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Allgemeine Voraussetzungen Kontraindikationen

Welche Voraussetzungen müssen bei Zahnersatz bedacht werden?

Wenn Zahnersatz notwendig ist, führt der Zahnarzt mit seinem Patienten mindestens ein ausführliches Beratungsgespräch. Außerdem nimmt er die sogenannte „Untersuchung auf vorliegende Kontraindikationen“ vor. Dabei muss er sich davon überzeugen, dass der Patient die nötigen Voraussetzungen für die geplante Zahnbehandlung und den entsprechenden Zahnersatz erfüllt.

Kontraindikationen werden auch Gegenanzeigen genannt. Das ist die wörtliche Übersetzung dieses lateinischen Begriffs. Gegenanzeigen sind aktuelle Fakten und Prognosen, die gegen eine Therapiemaßnahme, einen Eingriff oder eine bestimmte Art von Zahnersatz sprechen oder sie ganz ausschließen. Das können akute und chronische Beschwerden sein, eine Grunderkrankung oder auch das Verhalten des Patienten.

Medikamente und Impfungen als Kontraindikationen

Patienten, die unter einer chronischen Grunderkrankung leiden, nehmen häufig auch regelmäßig Medikamente gegen die Krankheit bzw. ihre Symptome ein. Diese Medikamente können das Allgemeinrisiko bei chirurgischen Eingriffen erhöhen und die Heilungschancen verschlechtern. Zu den kritischen Medikamenten gehören etwa das stark entzündungshemmende Kortison sowie Immunsuppressiva, also Medikamente, die die Funktionen des körpereigenen Immunsystems abschwächen oder unterdrücken. Diese werden unter anderem bei schweren Allergien (z. B. allergisches Asthma) verordnet oder von Patienten eingenommen, die ein Spenderorgan tragen.

Auch Medikamente zur Verdünnung des Blutes (z. B. bei Herzerkrankungen) und Zytostatika, wie sie etwa bei einer Chemotherapie eingenommen werden, gelten bei Zahnbehandlungen, die operative Eingriffe erfordern, als Kontraindikationen. Der Zahnarzt kann daher einem Patienten, der solche Medikamente regelmäßig benötigt, von einem Implantat abraten und stattdessen eine klassische Brücke empfehlen. Wer nicht genau weiß, ob seine Medikamente zu den möglichen Kontraindikationen gehören, kann einfach die Packungen zum Zahnarzt mitnehmen oder den Zahnarzt bitten, sich mit dem Haus- oder Facharzt in Verbindung zu setzen.

Impfungen stellen grundsätzlich keine Kontraindikationen dar. Es ist jedoch ratsam, zwischen einer Schutzimpfung und einer Zahnbehandlung eine gewisse Zeit verstreichen zu lassen, damit das Immunsystem die Impfung richtig verarbeiten und sich davon erholen kann. Darum sollten Impftermine und fällige Zahnbehandlungen gut abgestimmt werden. Das gilt vor allem für Schutzimpfungen, die mehrere Spritzen in bestimmten Abständen erfordern, z. B. die Zeckenimpfung (FSME) oder der recht neue Impfschutz gegen Gebärmutterhalskrebs.

Sogenannte Desensibilisierungstherapien, die sich vor allem bei Pollenallergie (Heuschnupfen) bewährt haben, können ebenfalls einige Monate in Anspruch nehmen. Da sie in der Regel während der pollenfreien Wintermonate durchgeführt werden, bieten sich für Betroffene der Frühling oder Herbst für die geplante Zahnbehandlung an.

Bei Voruntersuchungen und Beratungsgesprächen zum Thema Zahnersatz sind Ehrlichkeit und Sorgfalt Pflicht. Wer dem Zahnarzt verschweigt, dass er regelmäßig Medikamente einnimmt, oder falsche Angaben zu deren Art und Dosierung macht, riskiert das Scheitern der geplanten Therapie und teils erhebliche Folgeschäden. Auch über den regelmäßigen Gebrauch von Drogen oder Medikamenten ohne diagnostizierte Grunderkrankung (z. B. Aufputsch-, Beruhigungs- oder Schlafmittel) sollte der Zahnarzt unbedingt informiert werden. Da er wie jeder Arzt der Schweigepflicht untersteht, kann der Patient ihm dabei völlig vertrauen. Die Offenheit dient dem Schutz der eigenen Gesundheit. Dabei muss sich niemand schämen oder gar Angst vor möglicher Strafverfolgung haben.

Voraussetzungen und Kontraindikationen für Zahnimplantate

Implantate werden bei einem chirurgischen Eingriff in den Kieferknochen eingesetzt. Neben den bereits erwähnten Medikamenten zählen hierbei schwere Allgemeinerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechsel- und Knochenkrankheiten zu den Kontraindikationen. Kritisch sind auch vermehrte Blutungsneigung bzw. Störungen der Blutgerinnung (Bluterkrankheit) sowie Diabetes (Zuckerkrankheit). Bei Diabetikern ist es wichtig, dass ihre Krankheit unter Kontrolle bzw. medikamentös gut eingestellt ist.

Wenn der Zahnarzt sich bei den Gegenanzeigen nicht sicher ist, kann die Zahnbehandlung aufgeschoben werden, bis der Hausarzt oder Internist eine zusätzliche Untersuchung durchgeführt hat. Dann kann der Zahnmediziner gemeinsam mit den anderen Ärzten die richtige Entscheidung für seinen Patienten treffen und den am besten geeigneten Zahnersatz anfertigen lassen.

Reichen die Knochensubstanz oder Knochendichte des Kiefers nicht für eine sichere Implantation an der vorgesehenen Stelle, kann der Arzt vor der Implantation verschiedene Maßnahmen zum Knochenaufbau vornehmen. Eine solche Maßnahme ist der sogenannte Sinuslift, bei dem der vorhandene Knochen verstärkt wird. Dazu dient in der Regel Eigenknochen, der an einer anderen Stelle entnommen und mit speziellen Verfahren aufbereitet wurde, oder eine Mischung aus eigenem und künstlichem Knochenmaterial. Nach der erfolgreichen Maßnahme sind die lokalen Voraussetzungen erfüllt, und das Implantat kann dauerhaft eingepflanzt werden.

Kontraindikationen für Zahnbrücken und Zahnkronen

Auch bei einer geplanten Brücke oder Krone gibt es Gegenanzeigen. Dazu können z. B. gehören:

  • Das Alter des Patienten: Heute bekommt kaum noch ein Patient unter 20 Jahren eine Zahnkrone oder Brücke angepasst. Und im Milchgebiss wird nur spezieller Zahnersatz verwendet, etwa eine klebebrücke, eine provisorische Krone oder ein Lückenfüller als Platzhalter für den späteren bleibenden Zahn.
  • Die Größe des Zahndefekts: Bei kleineren Schäden kann der Zahnarzt statt einer Brücke oder Krone eine Füllung oder ein Inlay empfehlen. Dabei geht weniger Zahnsubstanz verloren.
  • Die Erhaltungsprognose: Ein Zahn, der voraussichtlich nicht mehr lange erhalten werden kann, sollte nicht noch aufwendig präpariert und überkront werden. Schlechte Erhaltungsprognosen haben beispielsweise Zähne, deren Mark und Wurzel bereits schwer geschädigt sind oder von deren natürlicher Substanz nur noch wenig übrig ist. Hier wären eine Brücke oder ein Implantat sinnvollere Lösungen.
  • Die Pfeilerwertigkeit: Wenn die als Brückenpfeiler in Frage kommenden Zähne selbst bereits schwer beschädigt oder gar locker sind, werden sie die Brücke nicht gut bzw. nicht lange tragen können – eine klare Gegenanzeige für diese Art der Versorgung.
  • Die Brückenstatik: Die Länge einer klassischen Zahnbrücke ist begrenzt. Außerdem darf die Brücke nicht zu sehr gekurvt sein. Liegen zu viele Lücken nebeneinander, würden Brücke und Pfeiler durch so starke Kräfte belastet werden, dass die Konstruktion auf Dauer nicht halten könnte. Daher wird der Arzt hier eine andere Lösung suchen, z. B. eine Teilprothese oder kombinierten Zahnersatz.

Kontraindikationen für bestimmte Zahnersatzmaterialien

Manche Menschen haben eine Metallunverträglichkeit oder reagieren allergisch auf einen zahntechnischen Werkstoff, etwa einen Klebstoff bzw. Zahnzement (Komposit). Hier kann Zahnersatz aus Vollkeramik (z. B. aus Zirkoniumoxid) eine verträgliche Alternative sein, denn solche Hochleistungskeramiken sind biokompatibel und werden vom Organismus nicht als Fremdstoffe wahrgenommen.

Eine Gegenanzeige bei Vollkeramik ist jedoch Zähneknirschen (Bruxismus). Denn dabei wirken starke Kräfte auf die Zähne, und keramischer Zahnersatz ist so hart, dass er brechen kann. Als Alternativen stehen hier bruchfeste und körperverträgliche Materialien wie Dentalstahl, Gold, Titan, Palladium oder moderne Kunststoffe zur Verfügung.

Wer trotz Bruxismus hochwertigen keramischen Zahnersatz tragen möchte, sollte sich auf jeden Fall eine Knirscherschiene nach seinen exakten Maßen vom Zahnlabor anfertigen lassen. Die Schiene wird vor allem über Nacht getragen und schützt die echten Zähne und den Zahnersatz vor übermäßigen Belastungen und Schäden.

Auch schlechte Mundhygiene kann gegen Zahnersatz sprechen

Zur Vorbeugung von Zahnschäden sollte jeder Versicherte die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und sein Gebiss zweimal pro Jahr untersuchen lassen. Das macht aber längst nicht jeder – und nicht wenige Menschen nehmen es auch mit dem Zähneputzen nicht so genau. Patienten, die ihre Zähne gar nicht, mangelhaft oder falsch pflegen, können jedoch selbst beim besten Zahnarzt und mit hochwertigstem Zahnersatz nur schlechte Prognosen erwarten. Hier gehören also das Lernen, Umdenken und vor allem eine konsequente Verhaltensänderung zu den wesentlichen Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Zahnsanierung oder Zahnersatzbehandlung.

Mangelnde Mundhygiene kann verschiedene Ursachen haben. Oft fehlt es an der nötigen Aufklärung und Information, zuweilen auch an Einsicht, Geduld oder Disziplin. Und manche Menschen haben so viel Angst vor dem Zahnarzt, dass sie jahrelang nicht hingehen – und so können sich vorhandene Kariesschäden und Entzündungen immer mehr ausbreiten.

Wer einen oder mehrere kariöse Zähne im Mund hat, kann die Bakterien auch mit der Zahnbürste nicht mehr vertreiben. Ein Zahn steckt den anderen an – und Karies lässt sich sogar beim Küssen oder Teilen von Essbesteck an andere Menschen weitergeben. Bevor der Zahnarzt neuen Zahnersatz einpasst, wird er also zu einer umfassenden Sanierung raten und seinen Patienten zum Thema Mundhygiene gründlich aufklären.

Richtige Zahnpflege lässt sich lernen. Auch Erwachsene können jederzeit nachholen, was sie als Kinder verpasst oder im späteren Leben vernachlässigt haben. Zahnarztangst ist ebenfalls heilbar – und da sie recht häufig vorkommt, gibt es genug Ärzte und Psychologen, die sich damit bestens auskennen und geeignete Therapien anbieten. Außerdem offerieren viele Zahnarztpraxen Kurse und zusätzliche Maßnahmen zum praktischen Erlernen der richtigen Zahn- und Prothesenpflege.


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