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Wissenswertes

Ein- und Ausgliederungshilfen am herausnehmbarer Zahnersatz

Leichteres Herausnehmen und Einsetzen herausnehmbarer Zahnprothesen

Der Mund ist eine sehr empfindsame und private Körperregion. Daher sind auch Zahnprothesen – genau wie die eigenen Zähne – etwas ganz Individuelles und Persönliches, und es ist völlig normal, dass man sich an eine neue herausnehmbare Teil- oder Vollprothese erst einmal gewöhnen muss. Zu den häufigen Anfangsschwierigkeiten, die bei gut sitzendem Zahnersatz in der Regel nach wenigen Wochen überwunden sind, gehören Reizungen der Mundschleimhaut, Druckschmerzen und Probleme beim Essen und Sprechen mit dem Zahnersatz. Auch das Herausnehmen und Einsetzen der Prothese sowie die Reinigung und Pflege der „Dritten“ bedürfen ein wenig Übung, um zur alltäglichen Routine zu werden.

Deutlich schwieriger gestaltet sich der Umgang mit dem neuen Zahnersatz für Prothesenträger mit Behinderungen und Grunderkrankungen, die mit dauerhaften körperlichen, psychischen oder kognitiven Einschränkungen einhergehen. Oft handelt es sich dabei um altersbedingte Beschwerden, Krankheiten und Gebrechen wie Muskel- und Gelenkbeschwerden, Rheuma, Arthritis oder neurologische Störungsbilder (z. B. nach einem Schlaganfall oder bei Alzheimer-Demenz), die die Feinmotorik und Koordination beeinträchtigen und zu Schmerzen beim Bewegen führen. Sie erschweren nicht nur das sichere Greifen der Zahnprothese beim Einsetzen und Herausnehmen, sondern auch das Reinigen des Zahnersatzes, so dass viele Patienten dabei Hilfe brauchen.

Bessere zahnärztliche Betreuung für pflegebedürftige Senioren

Menschen, die an Demenz erkrankt sind, sind häufig nicht mehr in der Lage, ihren Tagesablauf zu planen und die vielen Herausforderungen des Alltags allein zu bewältigen. In Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen gehört das Herausnehmen, Reinigen, richtige Aufbewahren und Wiedereinsetzen von Teil- und Vollprothesen daher zu den Aufgaben des Pflegepersonals. Allerdings kommt es auch hier immer wieder zu Problemen mit Zahnprothesen – unter anderem klagen viele Einrichtungen über Personalmangel, weshalb gerade für die wichtigen kleinen Routinen oft die Zeit fehlt. Dazu kommt, dass die zahnmedizinische Betreuung von Heimbewohnern und Pflegebedürftigen auch in Deutschland noch ausbaufähig ist.

Ein Ansatz zur Verbesserung der Situation ist der Ausbau der mobilen zahnärztlichen Betreuung: Um auch Patienten, die nicht oder nicht mehr aus eigener Kraft zum Zahnarzt in die Praxis kommen können, optimal zu versorgen und zu betreuen, sollen in Zukunft mehr Zahnärzte mit der entsprechenden Behandlungsausrüstung zu ihren Patienten kommen – entweder in Form eines Hausbesuchs oder eines Besuchs in der Pflegeeinrichtung. Das bedeutet nicht nur raschere Hilfe bei akuten Problemen, sondern auch mehr Teilhabe an der zahnärztlichen Prävention. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen – empfohlen wird ein Untersuchungs- und Prophylaxetermin pro Halbjahr – können Prothesen-, Zahn- und Mundprobleme frühzeitig erkannt und an den Ursachen behandelt werden, bevor sie zu schlimmen Beschwerden oder chronischen Erkrankungen führen.

Zahnmediziner, Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden setzen zudem auf mehr Aufklärung über die Risiken, die durch mangelnde Mund- und Prothesenhygiene entstehen. Entsprechende Initiativen oder Kampagnen richten sich – nicht nur in der Seniorenzahnmedizin – an ein breites Publikum bzw. verschiedene Zielgruppen: die Patienten selbst, Ärzte und Praxisteam, Therapeuten, Pflegepersonal und Angehörige in der häuslichen Pflege. Besonders wichtig ist eine bessere Aufklärung über die vielfältigen Zusammenhänge zwischen Prothesenproblemen und Infektionen und die Auswirkungen bestimmter Grunderkrankungen (z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme) oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme auf die Mundgesundheit. Generell wird der Einfluss der Mund- und Zahngesundheit auf die Allgemeingesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität vielfach unterschätzt.

Gewissenhafte Mundhygiene schließt die gründliche und fachgerechte Prothesenreinigung und -pflege mit ein. Kombiniert mit regelmäßiger zahnärztlicher Prophylaxe und dem richtigen Einsetzen, Tragen und Herausnehmen der „Dritten“ im Alltag ist sie die beste Vorbeugung gegen Parodontitis und Prothesenstomatitis und senkt vor allem bei gebrechlichen Senioren und Menschen mit Demenz das Risiko schwerer Erkrankungen (z. B. obstruktive Atemwegserkrankung, Lungenentzündung).

Ausgliederungshilfen an der Prothese erleichtern das Herausnehmen

Viele gebrechliche Patienten haben besonders beim Herausnehmen der Zahnprothese Schwierigkeiten. Denn herausnehmbare Prothesen können allein durch den Anhaft- bzw. Unterdruck zwischen dem Zahnersatz und der Mundschleimhaut sehr fest sitzen, und wegen ihrer glatten Oberflächen und des feuchten Milieus im Mund ist es schwer, mit den Fingern einen sicheren Ansatzpunkt zum Greifen und Halten zu finden. Der gängige Ratschlag, ein Taschentuch oder eine Mullkompresse zu Hilfe zu nehmen, eignet sich nicht für jeden Prothesenträger und auch nicht für jede Prothese.

In diesem Fall können der Zahnarzt bzw. das zahntechnische Labor das Problem mit einer speziellen Nachbesserung entschärfen, also die Prothese ein wenig ändern, damit sie sich leichter herausnehmen lässt. Dazu wird in den Kunststoff der Prothesenbasis ein kleines Metallelement eingearbeitet, das dann als rutschfeste Greifhilfe bzw. Angriffspunkt dient. Möglich ist etwa die Anbringung eines ca. stecknadelkopfgroßen Metallknöpfchens oder einer Art Aufnahme, unter die man den Fingernagel schieben kann. So lassen sich  Prothesen leichter fassen und lösen – eine Option, die nicht nur gebrechlichen Senioren und Patienten mit Greifproblemen den Umgang mit dem Zahnersatz erleichtern kann.

Die kleinen Greifhilfen stören nicht beim Kauen oder Sprechen mit der Zahnprothese und sind so gefertigt und positioniert, dass kein Verletzungsrisiko besteht. Das entsprechende Metallteil kann entweder schon bei der Zahnersatzplanung mit eingeplant und direkt in die neue Prothese integriert oder nachträglich in eine Teil- oder Vollprothese eingebaut werden. Grundsätzlich lassen sich solche Ausgliederungshilfen in jede Prothesenkonstruktion integrieren, z. B. Klammerprothese, klassische Totalprothese oder Kombinationsprothesen. Der Mehraufwand im Labor ist vergleichsweise gering.

Kosten für eine Greifhilfe können von der Krankenkasse übernommen werden

Ob die Krankenkasse die eingeplante Greifhilfe bzw. Nachbesserung der Prothese bezuschusst, hängt wie bei anderen Kassenleistungen von der medizinischen Indikation ab. Der Zahnarzt kennt die Abrechnungshinweise der GKV und die Situation des Patienten und kann im Heil- und Kostenplan begründen, dass bzw. warum das zusätzliche Teil aus medizinischer Sicht notwendig ist. Generell beteiligen sich die Krankenkassen in den meisten Fällen an einer notwendigen und sinnvollen Prothesenänderung oder Nachbesserung, ebenso an einer Reparatur oder Unterfütterung, wenn der Zahnersatz nicht mehr richtig passt.


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