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Zahntechnik

Adhäsiver Stiftaufbau – was bedeutet das?

Ein adhäsiver Stiftaufbau kann zum Einsatz kommen, wenn ein Zahn bis in die Wurzel hinein stark angegriffen oder zerstört ist und restauriert werden soll. Doch nicht nach jeder Wurzelbehandlung ist es nötig und sinnvoll, den Stumpfaufbau durch einen Wurzelstift zu verstärken. Und dank neuer Erkenntnisse, moderner Stiftsysteme und Befestigungsmethoden wie der Adhäsivtechnik (Klebetechnik) haben Patienten und Zahnärzte heute mehr Möglichkeiten, den geschädigten Zahn zu erhalten und neu aufzubauen.

Früher wurden Wurzelstifte mit speziellen Zementen (Glasionomerzement oder Zinkoxid-Phosphatzement) befestigt, die zum Aushärten rund 24 Stunden brauchten. Inzwischen wurden neue zahntechnische Materialien entwickelt, mit denen Stiftaufbauten auch angeklebt werden können. Ein adhäsiver Stiftaufbau hat unter anderem den Vorteil, dass die verwendeten Komposite rasch aushärten. So kann der Aufbau noch in derselben Sitzung für die Aufnahme des Zahnersatzes beschliffen werden.

Ob ein adhäsiver Stiftaufbau, eine andere Art der Stiftversorgung oder eine Wurzelfüllung angebracht sind, um einen Zahn so zu stabilisieren, dass er später den geplanten Zahnersatz (zum Beispiel eine Teil- oder Vollkrone) tragen kann, kann Ihnen Ihr Zahnarzt sagen.

Was kommt nach der Wurzelbehandlung?

Wurzelkanalbehandlung, Wurzelfüllung, Wurzelspitzenresektion und Stiftversorgung gehören zur Endodontologie. Das ist ein Teilbereich der Zahnmedizin, der sich mit dem Inneren der Zähne beschäftigt, also mit dem, was unter dem Zahnschmelz liegt. Dazu gehören das Zahnbein (Dentin), das Zahnmark (Pulpa) und die Zahnwurzel mit den Wurzelkanälen.

Zahnwurzelbehandlungen dienen immer der Erhaltung eines tief geschädigten Zahns. Bevor der Zahnarzt mit dem Stumpfaufbau beginnen kann, muss er sämtliche kariöse bzw. nicht mehr tragfähige Zahnsubstanz entfernt haben, und eventuelle Entzündungen müssen zum Stillstand gekommen sein. Oft gehen dem definitiven Zahnersatz daher eine provisorische Versorgung und das Einhalten einer Wartezeit voraus.

Je nachdem, wie viel Zahnsubstanz (Zahnschmelz, Dentin und natürlicher Wurzelzement) bei der Wurzelbehandlung verloren gegangen ist, stehen verschiedene Möglichkeiten für den Stumpfaufbau zur Verfügung. Wenn im Bereich der natürlichen Zahnkrone noch viel Substanz übrig geblieben ist, etwa eine oder mehrere Zahnwände noch stehen, kann der Aufbau mit hoher Wahrscheinlich daran verankert bzw. festgeklebt werden. Eine Stiftversorgung ist dann nicht erforderlich, lediglich eine Aufbaufüllung oder Wurzelfüllung.

Bei schweren Substanzverlusten ist die Stiftversorgung oft die einzige Möglichkeit, den Zahn zu erhalten. Der Wurzelstift kann aus verschiedenen Materialien sein, zum Beispiel aus Metall, aus Hochleistungskeramik, aus Quarzfaser oder aus Glasfaser. Wurzelstifte aus Glas- oder Quarzfaser sind ähnlich elastisch wie natürliche Zähne. Das vermindert das Risiko, dass die Wurzel später bricht, wenn sie starken Seiten- und Scherbelastungen (auch Knirschen genannt) ausgesetzt ist.

Bezuschusst die Krankenkasse den Stiftaufbau?

Wenn ein konventioneller oder adhäsiver Stiftaufbau notwendig ist, gibt es dafür auch einen Festzuschuss der gesetzlichen Krankenversicherung. Wie hoch der Zuschuss ist, hängt auch davon ab, ob ein vorkonfektionierter Wurzelstift verwendet oder ein individueller Stift im Dentallabor gegossen wird.

Die Krankenkasse muss die Stiftversorgung nicht im Voraus bzw. gesondert genehmigen. Es ist üblich, sie über einen Heil- und Kostenplan zu beantragen, denn Stift- und Stumpfaufbau sind ohnehin mit einer Überkronung, also mit einer Zahnersatzversorgung, verbunden. Von einem Stiftzahn oder einer Stiftkrone redet man übrigens nur dann, wenn Stift und Krone aus einem Stück hergestellt werden.

Die Abrechnung von Stiftaufbauten nach der GOZ (Gebührenordnung der Zahnärzte) kann aufgrund der verschiedenen möglichen Materialien, Herstellungs- und Befestigungsverfahren recht kompliziert sein. Um bei Stiftversorgung und Zahnersatz zu sparen sowie unnötige Kosten und Behandlungsschritte zu vermeiden, sollten Patienten sich ausführlich beraten lassen und nach Möglichkeit von ihrem Recht auf eine alternative Zahnarztmeinung Gebrauch machen. Der sorgfältige Vergleich mehrerer Heil- und Kostenpläne, gegebenenfalls mit Hilfe der Krankenversicherung, hilft zahnmedizinischen Laien, die beste und voraussichtlich langlebigste Versorgung zu erkennen.


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