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Backenzahn ziehen – so läuft es ab

Zusammengefasst – auf einen Blick:

Wenn es heißt „wir müssen diesen Backenzahn ziehen“, dann ist damit in aller Regel die Extraktion (Entfernung) des Backenzahns ohne Operation gemeint. Zwar ist mit dem Ziehen eines Zahns meist auch die Entfernung von ein wenig Knochenmaterial und Zahnfleisch verbunden, doch bei einer einfachen Zahnextraktion muss der Zahnarzt keinen großen Einschnitt ins Zahnfleisch vornehmen. Und anders als bei einem chirurgischen Eingriff muss nach dem Backenzahnziehen auch die Wunde meist nicht vernäht werden, sondern verschließt sich von selbst und füllt sich nach und nach wieder mit neuem Gewebe.

Die Stelle, an der der Backenzahn saß, kann später mit Zahnersatz versorgt werden, beispielsweise einer Zahnbrücke oder einem Zahnimplantat. In manchen Fällen, z. B. nach einem Unfall, kann der Zahnarzt auch sofort nach dem Extrahieren des Backenzahns eine künstliche Zahnwurzel anstelle der ursprünglichen eigenen einsetzen. Das Implantat wächst nach einigen Monaten fest in den Knochen ein und kann nach der Heilungsphase mit einer künstlichen Zahnkrone, dem Implantataufbau, bestückt werden.

Anders sieht das aus, wenn ein Weisheitszahn gezogen wird. Die Stelle bleibt danach frei, denn Weisheitszähne gelten als Relikte aus der Steinzeit, für die der Kiefer oft gar nicht genug Platz bietet und die für die normale Kaufunktion verzichtbar sind. Darum werden die „Achter“ nach dem Ziehen oder Herausoperieren in aller Regel nicht ersetzt - und ein Gebiss mit 28 statt 32 Zähnen gilt daher als vollständig.

Was genau passiert beim Backenzahnziehen?

Um einen Backenzahn zu ziehen, löst der Zahnarzt zunächst mit speziellen Instrumenten das Zahnfleisch und die Wurzelhaut vom Zahn ab. Das geht schnell und sorgt dafür, dass nicht mehr Material entfernt oder beschädigt wird als nötig. Dann wird der Backenzahn mit der zahnmedizinischen Zange gelockert, damit er beim Herausziehen möglichst nicht zerbricht, und anschließend aus dem Kieferknochen herausgezogen.

Das Lockern des Zahns ist für den Patienten meist deutlicher spürbar als das Zahnziehen selbst, denn die damit verbundenen Zug-, Ruckel- und Kippbewegungen übertragen sich auf den Körper und den Behandlungsstuhl. Auch die Geräusche, die dabei entstehen, werden durch den Kiefer- und Schädelknochen verstärkt und daher sehr deutlich wahrgenommen.

Ist der Backenzahn gezogen, versorgt der Zahnarzt die Wunde mit einem fusselfreien Wattebausch, um sie vor Speichel und den darin enthaltenen Bakterien zu schützen und das Nachbluten zu verhindern. Der Wattetampon fördert außerdem die rasche Bildung eines Blutpfropfs (med. Koagulum), der die Wunde verschließt, so dass keine Keime mehr eindringen können und der Heilungsprozess von Anfang an sauber abläuft. Nach der Zahnentfernung muss der Wattebausch noch eine Weile im Mund bleiben. Auch das Ausüben von Druck durch Daraufbeißen ist empfehlenswert.

Wann muss ein Zahn gezogen werden?

Wenn ein Backenzahn, etwa durch Karies, so stark geschädigt ist, dass er auch durch eine Zahnkrone nicht gerettet werden kann, ist eine Extraktion unvermeidlich. Ebenso können es entzündliche Veränderungen wie Parodontitis oder Gingivitis erforderlich machen, den Backenzahn zu ziehen, wenn er nicht mehr sicher und fest im Kiefer sitzt.

Zudem kann es notwendig sein, einen Backenzahn zu ziehen, wenn im Kiefer nicht genügend Platz vorhanden ist. Das ist vor allem bei den Weisheitszähnen oftmals der Fall, die beim Durchbruch ihre Nachbarzähne beschädigen können.

Auch bestimmte medizinische Eingriffe können eine vorbeugende Zahnextraktion erforderlich machen, etwa eine Chemo- oder Strahlentherapie, eine Organtransplantation oder das Verpflanzen einer künstlichen Herzklappe.

Wie weh tut es, einen Backenzahn zu ziehen?

Das Zahnziehen selbst ist schmerzlos, denn es geschieht immer unter Betäubung. Und die wird vom Arzt genau an den Patienten angepasst. In den allermeisten Fällen reicht eine einfache Lokalanästhesie, also eine Betäubungsspritze. Wer schon den Einstich der Injektionsnadel am liebsten gar nicht spüren möchte oder Angst vor der Spritze hat, sollte seinen Zahnarzt bitten, die Einstichstelle vorher mit einem Spray oder Gel zu betäuben. Viele Zahnarztpraxen bieten mittlerweile auch Lachgas oder eine sogenannte Dämmerschlafnarkose für Angstpatienten an.

Eine Vollnarkose zum Zahnziehen ist fast nie zwingend erforderlich und außerdem nur möglich, wenn auch ein Anästhesist zugegen ist. Jede Narkose ist mit zusätzlichen Risiken verbunden, die sorgfältig bedacht und abgewogen werden sollten. Bei Patienten mit ausgeprägter Zahnarztangst (Zahnarztphobie) übernehmen viele Krankenkassen aber sogar die Kosten für eine Vollnarkose. Dasselbe gilt für behandlungsunwillige Kleinkinder, demente Patienten oder Menschen mit Behinderungen (z. B. spastische Lähmung), bei denen eine Zahnbehandlung nur unter Vollnarkose sicher durchgeführt werden kann. Die Kostenübernahme sollte allerdings schon vor der Behandlung durch den Zahnarzt abgeklärt werden.

Was kostet das Ziehen eines Backenzahns?

Die Kosten für die Entfernung eines Zahnes werden, wenn diese medizinisch notwendig und damit begründet ist, von der gesetzlichen Krankenkasse in voller Höhe übernommen. Das gilt auch für das Ziehen der Weisheitszähne sowie für die damit verbundenen Kosten wie etwa eine Narkose.

Soll die entstandene Lücke im Kiefer durch Zahnersatz geschlossen werden, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen mindestens 50 Prozent der Kosten für die Regelversorgung - wer seit mindestens 5 Jahren regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt im Bonusheft nachweisen kann, erhält einen zusätzlichen Bonus. Im günstigsten Fall übernimmt dann die Krankenkasse 65 Prozent der Kosten für die Regelversorgung. Die Kosten für über die Regelversorgung hinausgehende Leistungen (z. B. die Versorgung mit einem Implantat anstelle einer Brücke) müssen vom Patienten selber aufgebracht werden.

Welche Schmerzen können vor und nach dem Backenzahnziehen auftreten?

Wenn der Zahnarzt dazu rät, einen Backenzahn ziehen zu lassen, tut der wahrscheinlich sowieso schon weh oder macht bereits seit einiger Zeit Probleme. Karies und Entzündungen im Umfeld des Zahns, beispielsweise chronische Parodontitis, eine Zahnwurzelentzündung oder ein Abszess, sind mit teils erheblichen Schmerzen verbunden. Weil das Schmerzempfinden jedoch sehr individuell ist, können Menschen mit dem gleichen Befund den Schmerz sehr unterschiedlich fühlen und auch auf die Behandlung unterschiedlich reagieren.

Grundsätzlich ist damit zu rechnen, dass die Schmerzen, die vom Zahn selbst ausgehen, nach der Zahnentfernung ebenfalls verschwunden sind. Gegen den anfänglichen Wundschmerz an der Extraktionsstelle kann der Zahnarzt Schmerzmittel verschreiben, ebenso ein Heilmittel oder Antibiotikum gegen Entzündungen im Zahnumfeld. Sind einer oder mehrere Nachbarzähne ebenfalls krank oder beschädigt, müssen diese separat behandelt werden. Bis dahin kann auch der Schmerz von einem entzündeten oder kariösen Nachbarzahn den gefühlten Wundschmerz nach dem Backenzahnziehen verstärken – und umgekehrt. 

Das richtige Verhalten nach der Zahnextraktion

Bis die Betäubung vollständig abgeklungen ist, sollte der Patient nichts essen, um Verletzungen beim Kauen (z. B. Beißen in die betäubte Wangenhaut oder Zunge) zu vermeiden. Zudem sollte die Extraktionsstelle weder gespült noch (etwa mit der Zahnbürste) berührt werden. Um die Blutung zu stillen, wird die Wunde im Mund in der Regel mit einer Tamponade aus Zellstoff versorgt. Der Patient sollte daher nach der Extraktion mindestens eine halbe Stunde auf den Zellstoff beißen und so leichten Druck ausüben. Zudem sollte der Kopf hochgelagert werden, bis die Blutung komplett gestillt ist - dann kann auch die Tamponade entfernt werden.

Viele Zahnärzte empfehlen, auf das Zähneputzen an diesem Tag lieber ganz zu verzichten, um den Blutpfropf nicht zu beschädigen oder zu lösen. Er ist sehr wichtig für die problemlose Wundheilung und sollte daher möglichst ganz in Ruhe gelassen, also auch nicht mit der Zunge oder den Fingern „erforscht“ werden. Ebenso sollte auf eine Mundspülung in den ersten Tagen nach der Operation verzichtet werden, um die Wundheilung nicht zu beeinträchtigen.

Gegen die Schwellung und Schmerzen empfiehlt es sich, die betroffene Mundpartie von außen zu kühlen. Am besten mit einem kalten, feuchten Umschlag oder einem Kühlkissen - und nicht länger als etwa 10 Minuten am Stück.

Rauchen und Alkohol sind am Tag der Zahnentfernung tabu. Viele Inhaltsstoffe von Tabakrauch sind für die Durchblutung und damit für die primäre und sekundäre Wundheilung besonders schlecht. Das gilt übrigens auch für den Dampf von Liquids, wie sie bei E-Zigaretten verwendet werden.

Wenn die Wunde genäht wurde, müssen die Fäden etwa nach einer Woche entfernt werden. Der Zahnarzt vereinbart in diesem Fall direkt einen Nachsorgetermin, der unbedingt wahrgenommen werden sollte, um Komplikationen zu vermeiden. Auch sollte der Patient bei länger anhaltenden Schmerzen oder Schwellungen den Zahnarzt aufsuchen.

Wie lange dauert die Wundheilung?

Bei normalem Heilungsverlauf schließt sich die Wunde nach 1-3 Tagen. Nach etwa einer Woche ist meist alles soweit verheilt, dass der Patient wieder normal essen und trinken kann und sich auch beim Zähneputzen oder der täglichen Mundhygiene nicht mehr einschränken muss.

Wann darf ich (wieder) was essen?

Solange die lokale Betäubung noch wirkt, sollte keinerlei Nahrung (auch nicht in flüssiger Form) eingenommen werden. In den ersten drei Tagen, nachdem der Backenzahn gezogen wurde, sollte der Patient nur weiche und nicht zu heiße Kost einnehmen, um die Wundheilung nicht zu stören. Auch besonders scharf gewürzte Speisen sind solange nicht zu empfehlen, bis die Wunde im Mund spürbar abgeheilt ist.

Krankschreibung nach dem Backenzahnziehen?

In den ersten 48 Stunden, nachdem ein Backenzahn gezogen wurde, sollte der Patient keine schweren körperlichen Arbeiten ausführen und auch auf sportliche Aktivitäten verzichten. Die Entscheidung, ob eine Krankschreibung erfolgt, entscheidet der Zahnarzt individuell.

Mehr zum Thema: Krankschreibung nach einem gezogenen Zahn?


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1 Kommentare

Tanja
Dauer der Zahnschmerzen

Guten Abend! Und zwar wurde bei mir gestern ein überkronter Backenzahn, der ein Weisheitszahn war, raus gezogen, aber ich habe immer noch sehr starke Zahnschmerzen an dem Backenzahn und habe erst übermorgen einen Termin bei meiner Zahnärztin zur Kontrolle. Wie lange dauert es bis solche Zahnschmerzen weg sind an der Wunde, wo der Backenzahn gezogen wurde bei mir?

 

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