis oder Klinik möglich, da nur dort die erforderlichen hygienischen Standards gewährleistet werden können. Übrigens dürfen nur niedergelassene Zahnärzte mit eigener Praxis Hausbesuche als zusätzliche Leistung anbieten, das schreibt die Berufsordnung vor. 

Patienten in Pflegeheimen profitieren besonders vom Hausbesuch

Grundsätzlich steigt der Bedarf nach einer flächendeckenden mobilen Versorgung weiter an. Denn durch die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung erhöht sich auch der Anteil der Menschen, die im Alter in einem Pflegeheim oder einer ähnlichen Einrichtung leben. Um sicherzustellen, dass nach einem Umzug die Zahngesundheit nicht leidet, ist ein Hausbesuch vom Zahnarzt oft die einzige Option. Daher plant das Bundesgesundheitsministerium hier eine Regelung, mit der die zahnmedizinische Versorgung in Pflegeheimen weiter verbessert werden soll – etwa indem die Einrichtungen mit örtlichen Zahnärzten Rahmenverträge für die Behandlung abschließen können.

Zahnärzte, die Hausbesuche anbieten, müssen dafür jedoch technisch aufrüsten und zusätzlich in mobile Behandlungseinheiten investieren. Diese sind nicht größer als ein kleiner Reisekoffer und passen in jeden Kofferraum, bieten aber dennoch alles, was für eine Untersuchung und Behandlung erforderlich ist: Kompressor, Bohrer, Absauger, Ultraschall, sogar ein mobiles Röntgengerät. Dazu kommen medizinisches Besteck, Tupfer, Medikamente und andere Utensilien.

Da die Kosten für eine solche mobile Behandlungseinheit vom Zahnarzt selber getragen werden müssen, bietet nicht jede Praxis Hausbesuche an. Zudem besteht keine gesetzliche Verpflichtung, Hausbesuche vom Zahnarzt sind also immer eine freiwillige Leistung der Praxis, die vielfach mit einem hohen persönlichen Engagement des Zahnarztes verbunden ist. Interessierte Patienten, Pflegekräfte oder Angehörige sollten sich daher zunächst in der Praxis erkundigen, ob die Möglichkeit einer aufsuchenden zahnmedizinischen Betreuung angeboten wird. Ist das nicht der Fall, hilft die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung weiter, die eine Liste mit Praxen und Telefonnummern zur Verfügung stellen kann. Dort sind alle Zahnärzte in der jeweiligen Region aufgelistet, die Hausbesuche anbieten.


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