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Gesundheit

Die Weisheitszähne – vier Überbleibsel aus der Steinzeit

Die vier Weisheitszähne oder „Achter“ sitzen ganz hinten im Mund. Sie sind auch die letzten bleibenden Zähne, die beim Menschen wachsen. Zwar sind sie – wie alle anderen Zähne – bereits vor der Geburt im Kiefer angelegt, doch brechen sie meist erst im Erwachsenenalter durch. Darum werden sie auch Weisheitszähne genannt: Wenn alle vier komplett zu sehen sind, verfügt der Besitzer meist schon über eine gewisse Lebenserfahrung.

Das Problem mit den Weisheitszähnen ist: Sie sind nicht mehr zeitgemäß. Bei unseren Vorfahren, beispielsweise dem Neandertaler, war der Kiefer noch anders aufgebaut als beim heutigen modernen Menschen. Außerdem war die Lebenserwartung der Frühmenschen deutlich geringer, und sie hatten noch keine Zahnärzte und Zahntechniker. Damals kamen die Weisheitszähne also oft gerade recht, wenn die vorderen Backenzähne bereits abgenutzt oder ausgefallen waren. Heute stören die vier Überbleibsel aus der Steinzeit oft nur – etwa, wenn sie nicht genug Platz zum Wachsen oder Durchbrechen haben und schon Schmerzen verursachen, bevor sie überhaupt sichtbar werden.

Weisheitszähne werden viel öfter entfernt als behandelt. Bei akuten Problemen oder einer ungünstigen Prognose Problemen kann der Zahnarzt sie entweder ziehen oder herausoperieren. Treten keine Beschwerden auf, können sie auch ein Leben lang dort bleiben, wo sie sind. In manchen Fällen sind sie sogar sehr nützlich: An einem gesunden Weisheitszahn kann eine Zahnbrücke oder Prothese verankert werden. Und wenn der hintere Backenzahn fehlt, ist es möglich, die Lücke durch langsames Vorziehen des Weisheitszahns zu schließen.

Ziehen oder operative Entfernung der Weisheitszähne?

Ein Weisheitszahn kann nur dann gefahrlos gezogen werden, wenn er zumindest so weit durchgebrochen ist, dass der Zahnarzt die Zange sicher ansetzen kann. Auch muss ausreichend Platz vorhanden sein, damit beim Ziehen keine anderen Zähne beschädigt werden. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, wird der problematische Weisheitszahn operativ entfernt.

Zum Herausoperieren von Weisheitszähnen gibt es verschiedene Leitlinien, unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). Röntgentechnik und moderne Verfahren der Kieferanalyse und digitalen Gebissabformung ermöglichen schon vor dem Eingriff eine präzise Betrachtung von Zahn und Operationsstelle. Wie der Zahnarzt oder Kieferchirurg letztlich vorgeht, ist vom individuellen Befund und den Beschwerden des Patienten abhängig.

Durch das Ziehen oder Herausoperieren eines Weisheitszahns entsteht eine Wunde, die verheilen muss. Nach einem chirurgischen Eingriff und oft auch nach dem Ziehen eines großen Weisheitszahnes (vor allem im Unterkiefer) wird die Wunde vernäht, um die Heilung zu beschleunigen und das Eindringen von Bakterien zu verhindern. Sowohl das Zahnziehen als auch die Weisheitszahn-OP können unter örtlicher Betäubung, im sogenannten Dämmerschlaf oder unter Vollnarkose erfolgen – je nachdem, welche Komplikationen zu erwarten sind und wie viele Weisheitszähne entfernt werden. Auch die Wünsche des Patienten werden dabei so weit wie nur möglich berücksichtigt.

Schmerzen beim Wachstum der Weisheitszähne

Oft reicht der Platz im Kiefer für die Weisheitszähne nicht aus. In der Folge können sie unvollständig oder in Schräglage durchbrechen oder ganz im Knochen steckenbleiben. Oft bereitet dann jeder Wachstumsschub Schmerzen, da der Zahn auf den Kiefer, auf die Nachbarzähne oder auf einen Nerv drückt. Die Schmerzen müssen dabei nicht auf die entsprechenden Stellen im Mund bzw. Kiefer beschränkt sein, sondern können entlang der Nervenbahnen ausstrahlen. So kann ein beengter oder verkanteter Weisheitszahn bei einem Wachstumsschub starke Schmerzen an der Stirn oder Schläfe auslösen.

Ein weiteres Risiko bei beengten Kieferverhältnissen ist, dass der Weisheitszahn beim Durchbrechen seine Nachbarzähne verschiebt. Daraus resultierende Fehlstellungen können weitere Beschwerden verursachen und wirken sich ungünstig auf den Biss aus. Selbst wenn der Weisheitszahn gerade noch Platz hinter dem letzten Backenzahn findet, kann es schwierig werden, die sehr engen Zahnzwischenräume in diesem Gebiet richtig zu reinigen. In diesem Fall kann der Zahnarzt dazu raten, den Weisheitszahn zu ziehen, damit sich in dieser Ecke nicht Bakterien einnisten und von dort aus im ganzen Mundraum verbreiten.


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