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30. November 2015 / 0 Kommentare

Behandlung

Betäubung und Anästhesie – Ohne Angst zum Zahnarzt – die richtige Betäubung hilft

Viele Menschen haben Angst vorm Zahnarzt. Manche fürchten vor allem mögliche Schmerzen während der Behandlung, andere den Würgereiz beim Gebissabdruck oder das Geräusch des Bohrers. Und nicht wenige haben gerade vor der Betäubungsspritze, die eine schmerzfreie Behandlung ermöglichen soll, die allergrößte Angst.

Zum Glück gibt es mittlerweile viele sichere Methoden der Betäubung und Anästhesie beim Zahnarzt. Alternativen zur Spritze bieten längst nicht nur Praxen an, die sich auf Angstpatienten spezialisiert haben. Und wie bei vielen Ängsten gilt auch bei der Zahnarztangst: Je besser man weiß, was einen erwartet, desto eher gelingt es, seine Furcht zu überwinden und die fällige Behandlung angst- und schmerzfrei zu überstehen.

Welche Betäubung bzw. Anästhesie die beste ist, hängt zu einem guten Teil vom Befund bzw. von der geplanten Behandlung ab. So gibt es Betäubungsverfahren, die sich vor allem für den Oberkiefer bewährt haben, und andere, die sich besser für Unterkieferbehandlungen eignen. Es können auch mehrere Betäubungsverfahren kombiniert werden, um Zahnbehandlungen so stressfrei und entspannt wie möglich zu gestalten.

Sowohl bei der Lokalanästhesie als auch auf dem Gebiet der Vollnarkose hat die Medizin erhebliche Fortschritte gemacht. Neben der Erforschung und Entwicklung neuer Mittel und Methoden setzen Ärzte und Wissenschaftler zudem auf die zeitgemäße Verwendung bewährter Betäubungsverfahren wie Lachgas oder alternative Anästhesiekonzepte wie Hypnose, die auch ergänzend eingesetzt werden können.

Wer Angst vor Zahnbehandlungen, vor dem Zahnarzt, vor Spritzen oder Schmerzen hat, sollte das auf jedem Fall dem Arzt seines Vertrauens mitteilen. Dann können beide für die anstehende Behandlung gemeinsam überlegen, welche Betäubung am wenigsten Stress bedeutet und gleichzeitig für das behandlungsziel am förderlichsten ist. Im Folgenden werden verschiedene gängige Verfahren zur Betäubung und Anästhesie beim Zahnarzt näher vorgestellt.

Kälteanästhesie und Oberflächenanästhesie

Diese Betäubungsverfahren machen einen kleinen bzw. oberflächlichen Bereich für kurze Zeit schmerzunempfindlich. Die Oberflächenanästhesie mit einem Betäubungsspray macht die Mundschleimhaut an der entsprechenden stelle z. B. unempfindlich für den Schmerz beim Einstich der Spritze. Für eine Lokalanästhesie (örtliche Betäubung) durch Kälte verwendet der Zahnarzt entweder einen klassischen Eisbeutel oder ein Kältespray. Beide Betäubungsarten sind für kurze und kleine Eingriffe geeignet, etwa das Ziehen eines bereits lockeren Milchzahns oder die Zahnsteinentfernung.

Infiltrationsanästhesie und Leitungsanästhesie

Bei Zahnbehandlungen im Oberkiefer und im oberen Frontzahnbereich ist die Infiltrationsanästhesie das Standardverfahren. Bei dieser Art der Lokalanästhesie wird das Betäubungsmittel direkt dort ins Gewebe gespritzt, wo die Nerven betäubt werden sollen. Der Zahnarzt injiziert es unter die Schleimhaut im Bereich der Wurzelspitze, damit es die empfindlichen Nervenbahnen blockiert und damit den Schmerz zuverlässig ausschaltet.  In der Regel werden der betroffene Zahn und seine beiden Nachbarzähne betäubt.

Für die Betäubung des unteren Seitenzahnbereichs oder größerer Kieferbereiche ist meist die Leitungsanästhesie das betäubungsverfahren der Wahl. Dabei injiziert der Arzt das Anästhetikum in die Nähe der für den entsprechenden Kieferbereich zuständigen Nerven. Wenn die Wirkung einsetzt, wird in vielen Fällen auch ein Teil der Unterlippe und eine Hälfte der Zunge taub.

Betäubung und Anästhesie

Analogsedierung und Dämmerschlaf

Für die Analogsedierung erhält der Patient eine Spritze in den Arm, die das Schmerzempfinden reduziert und für Beruhigung und Wohlbefinden sorgt. Während der Zahnbehandlung ist man dann ganz entspannt und hat keine Angst mehr – manche schlafen ein wenig auf dem Behandlungsstuhl oder träumen vor sich hin. Um den Schmerz sicher abzuschalten, kann der Arzt eine zusätzliche Lokalanästhesie durchführen.

Ähnlich funktioniert die Zahnbehandlung im Dämmerschlaf. Der Patient bekommt eine kleine Tablette oder eine Spritze, die ihn in einen schlafähnlichen Zustand versetzt. In vielen Praxen wird der Übergang noch durch schöne Musik, gedämpftes Licht oder entspannende Bilder erleichtert. Wenn man aufwacht, ist die Behandlung vorbei – und es fühlt sich so an, als habe sie gar nicht stattgefunden.

Vollnarkose

Bei panischer Zahnarztangst oder bei komplizierten, langen Eingriffen bietet sich eine Vollnarkose an. Die kann heute ganz exakt dosiert werden, um unerwünschte Neben- und Nachwirkungen zu verhindern. Trotzdem gehen jeder Vollnarkose entsprechende Voruntersuchungen durch einen erfahrenen Anästhesisten voraus. Unter anderem wird geprüft, ob das Herz-Kreislauf-System stabil genug für eine Vollnarkose ist.

Hypnose

Viele Angstpatienten schwören mittlerweile auf Hypnose, weil sie mit einem Minimum an Schmerzmitteln und Nebenwirkungen angstfreie und tiefentspannte Zahnbehandlungen ermöglicht.

Verschiedenen Studien zufolge sprechen rund 90 Prozent der Bevölkerung auf eine Hypnose an. Völlig schmerzfrei werden dadurch jedoch nur etwa 10 Prozent, so dass die Hypnose für Zahnbehandlungen in aller Regel mit anderen Betäubungsverfahren kombiniert wird. Außerdem gehen der Behandlungshypnose meist eine bis drei Lehrhypnosen voraus, bei denen der Patient üben kann, sich in die angestrebte Trance zu vertiefen.

Betäubung und Anästhesie mit Lachgas

Der wissenschaftliche Name von Lachgas ist Distickstoffmonoxid. Wer es einatmet, fühlt keine Angst mehr und fühlt sich wohlig, warm und leicht. Das Zeitgefühl geht weitgehend verloren, und das Schmerzempfinden ist deutlich reduziert. Moderne Lachgasanästhesie beim Zahnarzt hat mit den Lachgasnarkosen des vorletzten Jahrhunderts nichts mehr zu tun.Allerdings ist die Lachgasbetäubung keine Kassenleistung: Sie kostet pro Stunde rund 100 Euro, die der Patient aus eigener Tasche begleichen muss.

Die Lachgasanästhesie wird heute wieder vermehrt in Zahnarztpraxen angeboten. Über eine Nasenmaske wird zuerst reiner Sauerstoff und dann hochkonzentriertes Lachgas eingeatmet. Schon nach wenigen Atemzügen stellt sich die entspannende und euphorisierende Wirkung ein. Trotzdem bleibt der Patient während der Behandlung bei Bewusstsein und ansprechbar. Lachgas hat den zusätzlichen Vorteil, dass es den Würgereiz aufhebt, der viele Patienten bei der Abdrucknahme mit Silikonmasse quält. So wird ein weiterer Angstfaktor damit ausgeschaltet.


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