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Wissenswertes

Die Titelflut auf Praxisschildern bei Zahnärzten – Welche Abkürzung steht wofür?

Jeder Patient hat den Anspruch und das Recht auf eine optimale und individuell an die eigene Situation angepasste Behandlung – beim Allgemeinmediziner ebenso wie beim Zahnarzt. Doch gerade in der Zahnmedizin gibt es eine Vielzahl von Titeln, die ein Zahnarzt erwerben und führen kann – wodurch sich jedoch die Transparenz nicht unbedingt erhöht. Denn nicht jeder Titel gibt wirklich Auskunft über die Kompetenzen und Erfahrungen des Behandlers.

Ohne Studium wird niemand Zahnarzt

Die zahnärztliche Ausbildung ist in Deutschland an ein Hochschulstudium der Zahnheilkunde gebunden, mit einer Regelstudienzeit von 11 Semestern (5,5 Jahre). Im Anschluss an das Studium müssen die Absolventen im Rahmen des Staatsexamens mehrere Prüfungen absolvieren und können danach ihren Antrag auf Approbation, also die Zulassung als praktizierender Zahnarzt, stellen. Damit ist sichergestellt, dass alle in Deutschland ausgebildeten Zahnärzte eine umfangreiche theoretische und praktische Ausbildung absolviert haben.

Nicht jeder Arzt ist Doktor

Damit erklärt sich auch, warum bisweilen anstelle einer regelrechten Titelflut auf Praxisschildern nur der Name des Zahnarztes aufgedruckt ist, denn die Qualifikation „Zahnarzt“ wird mit dem Ablegen des Staatsexamens erworben. Zahnärzte, die nicht bereits unmittelbar nach dem Studium praktizieren wollen, können an einer Hochschule promovieren, also wissenschaftliche Forschungsarbeit leisten und damit den akademischen Titel „Doktor der Zahnmedizin“ (Dr. med. dent.) erwerben. Der alleine sagt jedoch nichts über die Qualitäten und Qualifikationen als praktizierender Zahnarzt aus, auch ohne Doktortitel ist jeder Zahnarzt ein gut ausgebildeter Spezialist.

Übrigens: Wenn sich in einer Praxis mehrere promovierte Mediziner niederlassen, wird dieses auf dem Praxisschild oft in der Mehrzahl als „Dres“ bezeichnet – vom lateinischen „doctores“.

Nicht jeder vermeintliche Titel ist auch wirklich einer

Manchmal bezeichnen sich Zahnärzte auf ihrem Praxisschild als„Spezialist“, „Implantologe“ oder „Parodontologe“, was zwar auf den ersten Blick gut klingt, bei näherem Hinsehen jedoch keinen sicheren Aufschluss darüber gibt, wie sehr sich dieser Zahnarzt von seinen Kollegen unterscheidet. Denn diese Begriffe unterliegen keinem besonderen Schutz, jeder approbierte Zahnarzt darf mit ihnen werben.

Fortbildungen – damit das Wissen nicht einstaubt

Damit das auch nach Jahren und Jahrzehnten der beruflichen Praxis so bleibt, schreiben die Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer und die Berufsordnungen der Landeszahnärztekammern eine generelle Fortbildungsverpflichtung für Zahnärzte vor. Ein Vertragszahnarzt mit einer Zulassung der kassenzahnärztlichen Vereinigung muss alle fünf Jahre nachweisen, dass er sich ausreichend fortgebildet hat. Die Fortbildungen müssen durch Zertifikate der Kammern der Zahnärzte oder vergleichbarer Institutionen nachgewiesen werden. Fortbildungsinhalte müssen auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Gebieten Medizin, Zahnmedizin oder Psychotherapie sein und frei von wirtschaftlichen Interessen sein.

Curricula und Master

Eine andere Art von Fortbildungen sind Curricula, die ihren Absolventen bisweilen eine zusätzliche Titelflut auf Praxisschildern bescheren. Hierbei handelt es sich um Studienfächer, die von einer Hochschule angeboten werden und deren Inhalt, Umfang und Praxisrelevanz nicht in jedem Fall für Patienten oder Krankenkassen klar erkennbar ist. Anbieter können ebenso eine Fachgesellschaft wie ein Wirtschaftsunternehmen sein. Patienten, die sicher gehen wollen, sollten auf der Titelflut auf Praxisschildern auf „DGParo-Spezialist für Parodontologie“ oder „Spezialisten für Endodontologie der DGET“ (Deutsche Gesellschaft für Endotologie und zahnärztliche Traumatologie e. V.) achten – diese sind geschützt und haben klare Regeln für die Verleihung des Titel aufgestellt.

Im Rahmen eines Postgraduiertenstudiums können Zahnärzte an einer Hochschule oder Universität den akademischen Titel Master of Science (M. Sc.) erwerben, etwa den seit 2004 angebotenen Master of Oral Medicine in Implantology der Universität Münster. Die Regelstudienzeit für ein Master-Studium beträgt vier Semester, um den Titel zu erwerben, muss der Zahnarzt eine wissenschaftliche Arbeit verfassen. Bei der Master-Ausbildung kommen kontinuierliche neue Studiengänge hinzu, so dass sich rein aus einem solchen Titel wenig über die Qualifikation des Zahnarztes ableiten lässt.


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