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Gesundheit

Chronische Nierenerkrankungen und Mundgesundheit

Viele chronische Erkrankungen stehen in engem Zusammenhang mit den Zähnen und der allgemeinen Mundgesundheit. Das betrifft unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Zahlreiche Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass Parodontitis bzw. parodontale Erkrankungen die Nieren belasten und bei Patienten mit einer bereits bestehenden Nierenerkrankung oder Niereninsuffizienz zu einer Verschlechterung der Nierenwerte führen können. Umgekehrt konnte beobachtet werden, dass sich die Nierenwerte nach einer erfolgreichen Parodontaltherapie verbesserten.

Grundsätzlich sind Menschen mit chronischen Nierenerkrankungen anfälliger für Karies und Parodontitis, also akute und chronische Entzündungen des Zahnfleischs und Zahnhalteapparats. Betroffene sollten also besonders gewissenhaft auf die Mundhygiene achten und regelmäßig zu den zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen gehen. Stellt der Zahnarzt Karies oder eine parodontale Entzündung fest, sollte diese umgehend behandelt werden.

Parodontitis gehört heute zu den Volksleiden

Viele Menschen leiden unter chronischer Parodontitis, ohne es zu wissen. Wie Karies wird auch diese Erkrankung durch Bakterien ausgelöst. Wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, führt sie zu fortschreitendem Rückgang des Zahnfleischs, zu Substanzverlusten an Zähnen und Kieferknochen und im schlimmsten Fall zu Zahnlockerung und Zahnausfall. Eins der Frühwarnzeichen für Parodontalerkrankungen ist häufiges Zahnfleischbluten, etwa beim Kauen oder beim Zähneputzen. Um Parodontitis zu heilen, müssen die Bakterien entfernt und das Entzündungsgeschehen zum Stillstand gebracht werden.

Auch chronische Nierenerkrankungen sind weiter verbreitet, als viele ahnen. Schätzungsweise sind zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Die Niere nimmt viele wichtige Aufgaben im Stoffwechsel und im Hormonhaushalt wahr. Unter anderem filtert sie den Urin und stellt sicher, dass schädliche Stoffwechselprodukte über die Blase ausgeschieden werden. Störungen der Nierenfunktion beinträchtigen sowohl das Säure-Basen-Gleichgewicht als auch den Elektrolythaushalt und die Flüssigkeitsbilanz des Organismus. Wird der Urin nicht richtig gefiltert, führt das außerdem zur vermehrten Ausscheidung wichtiger Substanzen und gleichzeitig zum Rückhalt toxischer Abbau- und Endprodukte des Stoffwechselgeschehens.

Wie Nierenkrankheiten die Mundgesundheit beeinflussen

Wer unter einer Nierenerkrankung leidet, sollte das seinem Zahnarzt unbedingt mitteilen, damit er es sowohl bei der Prophylaxe als auch bei Zahnbehandlungen berücksichtigen kann. Eine Grunderkrankung der Nieren kann auf verschiedene Arten die Mundgesundheit beeinträchtigen. So leiden Betroffene durch den gestörten Flüssigkeitshaushalt häufiger unter mangelndem Speichelfluss und Mundtrockenheit. Das schränkt die Selbstreinigungskräfte im Mundbereich ein und macht Zähne, Zahnfleisch und Mundschleimhaut anfälliger für Bakterien, die Karies und Parodontitis auslösen.

Auch die Immunabwehr und die Durchblutung stehen in engem Zusammenhang mit der Nierenfunktion. Das bedeutet: Der Körper produziert weniger Abwehrzellen, kann sie schlechter transportieren und hat daher weniger Kraft, um Entzündungen zu bekämpfen. An schlecht durchblutetem Zahnfleisch und an Zähnen, die nicht ausreichend vom Speichel umspült werden, können sich Bakterien leichter festsetzen. Um täglich Entzündungen vorzubeugen, empfiehlt sich eine gründliche, regelmäßige und schonende Zahnreinigung, gegebenenfalls ergänzt durch spezielle Mundspülungen oder medizinische Produkte, die den Speichelfluss und das biologische Gleichgewicht der Mundschleimhaut fördern.

Bei Dialysepatienten und Menschen mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz besteht zudem das Risiko einer Knochenentkalkung, von der auch die Kieferknochen betroffen sein können. Die Entkalkung der Knochen wird bedingt durch die vermehrte Ausscheidung von Kalzium und den mangelnden Abbau von Phosphat. Das wirkt sich auf die Funktion der Nebenschilddrüse aus, denn sie bildet das Hormon Parathormon (Nebenschilddrüsenhormon), das für die Regulierung des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich ist. Wird zu viel Kalzium über den Urin ausgeschieden, kommt es zur Überproduktion dieses Hormons (Hyperparathyreoidismus) und in der Folge zu einer Entkalkung bzw. Demineralisation der Knochensubstanz.

Als Nierenpatient unbedingt regelmäßig zum Zahnarzt

Um die Zahn- und Mundgesundheit bestmöglich zu erhalten und Parodontalerkrankungen vorzubeugen bzw. effizient zu therapieren, sollten Patienten mit Nierenkrankheiten regelmäßig zur zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung gehen – idealerweise zwei- bis dreimal pro Jahr. Der Zahnarzt sollte außerdem den Krankheitsstatus bzw. die aktuellen Nierenwerte kennen, wenn eine Zahnbehandlung ansteht.


Besonders wichtig sind diese Informationen und eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient bei chronischen Nierenproblemen oder fortgeschrittener Niereninsuffizienz. Denn der Zahnarzt muss das erhöhte Infektionsrisiko, die schlechtere Durchblutung und eventuell auch schlechtere Blutgerinnung berücksichtigen – vor allem bei umfangreicheren Sanierungen und chirurgischen Eingriffen, etwa dem Zahnziehen, dem Setzen eines Implantats oder einer Wurzelbehandlung bzw. Wurzelspitzenresektion.

Nur wenn der Zahnarzt über die chronische Nierenerkrankung Bescheid weiß, kann er die Prophylaxe und Therapie individuell planen und sicher durchführen. Dazu gehören beispielsweise das Verschreiben von Antibiotika, um Infektionen zu verhindern, und das Abstimmen der Medikamentendosis und -art auf andere Arzneimittel, die der Patient bereits regelmäßig einnimmt. Jede zusätzliche Belastung der Niere muss gut abgewogen werden – dabei kann es auch sinnvoll sein, wenn der Zahnarzt mit weiteren behandelnden Ärzten, etwa dem Hausarzt, Internisten oder Nephrologen, vor der anstehenden Behandlung Rücksprache hält.


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