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15. Februar 2016 / 0 Kommentare

Zahntechnik

Funktionsdiagnostik bei Funktionsstörung des Kiefergelenkes

Funktionsstörungen der Kiefergelenke werden unter dem medizinischen Begriff CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) zusammengefasst. Umgangssprachlich werden sie auch als „Kiefergelenkstörung“ oder „CMD-Syndrom“ bezeichnet. Je nach Ausprägung können sie lästig, unangenehm oder sehr schmerzhaft sein.

Außerdem kann CMD die allgemeine Gesundheit beeinträchtigen und zu Begleiterscheinungen und Folgebeschwerden an anderen Teilen des Körpers führen. Zu den häufigsten gehören Kopfschmerzen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, Rückenschmerzen sowie Augen- und Ohrenbeschwerden (z. B. Sehstörungen, Schwindel, Tinnitus).

Um die Ursache der Dysfunktion zu ermitteln und die richtige Therapie für die Kiefergelenksbeschwerden auszuwählen, stehen dem Zahnarzt oder Kieferorthopäden verschiedene Methoden der Funktionsanalyse und Funktionsdiagnostik zur Verfügung. Zuerst müssen die Gründe gefunden werden, dann kann die Behandlung auf den gewonnenen Erkenntnissen aufbauen.

Funktionsdiagnostik wird übrigens auch häufig vor Zahnbehandlungen durchgeführt, etwa wenn ein größerer Zahnersatz oder kieferorthopädischer Eingriff notwendig sind oder eine komplexe Sanierung bzw. Restauration des Gebisses geplant ist.

Instrumentelle und manuelle Funktionsanalyse

Im Rahmen der Funktionsdiagnostik befragt der Arzt den Patienten zu seinenSymptomen und seiner persönlichen Krankengeschichte. Es wird zum Beispiel gefragt, ob sich der Biss stimmig, ob die Zähne schmerzen und ob das Kiefergelenk beim Öffnen und Schließen häufig knackt, knirscht oder sogar „hängenbleibt“. Der Arzt will auch wissen, ob sein Patient nachts mit den Zähnen knirscht und welche möglichen CMD-Begleiterscheinungen er bereits an sich bemerkt hat.

Bei der manuellen Funktionsanalyse und Diagnostik prüft der Arzt mit gezielten Handgriffen und bei speziellen Belastungstests, ob und an welchen Stellen die Struktur der Kauorgane geschädigt ist. Oft werden außerdem Röntgenbilder von Kiefer und Zähnen gemacht, die durch eine MRT (Magnetresonanztomographie) ergänzt werden können, falls der Arzt eine schwerere Erkrankung oder Dysfunktion der Kiefergelenke vermutet.

Zur instrumentellen Funktionsdiagnostik gehören unterschiedliche technische Verfahren, etwa die Vermessung des Kiefers oder die Verwendung eines Simulators, in den ein Modell des Kiefers montiert und so analysiert werden kann. Die Bewegungsbahnen des Unterkiefers lassen sich auch mit der Unterstützung von Computertechnik aufzeichnen und anschließend vom Fachmann auswerten. Die Analyse der Kieferbewegungen wird Axiographie genannt.

CMD vom Spezialisten abklären lassen

Bei einer Axiographie kommen spezielle elektronische bzw. optoelektronische Messgeräte, Computer und Software zum Einsatz. Zur vertiefenden Funktionsdiagnostik können Spezialröntgenaufnahmen und Befunde anderer Fachärzte hinzugezogen werden, z. B. aus dem Bereich der Kardiologie (EKG) oder Orthopädie. Ziel der Funktionsanalyse ist das Ermitteln der bestmöglichen bzw. erstrebenswerten Bissposition und der besten individuellen Therapie für den Patienten.

Diese umfassende und interdisziplinäre Funktionsdiagnostik der Kiefer und Kiefergelenke wird nicht im regulären Studium der Zahnmedizin gelehrt. Doch manche Zahnmediziner oder Kieferorthopäden haben sich mit einer weiterführenden Ausbildung als Spezialisten auf diesem Gebiet qualifiziert und ihre Praxis mit der entsprechenden Technik ausgerüstet. Ihr Zahnarzt kennt die entsprechenden Experten in Ihrer Nähe und kann Ihnen eine Praxis empfehlen, wenn seine nicht über die notwendige Ausrüstung verfügt.

Nach der Funktionsdiagnostik folgt die Therapie

Wenn die angestrebte bzw. therapeutische Bisssituation ermittelt und geplant wurde, kann mit der Therapie begonnen werden. Oft erfordert die Behandlung von CMD das Zusammenarbeiten mehrerer Therapeuten, um auch die Ursachen und Begleiterscheinungen zu therapieren. So helfen beispielsweise Krankengymnasten bzw. Physiotherapeuten mit einer fachkundigen Kiefergelenkbehandlung oder mit Massagen, Bewegungs- und Entspannungsübungen zum Lösen von Muskelverhärtungen und zum Erlernen einer besseren Körperhaltung.

Im Dentallabor und in spezialisierten Praxen kann zudem ein sogenannter Aufbissbehelf angefertigt werden. Das ist allerdings nicht dasselbe wie eine Schnarcher- oder Knirscherschiene. Der Aufbissbehelf simuliert die verbesserte Bisssituation im Mund. Oft bringt er schon nach kurzer Zeit eine spürbare Besserung oder lässt die Beschwerden sogar ganz abklingen. Dann wissen Patient und Therapeuten, dass die Funktionsdiagnostik erfolgreich war und sie auf dem richtigen Weg sind.

Als nächster Schritt wird dann versucht, die therapeutische Bisssituation an den Zähnen dauerhaft umzusetzen. Es geht also darum, Fehlstellungen zu korrigieren sowie Biss und Kieferbewegungen durch Sanierungsmaßnahmen und/oder geeigneten Zahnersatz langfristig zu harmonisieren und damit die Dysfunktion im besten Fall für immer zu heilen.

Bei leichten Kiefergelenksbeschwerden kann der Patient auch ohne den Arzt viel zur Linderung der Symptome tun. Dazu gehören beispielsweise besondere Muskelübungen, der Abbau von Stress durch eine bewusstere und gesündere Lebensweise oder Maßnahmen zur Entlastung und Schonung der Kiefergelenke, z. B. durch den zeitweisen Verzicht auf harte und „anstrengende“ Lebensmittel. Wichtig sind auch der Schlafplatz und die Schlafhaltung – es ist also durchaus sinnvoll, bei Kiefergelenksbeschwerden seine Matratze zu überprüfen und gegebenenfalls auszuwechseln oder sich von einem Schlaf- oder Schlafmöbelspezialisten beraten zu lassen.


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