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08. August 2016 / 0 Kommentare

Behandlung, Gesundheit

Angstfrei von Anfang an – wie Kinder an den Zahnarzt herangeführt werden

Die Angst vor dem Zahnarztbesuch ist in Deutschland so weit verbreitet, dass sie fast schon als normal gilt. So haben viele Kinder beim Zahnarzt Angst, obwohl sie weder schlimme persönliche Erfahrungen mit Zahnschmerzen haben noch eine schmerzhafte Behandlung ansteht.

Die auf den ersten Blick unbegründete Angst vor dem Zahnarztbesuch oder bestimmten Behandlungsmethoden und Instrumenten wird oft von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben. Manchmal geschieht das unbewusst, sozusagen als Spiegelbild und Schatten der eigenen Ängste. Manchmal steckt aber auch ein zweifelhaftes System dahinter: Nicht wenige Eltern drohen ihren Kindern regelrecht mit dem Zahnarzt. Sie erzeugen beängstigende Vorstellungen von Spritzen, Bohrern und Zangen, um das Kind vor den Folgeschäden mangelhafter Mundhygiene zu warnen.

Solche „schwarze Pädagogik“ hat eine lange Tradition, obwohl sie als Methode nachweisbar schlecht funktioniert. Denn was uns planmäßig Angst einjagt, befähigt uns noch lange nicht zu den erwünschten Handlungen. Leider hatten sowohl die Angst als auch das Angstmachen vor dem Zahnarzt viele Generationen lang Zeit, sich zu vermehren und zu etablieren: Bei aktuellen Befragungen gaben rund 35 Prozent der Deutschen an, sehr große Angst vor dem Zahnarztbesuch zu haben.

Viele Befragte haben als Kinder beim Zahnarzt selbst schlechte Erfahrungen gemacht – etwa durch eine schmerzhafte Füllung oder Spritze oder die meist wenig kindgerechte Behandlungsatmosphäre der 1970er und 1980er Jahre. Andere haben die Phobie von ihren Eltern „geerbt“, die sie wiederum aus den Zahnarztpraxen der Kriegs- und Nachkriegsjahre mitbrachten.

Wer aus Angst nicht zum Zahnarzt geht, verschlimmert seine Probleme

Ein flaues Gefühl, eine ungute Vorahnung oder konkrete unangenehme Erwartungen an den Zahnarzttermin sind unter Umständen durchaus erklärbar und verständlich. Zwar ist die eigentliche Zahnbehandlung dank der modernen Beruhigungs- und Betäubungsverfahren (z. B. Vollnarkose, Lachgas oder Hypnose für Angstpatienten) in aller Regel völlig schmerzlos, doch je nach Befund und Prognose kann sie Schmerzen, langwierige Folgebehandlungen und nicht zuletzt hohe Kosten für Zahnersatz nach sich ziehen.

Gute Mundhygiene und Prophylaxe sowie der regelmäßige Gang zur kostenlosen Vorsorgeuntersuchung sind der beste Weg, um Karies, Zahnfleischproblemen, Zahnweh und teuren Zahnbehandlungen von Anfang an aus dem Weg zu gehen. Doch leider neigen gerade Menschen, die an schwerer Zahnarztangst oder Zahnarztphobie leiden, dazu, fällige Behandlungen immer weiter aufzuschieben und bereits vorhandene Zahnprobleme damit zu verschlimmern. Viele stellen wegen der eigenen Angst auch ihre Kinder beim Zahnarzt erst dann vor, wenn diese bereits Zahnschmerzen oder deutlich fortgeschrittene Zahnschäden haben.

Wer heute keine Angst vor dem Zahnarzt hat, braucht später keine zu haben

Um den Teufelskreis der Zahnarztangst zu durchbrechen, werden heute Kinder beim Zahnarzt einfühlsam an die Behandlung herangeführt. Eine kindgerechte Praxisatmosphäre, verständliche Erklärungen und die Möglichkeit, den Zahnarztstuhl und die Instrumente vor der Behandlung genau zu begutachten, lassen Kinder ihre Angst schnell vergessen und ermöglichen eine entspannte Prophylaxe- oder Behandlungssitzung. Um auch den Eltern einen angstfreien Zahnarztbesuch zu ermöglichen, wird bei Bedarf die ganze Familie einfühlsam begleitet, betreut und informiert.

In den ersten Lebensjahren wird der Grundstein für schöne und dauerhaft gesunde Zähne gelegt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder mit einem gesunden Milchgebiss später auch weniger Karies an den bleibenden Zähnen haben. Damit Kinder beim Zahnarzt keine Angst und auch zu Hause Freude an der Zahnpflege und Mundhygiene haben, brauchen sie eine positive und optimistische Einstellung zu ihren Zähnen und ihrer Gesundheit. Das können (und sollten) die Eltern vorleben, indem sie ebenfalls regelmäßig ihre Zähne putzen, die Zahnzwischenräume reinigen und gemeinsam mit den Kindern zweimal pro Jahr zur zahnärztlichen Vorsorge gehen.

Kinderzähne sind anders als Erwachsenenzähne. Der Kinderzahnarzt weiß, welche Putztechnik die beste ist, und kann es im Rahmen der Prophylaxeuntersuchung erklären und zeigen. Steht eine Zahnbehandlung an, z. B. wegen Karies, erklärt der Mediziner einfühlsam, aber stets wahrheitsgemäß, was er als Nächstes tun und warum das helfen wird. Für kleine Patienten mit großen Zahnproblemen oder Kinder, die beim Zahnarzt so viel Angst haben, dass eine normale Behandlung nicht möglich ist, gibt es die Möglichkeit der Zahnbehandlung in Vollnarkose.

Jeder Zahnarzt weiß, dass seine Patienten Angst haben

Nicht nur ein auf die Kinderbehandlung spezialisierter Kinderzahnarzt ist sich der Ängste und Unsicherheiten seiner Patienten bewusst. Sie können also davon ausgehen, dass Ihr Zahnarzt genau weiß, was Sie fürchten und warum. Tatsächlich gibt es sogar viele Zahnärzte, die selbst Angst vor dem Zahnarztbesuch haben oder bedauern, dass sie sich nicht selbst behandeln können. Immerhin spielen sich Zahnbehandlungen im Mund ab, einem der empfindlichsten Bereiche unseres Körpers.

Eine angstfreie Behandlung verläuft üblicherweise störungsfrei und hat daher die besseren Erfolgschancen. Darum ist die Überwindung der Angst vor dem Beginn der Behandlung sowohl für den Arzt als auch für den Patienten erstrebenswert. Viele Zahnmediziner besuchen heute spezielle psychologische Seminare, um zu lernen, wie sie jungen oder älteren Patienten mit unterschiedlichen Techniken und Entspannungsmethoden über ihre Zahnarztangst hinweghelfen können.

Aufgrund ihrer Neugier, ihrer Fantasie und ihrer spontanen Begeisterungsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft kommen Kinder meist rasch über ihre Angst hinweg. Sie lassen sich auch gern von offensichtlich unbegründeten Ängsten ablenken, während Erwachsene dazu neigen, sich daran festzuhalten. Manche großen Praxen bzw. Behandlungszentren beschäftigen darum einen Psychologen, der Angst- und Panikpatienten intensiv auf die Behandlung vorbereitet und ihnen auch währenddessen einfühlsam und professionell zur Seite steht.


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