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Zahntechnik , Wissenswertes

Handwerker und Künstler: Wie wird man Zahntechniker?

Der Zahntechniker stellt in seiner Werkstatt bzw. im Labor Zahnersatz aller Art her. Nach den Vorgaben des Zahnarztes  fertigt er auf Kronen, Stiftkronen und Brücken, Teil- und Vollprothesen, Inlays und individuelle kieferorthopädische Apparate (etwa Anti-Schnarch-Schienen oder Aufbissschienen) an. Als konkrete Vorlagen nutzt der Zahntechniker die Abdrücke bzw. die virtuellen Modelle des Patienten, die der Zahnarzt entweder mit Abdruckmasse oder durch Scannen des Gebisses ermittelt hat.

Zahntechniker (auch: Zahnprothetiker) ist ein nach der deutschen Handwerksordnung anerkannter Ausbildungsberuf. Unter den medizinisch-technischen Berufen gilt er als einer der interessantesten, als filigranes Handwerk stellt er jedoch auch hohe Anforderungen. Zahntechniker brauchen eine ruhige Hand und einen sicheren Blick, zudem hervorragendes ästhetisches Empfinden, Kreativität, technisches Verständnis und viel Geduld.

Weil schöne Zähne ein Statussymbol sind und die Menschen immer älter werden, hat der Zahntechnikerberuf auch im Jahr 2014 definitiv eine sichere Zukunft. Manche Azubis haben sich für diesen Berufsweg entschieden, weil sie vor allem dessen technische Seite fasziniert, andere kamen über ihre künstlerische Ader dazu, etwa durch die Freude am Formen und Modellieren, am Gestalten und am kreativen Umgang mit Farben und Materialien.

Die Zahntechniker-Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre; wer Abitur hat, kann mit einer Ausbildungszeitverkürzung auf drei Jahre rechnen. Die Labore, in denen Zahntechniker arbeiten, sind hierzulande häufig im Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen e. V. (VDZI) organisiert. Außerdem gibt es den FVZL (Freier Verband Zahntechnischer Laboratorien) und weitere, teils internationale Zusammenschlüsse zahntechnischer Unternehmen und Labore.

Was ein Zahntechniker verdient, richtet sich in der Regel nach den Empfehlungen der Zahntechniker-Innung. Es gibt keinen berufsgebundenen Tarifvertrag, aber viele Zahntechniker sind in der tariffähigen Gewerkschaft IG Metall organisiert.

Traditionelles Handwerk und modernste Technik

Jeder angehende Zahntechniker sollte sowohl zur Technik als auch zum Handwerk eine Neigung haben. Im Labor wird auch im 21. Jahrhundert mit den Händen gearbeitet, und oft wird das Werkstück mit der Lupe kontrolliert, denn höchste Konzentration und Präzision sind Pflicht. Beim Herstellen von Wachsmodellationen, etwa für Kronen, dient die Natur als Vorbild, da der Zahnersatz in der Regel so unauffällig wie möglich sein soll. Je besser die Arbeit des Zahntechnikers ist, desto weniger ist davon später im Mund des Trägers zu erkennen.

In vielen Bereichen wird der Zahntechniker heute von CAD/CAM-Technologien unterstützt. So verblendet er beispielsweise von Fräsrobotern angefertigte Gerüste und Unterbauten schichtweise mit den keramischen Materialen, die später den natürlichen Zahn in Form und Farbe täuschend echt imitieren.

Bereits im Mund eines einzigen Menschen gibt es erstaunlich viele Schleimhaut- und Zahnfarben sowie alters- oder erblich bedingte Farbverläufe. Dazu kommen kleinere Schönheitsfehler und Mängel, die vielen Menschen mit der Zeit ans Herz gewachsen sind, etwa ein leicht schiefer Zahn, ein vergrößerter Zahnzwischenraum oder ein als Kind herausgebrochener „Zacken“. All das kann auf Wunsch beim Zahnersatz berücksichtigt werden. Viele Patienten freuen sich, die vertrauten Lebensspuren und Zeichen ihrer Unverwechselbarkeit auch auf den „Dritten“ wiederzufinden – so fällt es ihnen leichter, die „Dritten“ zu akzeptieren und sich schnell mit dem neuen Zahnersatz anzufreunden.

Geschick, Lernfähigkeit, Interesse an den medizinischen und menschlichen Aspekten der Zahnheilkunde sowie intuitives ästhetisches Empfinden gehören somit zu den Berufsvoraussetzungen des Zahntechnikers. Wer das mitbringt, kann sich bei Informationsveranstaltungen (etwa einem Tag der offenen Tür für Schulabgänger) oder als Praktikant den Alltag der Zahntechniker im Labor ansehen bzw. zukünftige potenzielle Ausbildungsstätten und Arbeitgeber näher kennenlernen.

Das Praktikum ist, wie schon der Name sagt, besonders praxisbezogen und daher zur Orientierung bestens geeignet. Nacharbeiten, Kundentelefonate, Verwaltung und betriebswirtschaftliche Überlegungen gehören ebenfalls zum Berufsalltag vieler Zahntechniker. Bei der Erledigung der täglichen Aufgaben sind Geduld, Phantasie, selbstständiges Arbeiten, Kommunikationsbereitschaft und Nervenstärke gefordert.

Wie sieht der Arbeitstag eines Zahntechnikers aus?

Normalerweise prüfen Labore morgens, welche Arbeiten von den Zahnarztpraxen in Auftrag gegeben wurden, und verteilen die Aufträge an ihre Mitarbeiter. Was genau der Zahntechniker gerade macht, hängt also von der Auftragslage ab; es sind ganz unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen, die auch unterschiedlich lange dauern.

Nach der vom Zahnarzt hergestellten Abformung (=  Negativform) der Patientenzähne fertigt der Zahntechniker aus speziellen Hartgipsen sein Arbeitsmodell (= Positivform) an. Dieses dient ihm als Grundlage für alle weiteren Arbeiten. Wachsmodellationen für Kronen können nach dem Modellieren in Dental-Legierungen gegossen werden. Für Klammerprothesen wird eine Basis aus Modellguss – Legierung hergestellt, auf die dann an den richtigen Stellen Zähne aus Kunststoff oder Keramik gesetzt werden.

Zahntechniker reparieren auch zerbrochene Prothesen, ersetzen beschädigte oder verlorengegangene Teile vom Zahnersatz und stellen Apparaturen für kieferorthopädische Zwecke her, etwa Kinderzahnspangen oder Korrekturschienen für Erwachsene.

Wie abwechslungsreich bzw. vorhersehbar der Alltag wird, ist auch von der Größe des Labors abhängig: In kleineren Dentallaboren sind die Mitarbeiter meist „Allrounder“, also erfahren in allen Bereichen – so kann jeder machen, was immer gerade ansteht oder neu hereinkommt.

In großen Laboren bzw. zahntechnischen Produktionsstätten sind die Mitarbeiter verschiedener Abteilungen auf bestimmte Arbeitsschritte spezialisiert, wobei Azubis während der Ausbildung normalerweise alle Abteilungen durchlaufen (Jobrotation).

Wie können sich Zahntechniker spezialisieren?

Nach der Gesellenprüfung stehen dem frischgebackenen Zahntechniker viele Fortbildungs-, Spezialisierungs- und Karrieremöglichkeiten offen. So kann er sich beispielsweise als Kronen und Brückentechniker oder Experte für Modellguss (Keramik, Kunststoff und Metall) qualifizieren oder die Implantologie oder Kieferorthopädie als Schwerpunktbereich wählen.

Ein Geselle, der schon ein wenig Berufserfahrung hat, kann an einer entsprechend spezialisierten Fachhochschule, die mit der Innung zusammenarbeitet, Dentaltechnologie studieren. Um als Freiberufler bzw. selbstständiger Unternehmer ein neues Labor zu gründen, muss er die zusätzliche Ausbildung zum Zahntechniker-Meister absolvieren und die Meisterprüfung bestehen. Diese ist auch empfehlenswert wenn ein neues Labor übernommen werden soll.

Die letztgenannte Option ist für viele Zahntechnikermeister besonders attraktiv, da sie bei der Existenzgründung mehr Sicherheit bietet und ihnen erlaubt, sich sofort voll auf das Handwerk zu konzentrieren. Von ihrer Expertise profitiert dann ein bereits vorhandener Kundenstamm, die Infrastruktur für das Labor muss nicht erst durch kostspielige Akquise- und PR-Maßnahmen geschaffen werden.


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