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04. Februar 2015 / 0 Kommentare

Behandlung, Gesundheit

Für ein Implantat habe ich zu wenig Knochen, was kann man tun?

Implantate sind Zahnersatz mit künstlichen Zahnwurzeln. Diese werden in den Kieferknochen eingepflanzt und wachsen dort im Idealfall so fest an wie vorher die natürlichen Zahnwurzeln. In manchen Fällen ist jedoch zu Beginn der Zahnbehandlung zu wenig Kieferknochen für Implantate vorhanden. Zum Glück muss der Patient dann nicht zwangsläufig auf seine Wunschversorgung verzichten: Die moderne Zahnmedizin kennt verschiedene Wege zum Knochenaufbau, so dass sich das Einsetzen der Implantate bei Kieferknochenschwund lediglich verzögert, aber am Ende trotzdem möglich und auch dauerhaft erfolgreich ist.

Wenn zu wenig Kieferknochen für die Implantate zur Verfügung steht, kann der Zahnarzt ihn durch körpereigenen Knochen oder Knochenersatzmaterial ersetzen. Das neue Knochenmaterial wächst dann an der gewünschten Stelle fest an, umschließt das Implantat sicher und gibt so dem Zahnersatz festen Halt. Je nach individuellem Befund, Zahn- und Knochenstatus werden die Zahnimplantate gemeinsam mit dem Knochenmaterial oder später nach dem ersten Einheilen eingesetzt.

Der Knochenaufbau für Zahnimplantate ist, je nach Umfang der Zahnbehandlung, mit einem oder mehreren chirurgischen Eingriffen verbunden, die für den Patienten jedoch schmerzfrei sind. Vielfach reicht eine örtliche Betäubung aus, nur bei größeren Knochenverpflanzungen ist eine Vollnarkose erforderlich.

Angst vor dem Knochenaufbau braucht indes niemand zu haben: Wer nach dem Eingriff die Ratschläge des Arztes oder Implantologen befolgt, hat die Heil- und Schonzeit rasch überstanden und kann sich schon bald an seinem neuen, stabilen und ästhetischen Zahnersatz erfreuen.

Woher kommt das Knochenmaterial für den Knochenaufbau?

Für den Knochenaufbau (medizinisch: Augmentation) kann eigener Knochen, natürliches oder synthetisches Knochenersatzmaterialverwendet werden. Am besten funktioniert der Knochenaufbau mit eigenem Knochenmaterial, das dem Patienten eigens dafür an einer anderen Stelle entnommen wird – häufig am Kinn oder am sogenannten Kieferwinkel. Bei ausgeprägtem Kieferknochenschwund bzw. wenn viel zu wenig Kieferknochen für Implantate übrig ist, kann auch Knochenmaterial aus dem großen Beckenknochen entnommen werden.

Natürliches Knochenersatzmaterial besteht aus tierischem Knochen und tierischem Bindegewebe, das für die Transplantation entsprechend aufbereitet wird. Alle diesbezüglichen Präparate müssen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) als Medizinprodukte zugelassen sein. Der natürliche Kieferknochenersatz eignet sich zum Auffüllen kleinerer Knochendefekte und wird oft auch mit eigenem Knochenmaterial des Patienten gemischt.

Es gibt in der Zahnheilkunde und Implantologie auch synthetisches, also künstliches Knochenersatzmaterial aus Keramik und sogenannten bioaktiven Gläsern. Sie werden auf der Basis von Kalzium hergestellt, aus dem auch echter Knochen zu einem großen Teil besteht.

Da künstliches Knochenersatzmaterial als Granulat angeboten wird, ist es weniger stabil und daher eher zum Reparieren kleiner Defekte geeignet.

Hat ein Patient zu wenig Kieferknochen für Implantate, entscheiden er und der behandelnde Arzt gemeinsam, welche Art von Knochenmaterial und Kieferknochenaufbau die beste ist. Dazu sind in der Regel mehrere medizinische Untersuchungen, Röntgenaufnahmen und Beratungsgespräche nötig.

Knochenaufbau im Oberkiefer durch Sinuslift

Bietet der Oberkiefer zu wenig Kieferknochen für Implantate, kann dieser Defekt durch Einbringen von Knochenmaterial in die Nasennebenhöhle behoben werden. Dieser Technik wird Sinuslift genannt, da die Nasennebenhöhle medizinisch Sinus maxillaris heißt. Natürlich wird beim Sinuslift nur ein kleiner Teil der Nasennebenhöhle mit Knochenersatzmaterial gefüllt.

Der chirurgische Eingriff beim Sinuslift ist minimal. Der Arzt operiert von der Mundhöhle aus, so dass keine Wunden oder Narben im Gesicht entstehen. Durch die Einlagerung des künstlichen Knochens findet das Implantat den nötigen Halt – Zahnimplantate sollten immer rund 2 mm Knochensubstanz um sich herum haben, um stabil zu sitzen

Knochenaufbau im Unterkiefer mit eigenem Knochen

Wenn im Unterkiefer Knochensubstanz fehlt, ist die Transplantation mit Eigenknochen eine gängige Methode. Aus einer anderen Stelle im Unterkiefer wird hierzu ein ausreichend großes und breites Stück Kieferknochen (ein sogenannter Knochenblock) entnommen und dort befestigt, wo zu wenig Kieferknochen für die Implantate zur Stelle ist. Je nach Befund präpariert der Zahnarzt das entnommene Knochenstück, damit es schneller anwächst und besser durchblutet wird.

Auch hierbei hinterlässt der chirurgische Eingriff keine von außen sichtbaren Narben. Der Zahnarzt oder Implantologe kann in fast allen Fällen die defekte Stelle und auch die Stelle der Knochenentnahme durch Kieferhöhle oder Mundhöhle erreichen. Die Operationsmethode wird auch minimal-invasiv genannt, das bedeutet: mit geringstmöglichem Eingriff.

In allen Fällen gilt: Nach der Operation sollten die Patienten nach Möglichkeit nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. Denn diese Genussmittel haben einen schlechten Einfluss auf die Wundheilung – es kann dann also länger dauern, bis die Zahnimplantate einheilen.


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